laut.de-Kritik
Prollige Streetpunk-Revolte mit grenzwertiger Lyrik.
Review von Kai ButterweckÄhnlich wie die Onkelz, Frei.Wild und Co sehen sich auch die KrawallBrüder-Verantwortlichen schon seit vielen Jahren immer wieder mit Gesinnungsdiskussionen konfrontiert. Auf der einen Seite kritisiert man auffällige Tätowierungen und Label-Klüngeleien mit diversen "Grauzone"-Kollegen. Auf der anderen Seite hält man mit schwammigen Statements ("Wir lassen uns nicht in eine politische Ecke drängen und werden uns nicht von dem einen Extrem abgrenzen, indem wir ein anderes für gutheißen") dagegen. Der Autor dieser Zeilen schiebt das ganze Gesabbel - der Auftragslage geschuldet – mal komplett beiseite und beschäftigt sich nur mit der Musik.
KrawallBrüder waren mir noch nie ein Begriff, so viel Ehrlichkeit vorweg. Irgendwas habe ich aber scheinbar verpasst, denn mit vorliegendem Werk grüßen die Saarländer doch tatsächlich von der Spitze der deutschen Longplayer-Charts. Mit dem flotten Opener "Wir Seh'n Uns In Der Hölle" fällt die nun schon seit dreißig Jahren musizierende Kapelle gleich mal mit der Tür ins Haus. Wuchtige Rhythmusgitarren und treibende Drums vereinen sich zu einem kernigen Ganzen. Schwergewichtiger Streetpunk schält sich aus den Boxen – klassisch strukturiert und schön simpel gestrickt.
Der Gesang, wenn man ihn denn so nennen möchte, wehrt sich mit künstlich gepresstem und derbe verrauchten Timbre nach Kräften. Frontmann Pascal Gaspard röhrt wie der ketterauchende Capo aus der Ostkurve. Mit breiten Beinen und grimmigem Blick schaut der Sänger in den Rückspiegel. Für den Himmel habe man wohl zu oft in der Vergangenheit den falschen Weg eingeschlagen. Ergo: Wenn es irgendwann so weit ist, trifft man sich mit wehenden Fahnen ein paar Stockwerke tiefer.
Mit Gift und Galle in den Biergläsern ziehen die Saarländer in die Schlacht. Musikalisch ist die Geschichte hier schnell erzählt. Die erste Viertelstunde gibt es ordentlich auf den Deckel. Dabei folgt man gängigen Mustern. Wie einst Matthias "Gonzo" Röhr gibt der KrawallBruder-Gitarrero an vorderster Front die Harmonie-Marschroute aus. Das Ensemble folgt alsbald und ohne Fragen zu stellen. Powerakkorde noch und nöcher und das krawallige Organ des Masterminds komplettieren die Melange aus prolliger Revolte und solide produziertem Punkrock, der mit den großen Kalibern der Branche aber nicht wirklich mithalten kann.
Wenn es im Hause KrawallBrüder knallt, dann wippt man schon mal mit den Füßen mit. Anders sieht es aus, wenn die Band die Distortion runterdreht und in den Balladen-Modus wechselt. Da passt dann irgendwie gar nichts mehr zusammen. Drummer Thomas hat arge Probleme, mit dem plötzlich gedrosselten Tempo klarzukommen. Und der bereits auf der Überholspur phasenweise doch ziemlich anstrengende Gesang sorgt unter gedimmtem Licht für noch mehr Kopfschmerzen ("Der Nächste Morgen Kommt Bestimmt").
Zurück in der vertrauten Krawallo-Bubble geht dann alles wieder seinen gewohnten Gang: "So lange ich aufrecht stehen kann, passe ich mich niemals an – so lange ich atme halte ich meine Fresse sicher nicht", tönt Sänger Pascal, während im Hintergrund fleißig Powerchors geschrammelt werden. Eigentlich alles halb so wild. Die KrawallBrüder feiern sich und ihre Gefolgschaft. Kritiker und Fragensteller bleiben außen vor. Der bockige Clan stellt sich quer.
Sollen die da draußen doch alle ihre Vorbehalte und "Lügen" verbreiten. Die KrawallBrüder kümmert das nicht. Hier sind Männer nämlich noch echte Männer. Und richtige Kerle nehmen sich, was sie wollen. "Ob schokobraun oder bleich, Gott erschuf sie alle gleich – Das rosa Innenfutter lacht, wenn du für mich die Schere machst", heißt es im Song "Wie Ich Bin (Baby Baby)". Bitte wie? Spätestens jetzt ist dann wohl Schluss mit lustig. Zwar gibt es via Streaming vorab noch eine kleine "Disclaimer"-Warnung, in der man toxische Maskulinität und Diskriminierung anprangert und darauf verweist, dass man den Song bereits vor "vielen Jahren" geschrieben habe. Aber das ändert nicht viel. Zumindest nicht in den Augen des Autors. Wer auch immer sich solche Zeilen ausdenkt, der blickt zumindest mal nicht allzu weit voraus. Vor allem nicht dann, wenn die eigene Historie schon die eine oder andere hellbraune Delle vorweisen kann. Die Folge: Ruckzuck landet der Finger auf dem Stop-Button. Im Saarland kann man gerne weiterfeiern – aber ohne mich.


5 Kommentare mit einer Antwort
Eine Review für so eine Jeremy-Pascal-Prollmüllband, aber immernoch nichts über die neue von Prezident?
Eine Review für so eine Jeremy-Pascal-Prollmüllband, aber immernoch nichts über die neue von Prezident?
Musik für meine Ronny-Nachbarn, die mit BÖ-Tattoo und "Todesstrafe für Kinderschänder"-Autoaufkleber richtig was fürs Vaterland leisten
Musik für den Deichmolch.
Ich will nichts beschwören, aber lange nichts von dem Incelspinner gehört.
Der Molch bleibt taub für die menschliche Kultur; er will einfach nur im trüben Wasser überleben.