laut.de-Kritik
Gelungenes Spätwerk mit politischen Anspielungen.
Review von Philipp KauseSong für Song legt das schwedische Quintett Europe auf "Come This Madness" einen stets interessanten Aufbau hin: Dem prägnanten, knappen Keyboard-Intro folgt eine Strophe mit meist Medieval-Metaphern, die "Madness" spielt im Reich der Mächtigen. Die Hook ist dann fast zuverlässig in jedem Stück ein Knaller - ihr folgen eine zweite Strophe, Wiederholung des Chorus, dann ist es der lyrischen Ergüsse genug: Jedes Mal bettet sich je ein längerer Instrumental-Abschnitt elegant ein. Entschlackte Textfüllung mit durchaus Redundanzen, ein schöner Widerspruch in sich, lässt ausreichend Zeit für Soli und glühenden Spiel-Flow, bei zahlreichen Hinhör-Melodien.
Die handwerklichen Fertigkeiten fegen jeden Verdacht von Rentner-Routine weg. Die fünf aus Upplands Väsby und Märsta, Stockholms Speckgürtel, haben sich seit ihrem letzten Album Zeit gelassen, Ideen und Kraft getankt. Die 1979 gestartete Gruppe um den wandelbar intonierenden Frontmann Joey Tempest, der sich nach einem Kansas-Song und einem Shakespeare-Drama benannte (bürgerlich Rolf Magnus Joakim Larsson), tourt seit 1984 mit Unterbrechungen in der nun wieder aufspielenden Besetzung. "Come This Madness" umfasst also genau dieselben Musiker, die 1985 "The Final Countdown" in die ganze Welt hinaus posaunten: Über Europa hinaus identifizierten sich auch die Hardrock-, Glam- und Pop-Fans in Kanada, den USA und Australien mit dieser Band, die auf 'Europa' hörte.
Vier Hits hatten sie in der BRD und in der Schweiz, "Rock The Night", "Carrie", "Superstitious" und besagten Durchbruch mit "The Final Countdown". Die gleichnamige LP bzw. Kassette verkaufte sich bei uns mit Goldstatus. Wer die damaligen Chartbreaker schon gut fand, wird das neue Album lieben. Die Rezeptur ist nachvollziehbar, die Keyboards und Synths dominieren ohne zu nerven, die Melodien gehen gut ins Ohr, die Songs streben straight nach vorne, pflegen Stadion-Anspruch, und trotz vieler typischer Eighties-Bausteine bedient die Band keine peinlichen Stereotypen, sondern jammt ihr eigenes Ding.
Die meisten neuen Tracks und somit auch die ganze Platte im Gesamteindruck pflegen einen perfekten Umgang mit Timing. Die beiden schwächelnden Nummern "Takin' It Back" und "Nothing Can Follow This" verteilen sich gerecht in der Mitte und am Ende, trüben aber den Spaß am Flow unwesentlich. Nun, zugegeben, manche Minute verstreicht ein bisschen zu belanglos. Wie klar sich die Nordlichter an Gängiges aus den Achtzigern auf gelungene Art anlehnen, zeigt ganz eindeutig der interessant betitelte Tune "The Cult Of Ignorance". Die Space-Loop-Spielereien von Saga klingen auf einmal ganz nahe. Deren Ästhetik ist hier aber vor allem Teil einer super Dramaturgie. Trotz Melancholie setzt sie auf eruptive Entladung im Refrain.
Bei allem Arena-Gehabe, das immer für Tempests Truppe galt, kann man die Band aber dieses Mal fürs natürlich bleibende An- und Abschwellen der Lautstärke und Intensität nur loben und ihr kein artifizielles Treiben vorwerfen. Beim Titellied "Come This Madness" geht das Dick-Auftragen im Gewand eines monumentalen Symphonic-Spektakels mit Keys wie Feuerwehrsirenen mit einer nicht ganz erwartbaren Tonfolge einher, mit geschickt verbauten Septakkorden sowie einem zurückhaltend skizzenhaften Text. Statt also von allem zu viel zu bieten, wie es manche Synth-Rock-Band mit Art- und Glam-Avancen verbrach, mischen die Schweden Understatement-Merkmale mit der Wucht der Stadion-Imposanz.
