laut.de-Kritik
Tom Hardy ist Frankie Pulitzer.
Review von Stefan JohannesbergEs lag alles offen vor uns, wir haben es nur nicht sehen wollen. Seit Jahren gehört Tom Hardy aka Frankie Pulitzer, formerly known as FacePuller, schon zum erweiterten Czarface-Kosmos. Esoteric kennt ihn seit Jahren und holte den Schauspieler im Umfeld von "Venom: Let There Be Carnage" auf Czarface-Tracks. Hardy hinterließ auch unzählige Referenzen zu seinen Filmrollen, doch die große Enthüllung blieb aus.
Erst 2026 lassen Producer 7L sowie die Emcees Esoteric und Inspectah Deck das Versteckspiel endgültig sein und präsentieren ihren Superstar-Homie offiziell der ganzen Welt – und die Reaction-Channels überschlagen sich. Die Single "Mad Technology" war für den Hype fein gewählt. Im Gegensatz zum normalen, wesentlich staubigeren, chaotischen Czarface-Sound wählt 7L hier einen hypnotisch-harten Piano-Loop und dreckige Drums, die den Stimmen und Reimen sehr viel Raum geben. Method Man flext wie seit Jahren schon alles weg. "Mr. Mef, Frankie P, not Sinatra, but frankly we / Are Frankenstein's monster, momma raised me on franks and beans / Mean microphone fiend, no one nicer than king / Y'all too lean and light in the jeans to even fight for a dream".
Dagegen spulen Inspectah Deck und Esoteric eher Alltagsroutinen ab. Fast scheint es, sie wollten ihrem Geheimgast nicht das Rampenlicht stehlen. Mehrere Superhelden-Referenzen und eine dreifache Stephen-King-Kombination aus "Cujo", Kathy Bates und "Misery" kratzen hart an Meths Best-Vers-Thron. Frankie ist erfahren genug, immerhin rappte er als Tommy No 1 bereits in den 90ern, liebt Comics und fühlt sich auf New Yorker Boom Bap am wohlsten. Zudem passt sein Flow perfekt zu den Czarface-Produktionen aus Drumbreaks, Marvel-Samples, Synth-Stabs und präsentem Bass.
Am Start eröffnet jedoch erst einmal Inspectah Deck über einen eher asiatisch-melancholischen Wu-Tang-Beat das Album klassisch: "My raps are Kevlar, spark the seminar / CZAR set the bar, dark tints on the Death Star / I came from the dirt, not safe for work / How I got their brain buzzing like they takin' percs", während Tom Hardys Flow und Silbenfeuerwerk dem Clan Ehre erweist: "Came with blood in a flash you get dashed / Karambit to jugular femoral to the gambit".
In "Raw Forever" gesellt sich Busta Rhymes zu den Superhelden. 7L mixt etwas Flipmode-Pfeffer in seine Beats und Hardy droppt von Doctor Doom und Green Goblin bis zu Nicolas Cage und Martin Scorsese Film- und Comic-Referenzen en masse. Seinen Flow drosselt er auf ein gefährlich klingendes Level, um den aggressiven Vibe des Tracks zu matchen. Komplett aus dem Ruder rappt er in "Grim-Visaged War": "My mind is open, trauma finds the potent / We all inclined to find our kind hardwired to join the tribe / 'Cause ostracized is not advised". Mit wenigen Zeilen verbindet er die Herausforderungen des intelligenten Individuums mit Gruppenzwang und der menschlichen Suche nach Gleichgesinnten. Am Ende rezitiert er dann aus Shakespeares "Richard III" und nutzt seine Bane-Stimme aus "The Dark Knight Rises". Wie sagte Guru einst über die Formel für erfolgreiche Emcees: "It's mostly the voice" – und Hardy hat gleich mehrere.
7Ls time to shine folgt: "Dr. Yorgo in the Land of Acid 7.0" ist ein psychedelisches, zerstückeltes Radio-Instrumental, "Gnawing At My Rhyme Like A Poisonous Rat" ein vollkommen überdrehtes Sample-Monster. Der neben "Mad Technology" jedoch größte Song ist "Dragon Cannon" mit EL-P, der mit Flow und Style natürlich perfekt zum eh schon Company-Flow-mäßigen, futuristischen Beat und dem Czarface-Trio passt.
Esoteric, der sich neben dem Rebel INS und Frankie auf dem Album etwas im Hintergrund hält, droppt auf "Paul Bufano Type Beat" aber die wunderschönste Line des gesamten Jahres: "I stay on 'cause for this music I'm an addict / I Shazam'd my heartbeat, it came back as Illmatic".
Trotzdem steht auf "Czarface Meets Frankie Pulitzer" die Wiederauferstehung beziehungsweise endgültige Einführung von Tom Hardy ins Rapgame im Vordergrund. Folgerichtig bekommt er gegen Ende mit "Frankie" seinen großen Solospot als Frankie Pulitzer. Der Beat funkt entschlackt im 70er-Style lässig über die Tanzflächen und Frankie endet mit:
"Stick the landing, quick to hand a beatdown
Dark lord, with a sharp sword
Keep it where I keep my art stored
Keep your face upon a dartboard
Another bullseye, hardcore, flippin' like it's parkour
What's my name?"
Tom Hardy ist Frankie Pulitzer.


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