laut.de-Kritik
Kurs Richtung Ohrwurm.
Review von Emil DröllDie Schlagerpiloten sind zurück, und was wäre fernromantischer als das Tiefblau des "Laguna Blue: Sterne Überm Paradies"? Die Schlagerpiloten besingen, wie immer, die fernen und nicht ganz so fernen Orte dieser Welt.
Wenn man in dieses Album hineinhört, tut sich da fast schon die Speerspitze des modernen Schlagers auf. Wo andere Genrekollegen mit gesanglichen Klogriffen und verstörenden Texten aufwarten, trällern die Schlagerpiloten tatsächlich ziemlich stimmig und ziemlich eingängig. Klar, das ewige E-Drum kriegen wir wohl niemals los. Aber was soll's.
"Laguna Blue" catcht tatsächlich ziemlich schnell. Dafür würden sich Fernsehgarten-Tickets fast schon lohnen. Aber alles nichts gegen den Chorus: "Das Meer glänzt in Türkis und ich tauche nach den Perlen für dich." Klingt zwar nur wortwörtlich tiefgründig, die Schlagerpiloten basteln daraus trotzdem einen Ohrwurm.
Man möchte es nicht glauben, aber "Koh Samui" legt noch ein Schippchen drauf. "Ein Low-Budget-Hotel, direkt am Strand": Die Schlagerpiloten geben sich volksnah, produzieren ein Musikvideo, das überraschend wenig Photoshop aufweist, und liefern erneut eine Melodie, die absolut reingeht. Wenn "Koh Samui" dann im Kanon abgeht, gibt es wirklich kein Halten mehr. Spätestens hier wird klar: Diese Piloten wissen ziemlich genau, wo sie mit ihrer musikalischen Chartermaschine hinwollen.
Bei "Jetzt Tu Nicht So (Ice Ice Baby)" wird die Speerspitze allerdings wieder ziemlich stumpf. Die generische Schlagermucke drängt sich in den Vordergrund, und auch gesanglich reißt es diesmal leider gar nicht mit. "Jetzt tu nicht so, du willst es doch auch" klingt zudem eher so, als könnte da jemand so gar kein Nein akzeptieren. Romantik ist offenbar auch nur eine Frage der Perspektive.
"Schuld War Nur Der Limoncello" hat dagegen fast schon Party-Schlager-Potenzial. Nicht umsonst geht es auch im Musikvideo absolut steil: Die Piloten haben die Hitschmiede ausgepackt.
"Pretty Woman" stinkt dann wieder gegen das Hitmonster ab. Man merkt: Den Schlagerpiloten stehen die ruhigen Songs einfach nicht besonders gut. Sobald das Tempo rausgeht, verliert auch die ansonsten erstaunlich treffsichere Ohrwurm-Maschine etwas an Flughöhe.
Von diesen ruhigeren Nummern finden sich im Folgenden dann noch ein paar mehr. Dafür bleiben Tracks wie "So Spanisch Ist Die Nacht", "Teuflischer Engel" und "Was Soll's, Es War Nur Liebe" eher im Gedächtnis. Bei "Der Loser" ist dann sowohl musikalisch als auch textlich endgültig die Luft raus.
Der "Hitmix" findet sich wie immer auf einem künstlerischen Level mit der Albumcovergestaltung. Insgesamt ist viel passiert, und am Ende fragt man sich trotzdem ein bisschen, warum das eigentlich so lange dauern musste.
Insgesamt legen die Schlagerpiloten nach "Echte Liebesbriefe" trotzdem noch einen drauf und liefern einige ziemlich eingängige Songs. Das ist nicht besonders anspruchsvoll, nicht besonders innovativ und schon gar nicht die Neuerfindung des Schlagers. Aber darum geht es hier auch ungefähr so sehr wie bei einem Low-Budget-Hotel auf Koh Samui um Selbstverwirklichung. Dafür sind die Piloten dann doch erstaunlich treffsicher, wenn es darum geht, einen Ohrwurm nach dem anderen aus dem Cockpit zu ballern. Deshalb ein verdientes Mittelfeld im Schlagerkosmos.