Besonders atmosphärisch wirkt dieses Arena-Antlitz bei "This Time Of Year". Joey sinniert in Reibeisen-Koloratur über eine auseinander brechende Welt. Mal bleibt seine Stimme hinter der elegischen Keys-Progression merklich in der zweiten Reihe versteckt, wie beim trotzdem (oder deswegen?) sehr charismatischen Opener "One On One", mal erklingen die Lead-Vocals sehr nah heran gemischt wie in der Ausnahme-Nummer "In The Absence Of Grace". Diese kompakten anderthalb Minuten haben es in sich. Es handelt sich um eine entzückende, berührende Piano-Ballade mit Streichern in der zweiten Hälfte. In Soundtrack-Qualität referiert Tempest zum großartigen Melodieverlauf, trällert über eine "Nation der Lügen" und ätzt, "now the castle turns into a circus", und so manches Mal mag man sich fragen, ob dies ein Album über Donald Trump sein soll. Das Cover-Artwork passt zur Schlagwort-Dichte von Musks X. Andererseits machen die Lyrics aus dem Reich der Fantasie mit ihrer begrifflichen Zeitreise ins Mittelalter nebst AOR im Stil von 1984 doch oft die Jetzt-Zeit vergessen.
Zwischen schön fließendem Classic Rock ("The Angels Must Have Flown"), kraftvollem Banger ("The Devil's Back"), erdigem Pump-Tune mit himmlischen Harmonien ("Scandinavian Eyes") und klarkantigem Heavy-Material ("Come This Madness") stechen die Stücke "In The Absence Of Grace", "One On One" und "The Cult Of Ignorance" als Highlights und Anspieltipps hervor. Nachdem die Skandinavier von ihrer sechsten bis einschließlich elften CD in steter Regelmäßigkeit alle drei Jahre mit einem neuen Opus aufwarteten, ließen sie sich dieses Mal sehr lange Zeit, und das Warten hat sich nun wirklich gelohnt.


5 Kommentare mit 29 Antworten
Ja, man kann diesem heroischen Kitsch einen gewissen Respekt nicht versagen. Diese Jungs können tatsächlich spielen. Der Gitarrist weiß genau, wo er seine Finger hinsetzen muss, und der Sänger trifft jeden Ton mit einer sterilen Präzision, die fast schon beängstigend ist. Aber da ist keine Seele drin. Das ist ein sorgfältig kalkuliertes Produkt für die Stadien dieser Welt, designed, um das Maximum an Applaus bei minimalem emotionalen Risiko herauszuholen.
Es lebe Europa
Ich befürchte, dass du hier einen Toten feierst. Leider lebt dieses Europa nicht – es befindet sich im Endspiel seiner eigenen Selbstauflösung. Ich sage dies mit großem Bedauern.
Schelling,
dein Kommentar zu diesem Album ist ein Paradebeispiel für deine Argumentationsweise: Du vermischst Musik mit Politik und stellst deine politische Meinung als objektive Tatsache dar. "Das ist ein sorgfältig kalkuliertes Produkt für die Stadien dieser Welt" - das ist keine Kritik, das ist eine politische Behauptung, die du als Sachlichkeit ausgibst.
Dann dein zweiter Kommentar: "Ich befürchte, dass du hier einen Toten feierst." Hier spielst du mit dem Doppelsinn von "Europe" (die Band) und "Europa" (der Kontinent), um eine politische Botschaft zu vermitteln. Du behauptest, Europa befinde sich im "Endspiel seiner eigenen Selbstauflösung". Das ist keine Analyse, das ist eine politische These, die du als objektive Realität darstellst.
