laut.de-Kritik

Null Bock aufs eigene Album.

Review von

Wie sagt man so schön: "Don't judge a book by its cover." Blöderweise erweckte schon das Cover zu Bonez MCs neustem Longplayer "Johnny's Tape" ein merkwürdiges Gefühl von Unbehagen. Aber warum? Sieht doch harmlos aus. Das 187-Alphamännchen steht da lediglich vor einem teuren Muscle-Car in der Gegend herum? Eben! Wenn das Cover schon so dermaßen uninspiriert wirkt, darf ich mich höchstwahrscheinlich auch inhaltlich wieder mit maximal uninspirierter Musik befassen.

Oh, Junge. Wie recht ich hatte.

Die ersten zwei Tracks stimmen auf die zwei vorhandenen Vibes dieses Tapes ein. Der Opener "Sprite" bringt abgesehen von Gzuz' gewohnt aggressiver Manier den gechillten Bonez hervor. Der Beat geht gut nach vorne, aber textlich deutet sich bereits hier an, dass man sich für den Rest der LP auf lahmes Hedonismus-Gequassel einstellen darf: "Wir roll'n auf Chrom unter Palm'n, unser Wagen ist breit / Stapeln Bitches auf'm Rücksitz, so fahr'n wir vorbei / Wir sind high und hab'n Geld, ey, Gazo, gib ma' den Joint / Davon hab'n wir immer geträumt."

"Alter Becher Neuer Drink" zeigt auf einem netten, Bay Area-artigen Westcoast-Beat den Gangsta-Rap-lastigeren Bonez. Unglücklicherweise zeichnet sich auch auf dem Rest des Tapes ab, dass selbst, wenn die Produzenten einen guten Job machen, Bonez ihnen in keinster Weise gerecht wird. Dafür rappt er über die ganze Laufzeit des Albums hinweg auf inhaltlicher und performativer Ebene qualvoll eintönig. Besonders schlimm ist das im Mittelpart des Albums, von "Keine Stories" bis "Toyota (2016)" zu hören, wo nicht einmal mehr die laschen Trap- und Dancehall-Instrumentals zünden, größtenteils von den Jugglerz produziert.

Bis jetzt ist mir nie so richtig klargeworden, wie höllisch monoton Bonez mit Autotune klingt. Innerhalb dieses leblosen Abschnitts hat sich ein Ufo361 auf "Pharma" reingeschlichen. Von dem hab ich tatsächlich ewig nichts mehr mitbekommen. Also, was hat er uns so mitzuteilen? "So viel Drugs in meiner Bag als wär' ich Bayer." Ah. Mhm. Okay. Alles beim Alten, I guess. NEXT!

Nach dieser gähnend leeren Sektion ändert sich die Atmosphäre des Albums ein wenig. "Alle Meine Jungs" stellt vermutlich einen der rundesten Songs auf der Platte dar. Ausnahmsweise passt Bonez monotone Stimmlage auf den chillig-düsteren Beat von Al Majeed, was man von "Ich Sach Ma So!" weniger behaupten kann. Kwam.E versucht mit seiner Hook zumindest etwas Stimmung zu erzeugen, doch es bleibt nicht mehr als das: ein Versuch.

LX gelingt auf "Sternenhimmel V2" das Kunststück, noch ausgelaugter als Bonez zu klingen, und das auch noch auf einem fetzigen Hoodtrap-Beat. Wenigstens die klassische Gangsta-Rap-Nummer "Autowaschanlage" mit 187-Komparsen Sa4 und Maxwell liefert ein halbwegs brauchbares Endprodukt. Gerade Sa4 klingt wie immer schön bissig, besonders bei seiner Endzeile: "Kunden sind Harman, Tony Montana / Immer Paranoia wegen Bundestrojaner."

Den Rest kann man ehrlicherweise in die Tonne kloppen. "Vollmond" und "Du Oder Ich" klingen, als hätten sie sich aus dem Vakuum des Mittelteils dieses Albums hierher verirrt. So endet "Johnny's Tape", ein doch sehr träges Album, auf dem Bonez MC über weite Strecken so wirkt, als hätte er weniger als null Bock auf dieses Album gehabt. Nicht einmal die Originalversion von "Bissu Dumm ¿" mit Nate57 rettet diese Platte in höhere Sphären, wobei der Megalodon-Remix eh interessanter war.

Trackliste

  1. 1. Sprite (mit Gzuz)
  2. 2. Alter Becher Neuer Drink
  3. 3. Bissu Dumm ¿ (mit Nate57)
  4. 4. Keine Stories
  5. 5. Pharma (mit Ufo 361)
  6. 6. Moneygram
  7. 7. Boyfriend
  8. 8. Ja Nee Is Klar ;)
  9. 9. Toyota (2016)
  10. 10. Alle Meine Jungs
  11. 11. Ich Sach Ma So! (mit Layé & Kwam.E)
  12. 12. Sternenhimmel V2 (mit LX)
  13. 13. Autowaschanlage (mit Sa4 & Maxwell)
  14. 14. Vollmond
  15. 15. Du Oder Ich

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