laut.de-Kritik
Mit Fungibration philosophisch rocken.
Review von Alexander CordasRein optisch hat Cam Cole seit seinem Debüt eine nette Wandlung durchgemacht. Vom Straßenmusiker in abgeranzten Klamotten hin zum Ringmaster (Deutsch: Zirkusdirektor) des eigenen Zirkus'. Quietschbunt präsentiert sich die One Man Show auf dem Cover, mit stylischem Zylinder, umrahmt von allerlei Flora und züchedelischen Shrooms. Dabei muss man gar nicht psychoaktive Substanzen konsumieren, um an Coles sonischer Mixtur Gefallen zu finden.
Vom In-die-Fresse-Rock der vorangegangenen Alben hat sich der Engländer ein gutes Stück entfernt, aber halt, stopp! Bevor hier gleich Gemaule aufkommt: der Biss ist ihm nicht abhanden gekommen. Rückwärts geloopte Sounds leiten "Lost In Creation" ein, ehe Cam losrumpelt. Ene mene miste, es rappelt in der Kiste heißt hier "Fee Fi Foe". Ein klassischer Opener, der den Groove beim Schopf packt und ihn dem Hörer vor die Füße wirft.
Doch schon "Rabbit (She's What I Want)" fährt die aggressivere Stimmung zu Beginn merklich herunter und driftet fast schon in Singer/Songwriter-Gefilde ab, mit einer Cole'schen Handschrift. Sanfte Background-Ahs ummalen den doch sehr ... äh ... eigenwilligen Text, in dem Cam auch gleich eine neue Wortkreation einbaut: "Fungibration". Hobby-Mykologen werden sich schon denken können, welche Art Pilz man sich einwirft, wenn man mit dem Straßenverkehr spricht oder davon schwadroniert, eine Konversation mit einem Karnickel zu führen. Jesses!
In eine ähnliche Song-Kategorie fallen "Ur So Beautiful" und "Feeling Me Now". Dieses Triumvirat gehört zum Besten, das der Engländer bislang unters Volk geworfen hat. Alleine diese drei Nummern reichen als Kaufgrund für das Album schon aus. "Ur So Beautiful" besitzt einen schön schleppenden Groove mit leicht leierndem Gitarren-Einsatz. Man wünscht sich unweigerlich, der Song würde am Ende gleich noch einmal von vorne beginnen. "Feeling Me Now" positioniert sich punktgenau zwischen Mid- und Uptempo und schiebt ordentlich nach vorne weg.
"Chasing Dreams" lässt sich in der Schnittmenge aus altem Cam Cole und der neueren Ausgabe verorten. Auch diese Nummer flitz ordentlich nach vorne weg und steht sinnbildlich für die kontrollierte Offensive Anno 2026. Textlich herrscht oft die Sicht nach innen vor. Ob mit oder ohne Zuhilfenahme von Drogen, Can stellt sich öfter die Sinnfrage und kommt sympathisch auch mal zu dem Schluss: ich weiß es doch auch nicht.
Liebhaber seiner Deltablues-Seite kommen aber weiterhin auf ihre Kosten, zum Beispiel in "Tailgate", "Get Up Ya Honkytonk" und dem Titeltrack. Einzig "Shroom Swamps" will so recht nicht zünden. Die instrumentalen Riff-Fingerübungen samt Geschrammel führen irgendwie nirgendwohin.
Wenn der Vorgänger "Unleash" der Soundtrack zum Bikertreffen war, ist "Lost In Creation" das introspektive Philosophen-Album geworden, was Cam am Ende auch mit spoken words andeutet, wenn er davon spricht, dass für ihn dieses Album eine Reise bedeutete. Nehmt ihn beim Wort, wenn er sagt: "I see you down the road. Take care for now!"


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