laut.de-Kritik
Säuselnder Chanson-Pop nach simpler Machart.
Review von Helen von DaackeLa La Land mit Annett Louisan. "Was ist ein Herz ohne Gebrauchsspuren schon wert?", fragt sie zum Einstieg in "Sehnsucht" und man erkennt ihre Handschrift sofort wieder. Lieb gesäuselt gehen die Zeilen direkt ins Ohr, und selbst etwas plattitüdenhaften Aussagen wie "Auf Oldtimer gibt es nie Garantie" will man kaum widersprechen. Der erste Song ihres neuen Albums ist gut gewählt, da er der stärkste ist.
Musikalisch schwankt er zwischen französischem Chanson, Liedermacher-Tradition und Pop. Für populären Schlager, wie man ihn heute kennt, sind die Texte zu feinsinnig geschrieben. Dennoch funktionieren die Melodien nach simpler Machart. Gegen Schlager ist ja per se auch nichts einzuwenden, sofern er keine menschenverachtenden oder prolligen Botschaften verbreitet. Hiervon ist die 49-Jährige bekanntlich meilenweit entfernt, bei ihr ist heile Welt angesagt, ein wenig Herzschmerz und hier und da singt sie sich auch mal weltliche Probleme niedlich von der Seele, mit aufgerichtetem Kinn.
"Ein Mann ist keine Altersvorsorge" und "ein schöner Po ist kein Depot" lässt sie uns wissen, was in seiner Einfachheit kaum zu übertreffen ist. Annett Louisan ist 2026 eine selbstbewusste Frau mit nicht mehr wirklich provokanten Aussagen, außer sie spricht Opa Hans Jahrgang 1929 an. Ein wenig einschläfernd ist die unterkomplexe Bauart der Songs auf Dauer allerdings schon.
Spätestens beim "Lied von der Freiheit" und dem einsetzenden Klavier kommen Musical-Vibes auf. Was ist denn nun los? Eine etwas verklärende Politikstunde über die Geschichte der Ostdeutschen im geteilten und schließlich vereinigten Deutschland. Annett geht auf die sich heute abgehängt fühlenden Bürger*innen empathisch ein, indem sie ihnen Namen gibt (Kerstin und Maik) und ihre Geschichte des Scheiterns erzählt.
Sehr überzeugend gelingt ihr das nicht. Das Liebespaar, das hier symbolisch den Freiheitswunsch der Ostdeutschen darstellt, steht händchenhaltend zu David Hasselhoff auf der Mauer - ohne Kitsch macht sie es halt nicht. Eine Erklärung für die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt liefert der Song ebenfalls nicht, auch wenn die Sehnsuchts-Thematik angespielt wird.
"Königin der Nacht", geschrieben mit Tristan Brusch, ist dann eine Wiedergutmachung, lyrisch ansprechend und zart komponiert. Hier kommt Louisans Stärke zum Tragen, wenn sie die Spannbreite ihrer Stimme zum Einsatz bringt und sich textlich mit Bildern ausdrückt, die sanft ins Ohr gehen. Wenn sie sich am Ende mit "Ich geh nur schonmal voraus und du gehst weiter deinen Weg" verabschiedet, möchte man ihr aufrichtig nur das Beste wünschen.


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