laut.de-Kritik
Leerlauf in Capslock.
Review von Emil DröllDass Pro Pain die groovige Coolness ihrer 90er-Alben nicht mehr so souverän vermitteln können, ist leider nichts Neues. Die elfjährige Pause nach Album Nummer 15 ließ einen Richtungswechsel erhoffen, doch weit gefehlt. Auf "Stone Cold Anger" präsentieren Pro-Pain den unkreativsten NY-Hardcore, den man seit Langem auf die Ohren bekommen hat.
Dass die New Yorker nicht mehr dieselbe Wut in sich tragen, wird bereits bei "Oceans Of Blood" schmerzlich deutlich, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie ihren Albumtitel in Capslock geschrieben haben. Der Opener keift und lärmt drauflos wie jede x-beliebige Hardcore-Band es auch könnte. Der Titeltrack bringt immerhin so etwas wie Wiedererkennungswert, doch wie so viele Hardcore-Platten dieses Jahres klingt auch hier vieles nach stumpfester Metal-Produktion, als wäre echtes Gefühl eine Kategorie, mit der man lieber nichts zu tun haben möchte.
Bei "March Of The Giants" marschiert die Kirche dann endgültig aus dem Dorf. Marschanalogien, Waffennachladegeäusche – geschenkt, wenn da wenigstens Charakter dahinterstecken würde. Wer sich so ungeniert an der 08/15-Badass-Soundkulisse bedient, sollte wenigstens einen Brecher abliefern, der eine Handschrift erkennen lässt.
"Uncle Sam Wants You!" bringt zum Glück Groove-Elemente mit, und für einen Moment fühlt man sich wieder bei Pro Pain zuhause – bis man merkt, dass Gitarre und Bass klingen, als hätten sie die Zähne zuhause gelassen. An einer "Demonic Intervention" sollten Pro Pain vielleicht wirklich einmal teilnehmen: Die Dämonen würden ihnen flüstern, dass bei Album Nummer 17 ein Kurswechsel längst überfällig wäre. Bei "Rinse & Repeat" setzen selbst auf dieser kurzen Hardcore-Platte Ermüdungserscheinungen ein.
"Hell Or High Water" rettet zumindest die zweite Hälfte: mehr Heaviness, mehr Mitgröl-Potenzial, mehr Wille. Auch "Scorched Earth" zeigt, was die Band noch drauf hat: gelungenes Riffing, das zum Mitnicken zwingt, und ein Solo, das der Songstruktur tatsächlich etwas hinzufügt, statt sie nur zu unterbrechen.
"Jonestown Punch" tanzt im Intro erfreulich aus der Reihe, und "Sky's The Limit" ist der Moment, auf den man gewartet hat: ein geschmeidiger Groove, etwas Schunkeln, ein echtes Konzept. Hier passiert ausnahmsweise mal etwas. Hier klingt die Band, als wäre sie noch nicht fertig mit sich selbst.
Schade, dass solche Momente auf "Stone Cold Anger" die Ausnahme bleiben. Pro Pain wissen noch, wie es geht: Man hört es in den Riffs, in den besseren Refrains, in den wenigen Momenten, in denen die Platte tatsächlich lebt. Aber die meiste Zeit klingen sie wie eine Band, die sich selbst auf Autopilot gestellt hat: keine echte Wut, keine echte Energie, kein echtes Risiko. NY-Hardcore war nie Musik für Leute, die auf Nummer sicher gehen. Vielleicht sollten Pro Pain das bei Album 17 wieder in Betracht ziehen.


2 Kommentare mit einer Antwort
5 / 6 ungehört. Wer was anderes sagt, hat keine Ahnung. Meine Meinung, LG
"Leerlauf in Capslock"
Shots fired.
Da warste mal wieder schnell(er), ey!