14 Kommentare mit 39 Antworten
Gibt's jetzt sogar schon ganze ironische Rezis? Crazy.
3, in Worten drei fucking Sterne... Ich glaube es wird Zeit, dass es draußen wieder kühler wird.
Na ja, neutral betrachtet erfüllt diese Musik schon ihren Zweck. Hier sind gerade 31 °C und die Sonne knallt rein. Jetzt wäre ich gerne an der Adria oder der Côte d’Azur. Die Musik weckt also schon die Fernweh in einem.
das
probier's ganz ohne
"neutral betrachtet"
Mmh, sweet contentment.
@pedrolino In dir weckt die Musik vielleicht Fernweh (wie auch immer), bitte nicht verallgemeinern.
Amigos walked so Schlagerpiloten could fly.
Jetzt noch ein Feature mit Olaf der Flipper und den Amigos und der Meilenstein ist da.
Oh yeah!
Wer sie live gesehen hat kann zustimmen. Besonders am Anfang hat man ordentlich zu schlucken. Man fühlt sich schlimm, dreckig, voller Scham und schrecklich. Dieses Gefühl die Schlagerpiloten das erste mal live zu sehen, würde ich jedem ans Herz legen. Noch nie hat irgendwer in mir solche Gefühle hervorholen können. Obwohl man etliche Jahre im Musikunterricht mit diesem Thema beschäftigt war. Danke für die Rezi, Danke an die Muppets und Danke an die Band. Wir dürfen das alles nicht vergessen und erst recht nicht wiederholen lassen.
Ich werde oft komisch angeschaut oder auch angesprochen, wenn ich Piloten Merch trage (weiße Hosen mit Hochwasser, Uniform, SS-Runen etc). Es ist heutzutage etwas schwierig, manchen Menschen die Hintergründe zu erklären, ohne dass sie mit der NaziKeule kommen. Ich werde in Zukunft auf diese Kommentarspalte verweisen.
… ich glaub, du warst irrtümlicherweise auf nem Konzert von Death in June.
...mich hat letztens jemand wie folgt angesprochen: "Warum in Gottes Namen läufst du rum wie ein Wiesel? Schwitzt man in dem Kostüm nicht ständig?"
@Losti
Tipps gegen das Schwitzen…
Funktionskleidung:
Tragen Sie atmungsaktive Sportkleidung unter dem Kostüm.
Pausen einlegen:
Gehen Sie regelmäßig an die frische Luft und trinken Sie viel Wasser.
Nicht zu lange tragen:
Vermeiden Sie den Einsatz in warmen Räumen oder bei direkter Sonne.
"Sweat, baby, sweat, baby sex is a Texas drought..."
@Duri, das hat mich gerade herzhaft lachen lassen xD
@Duri
Thumbs up!
Kleidung unter dem Kostüm… my sweet, sweet summer child…
Props @duri latürnich
Ich danke euch
Es war wirklich ein bemerkenswerter Gig. Völliger Kontrollverlust. Ein Wiesel, welches in einen Menschenkostüm herumlief.
Und als wir beim Einsetzen der Sprinkleranlage dankbar zur Decke blickten, da wurden wir gewahr, dass es nur der eigene Schweiß war, der uns wieder auf die hohlen Köpfe tröpfte.
Ich holte mir letztlich eine Erkältung bei dem Ganzen. Musste mehrfach an die Wand niesen.
Wie oft genau?
wann? vong wem?
@Duri: Scharfer Blick für eins der besten Templates. Wie konnte ich das übersehen?
@ Gleep:
So 1-3 oder 1-2 mal, glaube ich... Das sind meist so die Zahlen, die sich aus solchen Erfahrungen ergeben...
@ Schwingo:

Vielleicht lagst Du noch im Fieber, alte Kanone?
Aber ich konnte mein Glück auch kaum fassen, als ich jetzt drüber stolperte
Late to the Party, da Late of the Poer ja bereits nach einem (wenn auch phänomenalen) Album das Handtuch geschmissen hatten damals, aber Ehre, wem Ehre gebührt, Duri.
