laut.de-Kritik
Ein Kenner-Album, weniger ein Könner-Album.
Review von Franz MauererMit "Peaches!" meinen The Black Keys wohl nicht den berühmten Hund des erratischen Pizzabeißers Dave Portnoy, sondern den Spruch: If you don't like my peaches, don't shake my tree. Eine Coversammlung wurde das 14. Album der Keys. Und da sie in den vergangenen sieben Jahren sechs Alben veröffentlichten, von ihren Nebenprojekten ganz abgesehen, sei es ihnen verziehen. Dan Auerbach bezeichnet die Scheibe als die "natürlichste" der Band seit dem Debüt. Das klingt zunächst nach PR-Sprech – doch greifen die Ohioans wirklich tief in die Blueskiste.
Die Entstehungsgeschichte des Albums steht in engem Zusammenhang mit dem Tod von Dan Auerbachs Vater, über den ihn Patrick Carney ein Stück weit mittels Jamming hinwegtrösten wollte. Dementsprechend grast das Duo in Wohlfühlterritorien: Bevorzugt alter Bluesrock im Stile Junior Kimbroughs, den sie schon vor 20 Jahren auf "Chulahoma: The Songs Of Junior Kimbrough EP" coverten. Dessen Sohn Kenny Kimbrough wirkt zudem am Schlagzeug mit. Ebenfalls als Gast dabei: Bassist Eric Deaton – einst ein Adlatus Juniors. Dazu stoßen die bekannten Keys-Kollaborateure Kenny Brown und Jimbo Mathus.
"Peaches!" hört man aber die geballte Faust – sei es durch Wut und Trauer in der Hosentasche oder hochgereckt als Befreiungsgeste – nicht an. Paul Wellers Version des Openers "Where There's Smoke, There's Fire" klingt viel spannender als die fröhlich dahinrumpelnde Nummer der Herren aus Akron. Das Linkische im Original von Willie Griffin fehlt. Damit hört sich der Opener ähnlich an wie das folgende "Stop Arguing Over Me" von Paul Jones, "She Does It Right" (Dr. Feelgood), "Tomorrow Night" von Kimbrough oder "You Got To Lose" von Ike Turner.
Allesamt wären die Stücke ohne Credits nur auf den dritten Blick wiederzuerkennen. Und alle hören sich auch an, wie die Videos zum Album aussehen: ein Kneipenabend. Im Irish Pub ist man damit sicher der King, alles fließt beherzt und eingängig. Doch wie im Guiness-Rausch verschwimmen die Dinge arg.
Eine ausgesprochen gute Spiellaune trägt "Fireman Ring The Bell" von R.L. Burnside, gleichzeitig zeigt das Stück das Grundproblem des Albums: Die Bearbeitung der Originale erfolgt zu homogen, ohne ihnen den schon länger vermissten melodiösen Keys-Bluesrock einzuimpfen. Dan stemmt sich hier wenigstens gegen die lärmenden Gitarren und erzeugt Reibung.
Neil Youngs "It's A Dream" geht als das schwankende, schrille Albumhighlight durch, ausgerechnet der jüngste Originalsong. Im Closer "Nobody But You Baby", wieder im Original von Kimbrough, zeigt das Zweiergespann, wie es bei mehr Stiloffenheit auch gegangen wäre. Der Laid-back-Vibe passt nicht nur an letzter Stelle des Albums, sondern gibt dem Track Raum zum Atmen und lässt Emotionalität zu.
"Peaches!" ist primär ein Kenner-Album geworden, kein Könner-Album. Aus der kreativen Sackgasse führen blutleere Nummern wie das miserable "Tell Me You Love Me" von Zappa und die lahm heruntergespielte Altherrennummer "Who's Been Foolin' You" (Arthur Crudup) jedenfalls nicht. Dafür hätte es mehr Mut gebraucht, sich aus der Komfortzone herauszubewegen.


1 Kommentar
Ich sehe es diametral anders als die Rezi und finde das Album nicht nur sehr gelungen, sondern auch das Gegenteil von blutleer. 4.5/5.