laut.de-Kritik
Keine Atempause, Bass Music wird gemacht, es geht voran.
Review von Dani FrommWenn bei deinen Shows ein Mob aus vielen Kehlen lauthals skandiert "We want bass! We want bass!" ... dann gibst du den Leuten besser, wonach sie verlangen. Dizzee Rascals Maxime lautet zwar "I'm not doin' it for the assholes, I'm doin' it for myself". Seine Fans sind aber ja keine Arschlöcher, und wenn sich die eigenen Wünsche ohnehin mit denen der Crowd decken, kann man ihr ja wohl auch mal einen davon erfüllen. Türlich, türlich!
"We Want Bass!" macht seinem Titel wirklich alle Ehre: Das Album entpuppt sich als eine Art Extended-Version des Irrwitzes von "Bonkers" oder, anders betrachtet, als amtlicher Rave, komprimiert auf Albumlänge. Gerade einmal 40 Minuten braucht der seiner Corner längst entwachsene Boy, um alles, das noch atmet, vom Hocker zu reißen, auf den Dancefloor zu schubsen und dort eine, zwei, drei, zehn, dreizehn Runden lang durchzuprügeln.
Bass Music wird gemacht, eine Atempause gibts erst ganz kurz vor Schluss. "Riding Round Slow" nimmt, passend zu seinem Titel, wenigstens etwas Tempo raus. Näher an die Chillout-Zone, als in den Armen von Bun Bs Triplets im Walzertakt in den Sonnenaufgang zu stolpern, kommen wir heute nicht mehr. Das abschließende "Tell Me Why" fühlt sich danach an, als komme man im Aufwachraum eines Krankenhauses zögerlich wieder halbwegs zu Sinnen: die Wahrnehmung noch wattig-gedämpft, aber die Realität, der man vorher recht erfolgreich entfleucht ist, hat eine*n eingeholt und stürzt nun gnadenlos auf den lädierten Verstand hernieder.
So inhaltlich vollgepackt dieser letzte Track ist, so kompromisslos dumm geht der ganze Rest des Albums, und es macht schlicht einen Scheißspaß. Das Strickmuster bleibt eigentlich immer gleich: Knüppelharte heavy Basslines, wie wir wissen, seit jeher Dizzee Rascals "kind of silence", pumpen stur geradeaus und drücken dir das Zwerchfell von unten bis in den Hals. Im Sound, der um die Knöchel wabert, brodelt und blubbert es. Hier schrillt eine Klingel, da schabt ein Störgeräusch, dort flackert ein Monitor auf und blinkt einen Fetzen 8bit-Computerspiel Soundtrack ins Gebräu.
Darüber spittet Dizzee, durch die harte Grime-Schule gegangen, derart unbeirrt, dass man seinen Flow als "stoisch" bezeichnen würde, bekäme man seine Lines nicht in absolut irrwitzigem Tempo um die Ohren geballert. Dass er (im natürlich wieder völlig bekloppten) Video zu "Foxtrot Oscar" ein Projektil verkörpert, erscheint angesichts seiner Performance wie die einzig logische Konsequenz:
So man denn zwischendurch zum Luftholen käme, könnte man diesem Album wahrscheinlich mit Fug und Recht seine übersichtliche Bandbreite ankreiden. Großartige Variationen gibts nicht, die einzelnen Tracks unterscheiden sich nur in Nuancen voneinander. "VIP" klingt, als habe man mal eben eine noch dickere Basssaite aufgezogen. "Hit The Spot" spielt mit Fiddys "Candy Shop" herum, "So Hot" gräbt im Anschluss "Hot In Herre" von Nelly wieder aus. Ein Stück quirlt zum kuscheligen R'n'B-Gesang in der Hook etwas mehr Dub, das nächste einen Hauch Orient-Aroma, "Muy Bien", an anderer Stelle sind es homöopathische Dosen klassischer Streicher, aber im Wesentlichen ist es immer dasselbe: exakt "What U Need", und das "All Night", "On Rpt".
Dass die Lyrics, "Tell Me Why" ausgenommen, größtenteils unterkomplex ausfallen, juckt nicht die Bohne: "I know this song will get me no Grammy", gibt sich Dizzee Rascal auch gar keiner Illusion hin. Sein Ziel ist diesmal eh ein anderes: "I just wanna see you dance." Das sollte er mühelos erreichen, mit diesem absolut kompromisslosen Dance-Album, in dem wahrhaftig nichts Subtiles verborgen steckt. Ihr wolltet Bass? Ihr habt Bass gekriegt, also: "Don't say a word, just listen and follow."


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