laut.de-Kritik

Konzertmitschnitt zum Happy End.

Review von

Natürlich sollte man Künstler immer mit dem Kauf von Konzerttickets unterstützen, wenn man das kann, doch wer das Comeback dieses Jahr von Pulp verpasst hat, der kann sich und andere mit dieser Doppel-Live-CD oder Doppel-Vinyl glücklich machen.

Pulp haben sich endlich wieder vereint und harmonieren wie in alten Zeiten auf der Bühne. Live! heißt dieser Konzertmitschnitt und Jarvis selbst sagt dazu: "Ein Konzert ist ein Ereignis, bei dem Songs wieder zum Leben erwachen." Und damit behält er Recht. Gleich zu Beginn beamt man sich in Gedanken auf das zuletzt besuchte Konzert der englischen Band und sitzt dabei mit diesem Mitschnitt gemütlich auf dem Sofa. Aber da verweilt man nicht lange, denn spätestens nach dem Intro, das von Schauspielerin Kelly Macdonald eingesprochen wird, beginnt der erste Hüftschwung "Spike Island" vom letzten offiziellen Album More. Und das ist der erste Ohrwurm, der einen vom Möbel holt und zum Tanzen animiert. Was aber sofort fehlt, ist die zuckende Hand- und Tanz-Performance von Jarvis Cocker vor Augen. Der Sänger ist live ein agiles Kunstwerk, und das muss man einfach lebensnah auf der Bühne erleben.

18 Live-Versionen gibt es zu hören, und es ist nicht nur eine gewöhnliche Live-Platte, sondern der Soundtrack der Band zum Film "Pulp: What Do You Do For An Encore?" Der englische Regisseur und Schauspieler Garth Jennings ("Sing", "Son of Rambow") filmte die beiden Konzerte der Band in London, dieses Material wird man im Pulp-Film im Herbst 2026 sehen können.

Vorab kann man sich nun schon mal die Songauswahl anhören. Irritierend ist es, dass einzelne Songs am Ende abrupt abgeschnitten werden, auch wenn Jarvis noch am Erzählen ist. Ist das normal? Hat was Nostalgisches, klingt wie die ersten selbst aufgenommenen Kassetten, die man früher aus dem Radio mitgeschnitten hat und bei denen man den Moderator nicht draufhaben wollte. Aber immerhin lässt man die grölenden Zuschauer noch kurz on. Ansonsten wären fließende Übergänge geschmeidiger gewesen, aber das geht wahrscheinlich nicht, wenn der Sänger immer dazwischen quatscht.

Nun gut. "Live!" ist ein Mitschnitt aus der langen Pulp-Ära mit jeder Menge Hits. Spätestens bei "Disco 2000" rasten alle aus. "Help The Aged" klingt nach 28 Jahren noch mal mehr nach Hardcore, weil man jetzt seine Knochen ganz anders spürt. Das Video zum Song drehte übrigens auch Garth Jennings.

"This Is Hardcore" von 1998 wird live schön mit Streichern eingeleitet. Man schwelgt in Erinnerungen, bis das Schlagzeug seinen Beat aufnimmt und die vertraute, melancholische Klaviermelodie beginnt. Es hat was Schauriges, aber auch Vertrautes an sich. Und dann kommt Jarvis mit seiner betörenden Stimme. Klingt hier live ein wenig nasal, aber der Song bleibt phänomenal. "Don't make a move till I say 'Action!'"

Jarvis Einführungen zu den Songs werden immerhin nicht abgeschnitten, und somit wird Sunrise aus dem Jahre 2001 von ihm noch mal episch hervorgehoben. Auch bei "Do You Remember The First Time" können alle wieder mitsingen und an das erste Knick Knack-Date denken. Bei "Mis-Shapes" verliert Jarvis fast ein wenig die Stimme, aber das mindert nicht die euphorische Stimmung im Raum. Different Class – Different Hits und immer glamourös und Special.

"Common People" darf natürlich auch nicht fehlen, spätestens bei dieser Pop-Hymne beamt man sich noch mal auf das Primavera Festival in Porto zurück. 2024 waren Pulp dort Headliner, da erlebte man bereits das Comeback der englischen Britpop-Elite. Zum Schluss gibt es mit dem neueren Stück "A Sunset" das Happy End und man schließt Frieden mit diesen Live-LPs. Ein kleines Stückchen Popgeschichte zu einem Soundtrack des Vertrauens zusammengefasst. Got To Have Love!

Trackliste

  1. 1. Intro Feat. Kelly Macdonald
  2. 2. Spike Island
  3. 3. Slow Jam
  4. 4. Sorted for E's & Wizz
  5. 5. Disco 2000
  6. 6. Help The Aged
  7. 7. Farmers Market
  8. 8. This Is Hardcore
  9. 9. Sunrise
  10. 10. Something Changed
  11. 11. Grown Ups
  12. 12. O.U.
  13. 13. Do You Remember the first time?
  14. 14. Mis-Shapes
  15. 15. Got To Have Love
  16. 16. Babies
  17. 17. Common People
  18. 18. A Sunset

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