laut.de-Kritik

Dave Grohls Tochter geht auf Entdeckungsreise.

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"Dad, du bist nicht einmal der beste Sänger in der Familie!", soll Violet Grohl einmal zu ihrem Vater Dave gesagt haben. So jedenfalls hat es der Foo Fighters- und Ex-Nirvana-Rocker im Mai 2018 erzählt, bei einem Benefizkonzert im Fox Oakland Theatre, als seine Tochter neben ihm zum ersten Mal auf der ganz großen Bühne stand bzw. in diesem Fall saß. "And she's right!", fügte der stolze Vater noch hinzu, bevor Violet im Alter von zwölf Jahren Adeles Pop-Arie "When We Were Young" dahin schmetterte.

Nach Gastauftritten bei Live- und Studio-Gigs der Foo Fighters und der Teilnahme an gleich zwei Nirvana-Reunion-Events legt Violet Grohl nun ihr Debütalbum vor. Dass ihr die berühmte Verwandtschaft nicht geschadet hat, kommentiert Violet selbstbewusst: "Natürlich stehen mir aufgrund meines Nachnamens Türen offen", gesteht sie im Interview mit dem Magazin The Forty-Five. "Das ist nichts, hinter dem ich mich verstecken oder sagen würde: 'Nein, ich habe so hart dafür gearbeitet! Ihr sollt das nicht sagen! Das verletzt meine Gefühle'. Das ist mir egal, wirklich".

Dave Grohl bestreitet einstweilen jegliche Beteiligung. "Ich hatte mit dieser Platte absolut nichts zu tun", erklärt der Musiker im Februar dem britischen Indierock-Sender Radio X. Im Gegenteil, Violets Debüt habe stark dazu beigetragen, dass er selbst sich mit seiner Band wieder an die Arbeit machte – das zwölfte FF-Album "Your Favorite Toy" ist im April erschienen. "Violets Musik hat mich wirklich dazu inspiriert, dieses Album aufzunehmen. Die Art und Weise, wie sie das Album aufgenommen haben, und die Energie, die darin steckt – da dachte ich mir: 'Oh Mann, ich habe mich gerade vom Debütalbum meiner Tochter inspirieren lassen'. Das ist cool".

Selbst wenn Dave kein direkter Helfer bei Violets Debüt war, seine Platten- und Kassettensammlung bot eine große Inspirationsquelle, wie die 20-jährige Sängerin selbst im Album-Statement einräumt. "Be Sweet To Me" orientiert sich gezielt – und etwas mehr als es sollte – an Vorbildern. Zusammen mit Session-Musikern hat sich Violet für einen Aufnahmeprozess entschieden, der an die kalifornische 60er- und 70er-Tradition der Wrecking Crew anknüpft: Die Sängerin kam mit Playlists ihrer Lieblingsmusik ins Studio und entwickelte dort die elf Songs zusammen mit einer Musikergemeinschaft und Produzent Justin Raisen (Charli XCX, Kim Gordon, Angel Olsen). Von Grunge bis Shoegaze, von den Pixies über die Breeders bis PJ Harvey inspiriert ergibt sich ein solider Alt-Rock-Querschnitt.

Gleichzeitig könnte das eigene Statement klarer ausfallen. Violet legt viele Angebote vor, doch ihre eigene Stimme bleibt – vor allem bildlich – öfter im Hintergrund. Besonders der Anfang fällt schwer. Chaotisch und viel zu schnell rauscht der Fuzz-Opener "THUM" vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. "595" versucht im direkten Anschluss, die Stimmung aufzuheizen, doch die Sex-Hotline-Slogans und Mini-Riffs bleiben konventionelle Hard-Rock-Echos. Schließlich verspricht "Last Day I Loved You" eine feinfühlige Shoegaze-Melancholie, verwässert sie aber mit einem blassen Sing-Along-Chorus.

Doch Violet Grohl löst sich im Verlauf zunehmend aus einfachen Mustern und geht spannendere Wege. Mit klopfendem Bass und tränenden E-Gitarren inszeniert sie "Bug In The Cake" als clevere Hommage an ihre vor vier Jahren verstorbene Großmutter Virginia, Dave Grohls Mutter. "Big Memory" ist ein Arena-Rock-Hit, der auch perfekt zu den Foo Fighters passen würde. Plötzlich gelingen die lauten und leisen Töne. "Often Others" steigert wuchtige Grunge- und Goth-Rhythmen bis zur Extase. Demgegenüber entwerfen die Dreampop-Stücke "Mobile Star" und "Pool Of My Dreams" ein faszinierendes Panorama irgendwo zwischen Mazzy Star und Airs "Virgin Suicides"-Soundtrack.

Ihr Meisterstück hebt sich Violet Grohl bis zum Schluss auf. Mit dem einzigen Lied, das länger als vier Minuten dauert, entwirft die Musikerin ein klassisches Rockalbum-Finale. Angefangen bei einer akustischen Reduktion, die an den Hidden Track auf Nirvanas "Nevermind" erinnert, mündet "Plastic Couch" in einer Rock-Explosion. Über allem schwebt Violets hypnotischer Gesang. Und gibt ein Versprechen für das zweite Album.

Trackliste

  1. 1. THUM
  2. 2. 595
  3. 3. Bug In The Cake
  4. 4. Last Day I Loved You
  5. 5. Big Memory
  6. 6. Mobile Star
  7. 7. Often Others
  8. 8. Applefish
  9. 9. Cool Buzz
  10. 10. Pool Of My Dreams
  11. 11. Plastic Couch

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