laut.de-Kritik
Entschleunigter Indie-Rock untermalt ein Trennungsalbum.
Review von Johannes JimenoFrontmann Kele Okereke gibt im Rahmen des neuen Bloc Party-Albums zu Protokoll, dass er bereit sei, über eine gewisse Romanze zu sprechen und das relativ direkt: "Ich habe keine Bedenken, darüber zu sprechen, denn diese Verbindung ist wichtig. Ich glaube nicht, dass ich in der Vergangenheit jemals so offen darüber gesprochen habe".
Herausgekommen ist "Anatomy Of A Brief Romance", das überraschend aufgeräumt, reflektiert und nüchtern ertönt. Seine sonst blumige Lyrik bleibt hier sehr klar sowie verständlich. Keine ambitionierten Wortspiele oder Metaphern wie beim Vorgänger, sondern die Ereignisse unmittelbar darlegend mit einfachen Vergleichen. Wie der Titel vermuten lässt, nimmt er uns vom ersten Blickkontakt bis hin zum Scheitern mit und entwirft eine durchaus unterhaltsame Geschichte.
Musikalisch schlägt sich das ebenfalls nieder. Sachte inszenierter, entschleunigter, professionell produzierter Indie-Rock mit kleinen elektronischen Ausflügen. "22.01.22" mimt den sanft-verträumten Einstieg als liebevolle Erzählung, gefolgt vom sinistren "Coming On Strong" samt cooler Bassline, bei dem sich die Bridge schön öffnet. "Love Bombs" beinhaltet einen verzerrten Gitarrenloop und verstärkt die Intensität, während Kele die aufblühende Liebschaft besingt.
Über das naiv-hibbelige "Pigwig" geht es in die Trademark-Ballade der Band "Lagoon Blue", bei dem zurückhaltende Strophen auf einen emotionalen Chorus treffen. Eine wirklich pittoreske Liebeserklärung an den neuen Partner: "The night descends so we head in / To watch a studio Ghibli film / I fall asleep on your sleeve / With those three words in my dreams."
Beim leider schematischen "Muscleworks" keimen erste Zweifel durch unausgesprochene Probleme und Verschlossenheit. Kele prangert das im dramaturgisch interessanten "Clark Kent" zwar an, nimmt ihn aber noch in Schutz. Beim wütenden "Worst Birthday Ever" samt unterdrücktem Drumming geht die Beziehung in die Brüche, auch ob der feindlichen Verwandtschaft seines nun Ex-Partners.
Im trotzig-zankwütigen "Not Your Problem" läuft der Refrain kontinuierlich im Hintergrund, die Instrumentierung gerät verspielt. Vom Tonus her höre ich da durchaus Interpol im Detail hindurchscheinen. "Now We Can't Be Friends" behandelt ebenjene pragmatische Einsicht und versucht sich an mäandernden Synthie-Melodien, verzettelt sich indes in zu vielen Tempoverschiebungen.
Vorhang auf für den Heartbreak-Song, der dem Ganzen eigentlich eine gewisse Gravitas schenken sollte, jedoch entpuppt sich "Rotherhithe" als schleppend und tatsächlich kitschig. "Moving On" beschwört immerhin alte "A Weekend In The City"-Zeiten herauf, wirkt dringlicher sowie intimer. Nachdem die inneren Wogen geglättet sind, schließt Kele diese Romanze in "Eulogy" versöhnlich ab im Kleid eines vergnüglichen Indie-Popsongs.
"Anatomy Of A Brief Romance" parliert von großen Gefühlen, die aber selten mitreißen. Etwas mehr Abwechslung und Verve hätte nicht geschadet, allerdings passen die Songs seltsamerweise gut zum ebenfalls ruhigeren Album "This Mirror Weighs A Ton" von Interpol, mit denen die Briten im Herbst dieses Jahres zusammen auf Double-Headliner-Tour gehen.


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