laut.de-Kritik

Dreckig, unverfälscht, transparent.

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Darkthrone zählen zu den beständigsten Black Metal-Bands überhaupt und erweiterten über Jahrzehnte ihren Sound um Doom-, Speed- und Heavy Metal-Elemente. Nun veröffentlichen die Norweger mit "Pre-Historic Metal" pünktlich zum 40-jährigen Bandjubiläum ihr 22. Studioalbum.

Als "monumental primitiv" beschreibt das Label die Musik, und das trifft es ganz gut, wie der Opener "They Found One Of My Graves" beweist, wenn es an allen Ecken und Enden scheppert und rumpelt, während Nocturno Culto finster vor sich hinmurmelt. Zum Schluss nimmt der Track eine Abzweigung in Richtung Psychedelik.

Im Titelstück zieht das Duo ordentlich das Tempo an, sorgt aber zwischenzeitlich mit Doom-Elementen für Abwechslung. "Siberian Thaw" wechselt von midtempoartigen Sounds Marke Hellhammer über atmosphärische Ambient-Passagen bis hin zu wüsten Thrash-Riffs immer wieder seine Gestalt. In "Deeply Rooted" trifft urwüchsiger Doom auf 80er-Jahre-Galopp-Riffs und theatralische Gesangseinschübe.

"The Dry Wells Of Hell" schlägt in eine ähnliche Kerbe, stellt aber durch die einleitenden Post Punk-Klänge eine etwas düsterere Angelegenheit dar. Das Instrumental "So I Marched To The Sunken Empire" verbreitet durch die trippigen Drums, psychedelischen Einschübe und die tiefen Saitentöne eine geradezu neblige Atmosphäre.

"Eat Eat Eat Your Pride" geht wieder einmal ordentlich nach vorne, lässt aber mit Killing Joke-artigen Saiten-Passagen und doomigen Einsprengseln Finessen nicht vermissen. "Eon 4" setzt die auf "Soulside Journey" begonnene "Eon"-Songreihe fort, galoppiert aber etwas zu gemütlich vor sich hin, so dass der Track im Vergleich zu den restlichen Songs nur wenig bleibenden Eindruck hinterlässt.

Jedenfalls klingen die Nummern direkt wie aus dem Proberaum: dreckig, unverfälscht, transparent. Jedes Riff kommt deutlich und präzise zur Geltung, jeder Basslauf geht direkt in die Magengrube. Darkthrone bleiben sich selbst auf angenehme Weise treu, was bei der 'Höher, schneller, lauter'-Mentalität, die im Metal mittlerweile oftmals herrscht, ziemlich gut tut. Nur sollte man nicht mehr als mehr vom Gleichen, verfeinert um einzelne, wenige Nuancen, erwarten. Fans schlagen blind zu, Neulingen seien die klassischen Alben wie "A Blaze In The Northern Sky" oder "Transilvanian Hunger" ans Herz gelegt.

Trackliste

  1. 1. They Found One Of My Graves
  2. 2. Pre-Historic Metal
  3. 3. Siberian Thaw
  4. 4. Deeply Rooted
  5. 5. The Dry Wells Of Hell
  6. 6. So I Marched To The Sunken Empire
  7. 7. Eat Eat Eat Your Pride
  8. 8. Eon 4

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2 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 7 Stunden

    Irgendwie geil wie immer, aber wirklich viele Rotierungen machen neue Darkthrone Alben nicht mehr bei mir. Das ist mittlerweile eher Kunst, als Musik. Black Metal hat für Darkthrone keine Relevanz mehr, deshalb taugt es auch nur noch als Parodie. Aber wenn das jemand so durchziehen darf, dann sind es eben Darkthrone. Und damit bleiben sie weiterhin relevant, auch wenn sie musikalisch gesehen nur noch schwarzmetallischen Schluckauf produzieren. Trotzdem sind sie sich treu und halten ihre Würde aufrecht. Darauf kommt es irgendwie letztlich an, denn damit bleibt ihr Backkatalog essentiell - und dieser ist nunmal die Black Metal Blaupause schlechthin!

    • Vor 6 Stunden

      Hi Puschel.
      Geht mir ähnlich wie dir, mit den neuen Darkthrone Alben. Finde Interviews und Artikel über Fenriz wesentlich unterhaltsamer.
      Ich finde aber nicht, dass sie BM parodieren. Fenriz ist ein wandelndes Metal-Lexikon und macht halt, was ihm taugt und weil er sich das leisten kann.
      Ist mir auch tausendmal lieber als grimmig dreinschauende Schrate, die auch nach Jahrzehnten ihrer ersten Anbetung des Leibhaftigen nicht über diese Schwelle gekommen sind.
      Obwohl ich damit aufgewachsen bin und „Black Metal“ von Venom 1982 gekauft habe, kann ich mir aktuelle BM Bands kaum noch geben.
      Ausnahmen bilden da z. B. WITTR, Imperial Triumphant oder Ultha. Aber die haben sich textlich und kompositorisch stark weiterentwickelt.
      Ganz furchtbar Behemoth und natürlich auch die ganze Übermensch Fascho Truppe. Sollte klar sein.

      Als Black Metal Blaupause gehen Darkthrone natürlich voll durch. Allerdings für die „Zweiten Welle“.

      DIE BM Band der ersten Welle ist für mich Celtic Frost. Für mich die erste Band in diesem Genre, die eine unfassbare Düsternis erzeugen konnte.
      Die Cover und Zusammenarbeit mit H.R. Tiger machen das Ganze perfekt.
      Mit TRIPTYKON hat Tom eine wirklich einzigartige Band gegründet. Auch live unbedingt sehenswert.
      Außerdem hab ich Tom letztens in einem Interview tatsächlich lachen gesehen. Schön, dass er das in seinem Alter noch erleben darf ;-)

    • Vor 6 Stunden

      Korrektur: H.R. Giger
      :-D

    • Vor 3 Minuten

      Ja, wobei wenn man statt ner Panzerfaust, neuerdings mit so nem Bauer Dreizack-Spaten für den Garten auf dem Cover posiert, oder mit Schlittschuhen auf dem See, dann ist das schon ne gewisse Parodie der eigens gesetzten Standards. Und musikalisch spiegelt sich das auch ein wenig wieder.

      Mit etablierten BM Bands kann ich auch kaum noch was anfangen. Im Underground gibt es aber noch einige nette Sachen. Besonders in der Dungeon Synth Szene haben einige DS Band zuletzt großartigen Black Metal rausgebracht. Old Sorcery, Elffor und Murgrind. Das kann sich fast schon mit Summoning messen.

      Mit der 1. Welle konnte ich nie etwas anfangen, wahrscheinlich weil ich zu dem Zeitpunkt noch gar kein Metal gehört habe. Außer vielleicht Blind Guardian

  • Vor einer Stunde

    man sollte so fair sein: sein mehr als 20 jahren machen dt keinen bm mehr sondern klingen so wie diese kvltigen underground metal bands aus den 80ies, die nur fenriz kennt udn gehört hat