laut.de-Kritik

Kein Song, den man nicht mögen kann.

Review von

Das Debütalbum von Soffie handelt von dem Glauben, dass alles immer irgendwie weiter geht. Was tröstlich sein soll, kann auch bedrohlich klingen, doch dieser eingängige und energiereiche Deutschpop will das Drohende mit dem Versöhnlichen verjagen. Soffie verbindet im tanzbaren, trotzigen Sound von "Kein Streit Den Man Nicht Lösen Kann" politische Haltung mit rührend-radikaler Hoffnung.

Mit "Für Immer Frühling" landete Soffie 2024 einen viralen Hit gegen Rechts, der real dann auch auf einigen Demos gesungen wurde. Ein optimistischer Pop-Song mit Liedermacher(innen)-Anstrich plus Kinderlied-Refrain, in dem es heißt "Du nennst es Utopie, ich nenn es Heimat. Revolutionierte Freiheit (...) La-la-la, la-la-la-la-la-la-la (sing es laut)". Zugleich porträtierte das renommierte Goethe-Institut die Amerikanistik-Studentin und klavierbegeisterte Sängerin, die ihr attestiert, ein "echtes Symbol" mit ihrem Anti-Rechts-Lied geschaffen zu haben.

Inzwischen widmet sich Soffie einem Masterstudiengang in Popularmusik an der Popakademie Mannheim, einer Hochschule, an der angehende Künstlerinnen und Künstler zum Beispiel Songwriting-Kurse belegen können. Unter anderem lernte auch Alice Merton dort ihr Handwerk. Den zwölf Tracks auf ihrem Erstling merkt man an, dass sie handwerklich gut gemacht und durchdacht komponiert sind: Energetisch, einfallsreich und emotional aufgeladen richten sie sich gegen eine empathielose Gesellschaft und stehen für eine engagierte Menschheit.

Das poppig-grelle Artwork zum indie-poppigen Sound reflektiert dies: Wir sehen Brüste mit OP-Narben, die Trackliste grafisch in die Haut tätowiert und die Typografie in Tagebuch-Schwungschrift gehalten. Das Design spiegelt den Inhalt – persönliche Geschichten und Zweifel zu Beziehungen, dem eigenen Körper und dem Erwachsenwerden – sind einerseits selbstbewusst inszeniert, andererseits sympathisch naiv. In den Lyrics treffen Ironie auf Melancholie, Kampfgeist auf Vertrauen.

Soffie, mit bürgerlichem Namen Sofie Aspacher und Jahrgang 1999, wirkt mit diesem bitter-süßen Mix aus Teenie-Pop und Synth-Vibes zwischen Radio-Playlist und Indie-Charme ein bisschen wie die deutsche Olivia Rodrigo oder die Schwester der fantastischen österreichischen female Band Lovehead. Denn auf "Kein Streit Den Man Nicht Lösen Kann" finden sich jede Menge Songs mit jede Menge Hit-Appeal, deren Leichtigkeit gepaart mit dem unerschütterlichen Optimismus der Jugend sowie den unendlichen Weltschmerz-Gefühlen, ziemlich sicher macht – irgendwie wird schon alles weitergehen.

Trackliste

  1. 1. SOFFIE Unser
  2. 2. Ich Hoffe Du Hast Angst
  3. 3. Beiss Mich Fest
  4. 4. Fous!
  5. 5. Brustkorb Voller Sterne
  6. 6. Alles Auf Einmal
  7. 7. Crop Top Boy
  8. 8. Du Bist Kaputt
  9. 9. Nickelodeon
  10. 10. Kalkstein (Es Wird Leichter) (Feat. Jonny Mahoro)
  11. 11. Mit Jeder Feder
  12. 12. Für Mich Da

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