Deine Argumentation ist unehrlich, weil sie eine Musikrezension in eine politische Propaganda verwandelt. Du nutzt die Gelegenheit, deine politische Agenda durchdrücken, und tust so, als wäre es eine neutrale Beobachtung. "Heroischer Kitsch" ist keine Kritik, das ist eine politische Behauptung, die du als sachlich ausgibst.
Unsere gesamte Zeit ist ohnehin extrem politisiert. Warum also sollte ich ausgerechnet in der Musik so tun, als gäbe es diese Realität nicht? Musik und Politik miteinander zu verbinden, ist keine Propaganda, sondern ehrlich.
Edit: "keine politische Propaganda"
Viele hier halten mich für rechtsradikal, reaktionär oder was auch immer, aber das stimmt nicht. Ich sage einfach nur offen meine Meinung und das, was ich für richtig halte – völlig unabhängig davon, in welches politische Lager man mich stecken möchte. Und das werde ich auch weiterhin so tun.
nein bruder wir denken nicht du bist rechtsradikkal wir denken nur du weist nicht so viel von wissenschaft
Ich verstehe eine Menge von Wissenschaft. Ich habe mich nur dazu entschieden, mich auf einer metaphysischen Ebene zu bewegen, die von Ihren primitiven Messinstrumenten gar nicht erfasst werden kann.
PS: Zumindest plappere ich nicht judenfeindliche Parolen nach, die schon unter den Nazis beliebt waren, und Verschwörungstheorien, die sich wie die recycelten Protokolle der Weisen von Zion lesen.
Ok Bruder jetzt kann der Troll aber nicht mehr offensichtlicher werden.
Niemand muss sich persönlich angesprochen fühlen. Ich spreche lediglich von dem Antizionismus der extremen Ränder.
welche ist deine lieblings wissenschaft.
Umwelt und Ökologie. Denn die Natur ist hässlich, langweilig und feindselig; sie hat den Menschen keine Botschaft zu übermitteln.
@Schelling
Warum sollte sich Europa auflösen?
Habe ich etwas verpasst?
"Das ist ein sorgfältig kalkuliertes Produkt für die Stadien dieser Welt..."
Sag mal, lebst Du noch im Jahr 1988? Das Album schielt bestenfalls auf mittelgroße Hallen mit 3.000 Fassungsvermögen
.
"Warum sollte sich Europa auflösen?
Habe ich etwas verpasst?"
Europa hat das Feld geräumt und wartet nur noch auf einen Invasor, der das geschwächte Abendland übernimmt. Ob dies durch die Demografie, fremde Mächte oder langfristig durch einen technologiegetriebenen Posthumanismus (wie künstliche Intelligenz) geschieht, lasse ich hier mal offen.
"Sag mal, lebst Du noch im Jahr 1988? Das Album schielt bestenfalls auf mittelgroße Hallen mit 3.000 Fassungsvermögen
."
Für meinen Geschmack ist die Musik der 80er-Jahre jedenfalls hörenswerter als die heutigen Charts. Europe und Queen ausgenommen.
"Europa hat das Feld geräumt und wartet nur noch auf einen Invasor, der das geschwächte Abendland übernimmt. Ob dies durch die Demografie, fremde Mächte oder langfristig durch einen technologiegetriebenen Posthumanismus (wie künstliche Intelligenz) geschieht, lasse ich hier mal offen."
Oh man, dann sollte tatsächlich Putin übernehmen, wenn das über die Intelligenz so mancher Artgenossen hier so Einiges aussagt.
Warum springt Ihr ein ums andere Mal auf den Troll an und bietet ihm dadurch nur noch mehr Bühne?
Caps hat schon Recht, mittels AI zumindest mal durchzulüften, und diese gottlosen Fürze zumindest nicht so im Raum stehen zu lassen. Und ansonsten kann man sich auch auf entspannte Art über sowas lustig machen. Hauptsache, niemand springt drauf an, indem er sich aufregt
Hey, Muslim Daddies! Oh, ihr seid aber bärtig und stark... Es wäre wirklich ganz, ganz schlimm, wenn jemand in unser zartes kleines Abendland... eindringen würde... (*OwO)
Dieser Kommentar wurde vor 19 Tagen durch den Autor entfernt.
