laut.de-Kritik

Melodiöser Stadionrock mit leichtem Punkeinschlag.

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Nach zwanzig Jahren im Business und sieben veröffentlichten Alben, in denen der Blick in den Rückspiegel immer ganz eng mit den eigenen Zukunftsvisionen verknüpft war, ist es nun an der Zeit, sich um die Gegenwart zu kümmern. "Irgendwann merkt man, dass es keine Art zu leben ist, zu viel über die Vergangenheit nachzudenken oder sich zu viele Sorgen um die Zukunft zu machen. Jetzt ist die einzige Zeit, die wir je haben werden", so The Menzingers-Sänger Tom May. Recht hat er. Auf ihrem achten Longplayer "Everything I Saw" präsentiert sich die Band ihm zufolge "persönlicher, universeller und politischer". Klingt spektakulär, ist aber im Endeffekt nur das Ergebnis von internen und externen Entwicklungen.

Musikalisch setzen die sympathischen Punkrocker aus Philadelphia ihren Weg konsequent fort. Eine simple, aber markante Powerchordabfolge macht den Anfang, ehe die Band ins Rollen kommt. Der Opener "Chance Encounters" geht sofort ins Ohr. Immer wieder brechen die Vocals kurz aus. Das flotte "Better Angels" lädt ein zur Cabrio-Fahrt Richtung Sonnenuntergang. Es sind noch keine sieben Minuten vergangen, da setzt der Fan daheim bereits ein breites Lächeln auf.

"Romanticism" ist Heartland-Punkrock pur. Die Melodien überschlagen sich. Der berauschende Wechselgesang tut sein Übriges. The Menzingers sind obenauf und nicht mehr aufzuhalten. Springsteen, The Gaslight Anthem, King Cannons, Jimmy Eat World, Against Me!: Die Einflüsse sind offensichtlich und allgegenwärtig. Aber die Menzingers kopieren nicht. Sie formen aus der Inspiration etwas Eigenes.

"Other Peoples Money" ist eine Hymne, die beschwingt und leichtfüßig daherkommt. Ein Klavier, ab und zu ein prägnanter Effekt aus der Maschine, ein paar eingestreute Bläser und die ausgewogene Balance zwischen clean und verzerrt nehmen den Hörer mit auf eine emotionale Reise. Wenn es melancholisch wird, fühlt man sich gar an die goldenen Zeiten von The Smiths erinnert ("Gasoline & Matches", The Fool").

Auch in der zweiten Albumhälfte lassen The Menzingers nicht locker. Epischer Arenarock ("Nobody's Heroes", "When She Enters My Dreams"), unbändige Spielfreude ("Breathe With Me") und tiefgründiges Storytelling ("Everything I Ever Saw") gepaart mit nachhaltigen Harmonien: Wenn es dieser Tage um melodiösen Stadionrock mit leichtem Punkeinschlag geht, der ohne Durchhänger von der ersten bis zur letzten Minute überzeugt, und auch nach dem dritten Durchlauf keine Schwachstellen offenbart, dann steht das neue Studioalbum der Herren Tom May, Greg Barnett und Co wohl ziemlich weit oben auf der Liste. Großartiges Werk.

Trackliste

  1. 1. Chance Encounters
  2. 2. Better Angels
  3. 3. Romanticism
  4. 4. Other People's Money
  5. 5. Gasoline & Matches
  6. 6. The Fool
  7. 7. Nobody's Heroes
  8. 8. Breathe With Me
  9. 9. When She Enters My Dreams
  10. 10. Parade Day
  11. 11. Everything I Ever Saw

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