"Die Transferleistung ist neben den klassischen qualitativen und quantitativen Methoden ein zusätzlicher Weg zur wissenschaftlichen Abschlussarbeit, auf den sich allein aufgrund seiner seltenen Nutzung in der Vergangenheit kaum jemand wagt, geschweige denn verirrt... Wenn der Transfer aber gemäß Evaluation so außergewöhnlich gelingt wie im vorliegenden und zweifach geprüften geprüften Fall, dann bleibt uns als Fakultät auch nach Abzug eines selbstverständlich non-existenten Exotenbonus für bunte Perlen im Haar praktisch nur noch, Ihnen diese Leistung mit entsprechend außergewöhnlich guter Bewertung zu quittieren".
*Late of the Pier latürnich. Hach, was gäbe ich jetzt für einen weiteren Fantasy Black Channel... oder dass die im Titeltrack von Timber Timbres (RIP) explizit beschriebenen und mit mir geteilten Schilderungen "Hot Dreams" mehr als nur alternative Fakten würden...
@Duri:
Dann also doch nicht 74 (oder was immer die Nummer genau war) mal!
Hab ich mich doch richtig erinnert
https://laut.de/Kanonenfieber/Alben/Soldat…
74 mal 9 ergibt was, hm? Zufall? Ich glaube nicht!
Number of geniest...
Hast du das ganz große Einmaleins einfach so locker im Hinterkopf, oder was?
Duri, wallah. Gab's Powerworscht mit Chili heute morgen oder was?
Ein gutes Chili brennt immer zweimal. Mindestens.
@Gleep: Nur, wenn's mit dem Teufel zugeht!
"Ein gutes Chili brennt immer zweimal. Mindestens."
Liebe selbsternannte Kochkünstler. Da steht ein Topf mit Chili oder ähnlichem drin und die Kochenden sagen sowas wie "ja muss schärfer" und schmeißen die winzigste Prise Cayennepfeffer dazu und schmecken dann ab und nicken andächtig.
"[,,,] und schmeißen die winzigste Prise Cayennepfeffer dazu und schmecken dann ab..."
Weil ich so ein furchtbar sozialer und chronsich unausgelasteter Mensch bin, gab ich die vergangenen 2 Jahre abends "ab und zu" Nachhilfe in psychologischen Grundlagen für eine aus dem Iran geflüchtete Frau, die hier eine Ausbildung im sozialen Bereich absolviert hat. Erst nur für zwei Fächer, Med/Psychm aber als es gut lief zwischen uns, haben wir gleich auf "gesamter Schulstoff" umgestellt. Kein Problem, war ja wie gesagt maximal Schröder'sches Sozialgedöns Für die Frau hab ich das manchmal so gemacht wie o.g.,, wenn ich ihr (als kulinarisch zur Stanni-Kartoffel sozialisierte Person) "was scharfes" (= Chili con carne o con pollo) zubereiten wollte.
Bei den kurdischen Döner-Menschen meines Vertrauens hab ich dann nach dem ersten Mal auch immer einmal mehr angerufen als sie mitgekriegt hat, wenn sie es auf dem Herweg mitbringen oder abends noch von dort was holen wollte, und die Männers hab ich nahezu ehrlos angefleht, dass gleich ne persische Freundin das Essen abholt, dem Laden damit eine letzte Chance geben mag und sie es UM DES HEILEN UNIVERSUM WEGENS bitte scharf, RICHTIG scharf, NICHT Kartoffel-scharf wie beim ersten mal machen sollen, weil ich ihr (selber Kurdin) den Laden, den mein Brudi, ich und viele andere hier seit gut einem Jahrzehnt abfeiern, erst richtig schmackhaft gemacht habe, ihr dann einen scharfen Döner dort bestellt hatte und als CHeffe mich "scharf scharf?" fragt, ich extra noch mit "SCHARF scharf scharf!" antwortete...Was ein Aufriss!
Die Ausbildung hat sie inzwischen ziemlich erfolgreich bestanden und wenn's bloß um mich geht, dann mach ich eh lieber Haschee mit Nudeln statt Chili. Schon immer.