Der Typ macht sich komplett lächerlich und jeder nicht völlig zugedröhnte oder blödgesoffene Muppet hier erkennt das auf den ersten Blick.
Kritisch wird es, wenn plötzlich angefangen wird, diese Witzfigur ernst zu nehmen. Damit entsteht nämlich erst der Eindruck, dass das kein völliger Hirnschiss, sondern real und bedeutend wäre.
Es wäre viel sinnvoller, wenn das eigenen Hirn, statt KI verwendet würde, aber dazu bedarf es halt auch Hirn.
Die Dorfdeppen dieser Welt sind erst ab dem Zeitpunkt von der Lachnummer zur Gefahr geworden, als angefangen wurde, deren "Sorgen und Nöte" ernst zu nehmen.
Leider funktioniert selbst die plumpste Variante aller dem Typen hier perfekt und Typen wie Capsi lassen sich am Nasenring in die Arena führen, weil sie es nicht schaffen, sich mal nicht wichtigzumachen und einfach über jedes Stöckchen springen müssen.
Eitler Selbstdarstellungs- und Geltungsdrang schlägt da halt den Verstand. Da zeigt sich leider die Dummheit, die da dahintersteckt.
Verbale Entgleisungen, persönliche Angriffe und der erbärmliche Versuch sich mit Hilfe von KI als intelligent zu präsentieren in 3.. 2.. 1.. (und Schelling lacht sich tot)
» Eitler Selbstdarstellungs- und Geltungsdrang schlägt da halt den Verstand. Da zeigt sich leider die Dummheit, die da dahintersteckt.
Verbale Entgleisungen, persönliche Angriffe und der erbärmliche Versuch sich mit Hilfe von KI als intelligent zu präsentieren in 3.. 2.. 1.. (und Schelling lacht sich tot)«
Du meintest wohl in -1… -2… -3… denn genau das machst du exakt im Absatz davor. Ich bin halt dein Feind, weil du entschieden hast das so zu sehen anstatt berechtigte Kritik anzunehmen und deine L's zu taken. Und weil du so vernunftresistent agierst habe ich halt kein Bock auf dich, deswegen gehe ich auch hier nicht inhaltlich auf deine Kritik ein, ist sie doch auch an den Haaren herbeigeschleift. Lösch dich einfach.
ihr verschwendet ernsthaft eure zeit mit schelling?
Und ignoriert das Dekret des Docs, ma sagen
Schönes Album einer selbstsicheren Band, die sich nicht mehr darum schert, ob Kritiker das nun Cringe finden. Klar, manche Melodie ist auch dezent cheesy - aber wer beschwert sich denn bitte, wenn er einen Käsekuchen geschenkt bekommt
?
Sind wir mal ehrlich: Seit der Einführung des Europe geht doch alles den Bach runter.
Dieser Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Hausordnung durch einen laut.de-Moderator entfernt.
Junge poste deinen Bullshit im Nius-Forum und lass uns hier in Ruhe
jetzt verstehe ich deinen quatsch von vor 3 tagen besser
Ja, wir sollten es so machen wie die Briten. Die schrumpfen sich seit ner Weile gesund.
Jacob Nielsen Arendt, Christian Dustmann, Hyejin Ku, Refugee migration and the labour market: lessons from 40 years of post-arrival policies in Denmark, Oxford Review of Economic Policy, Volume 38, Issue 3, Autumn 2022, Pages 531–556,
https://doi.org/10.1093/oxrep/grac021
Fazit: Arbeitsmarktmigration kann nicht die Lösung sein, wenn wir den Wohlstand unseres Landes sichern wollen.
jetzt verstehe ich deinen quatsch von vor 3 tagen besser