laut.de-Kritik

Die Rückkehr der schwarzen Messe.

Review von

In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten erlaubten sich Dimmu Borgir eine lange Funkstille, die viele Fans zunehmend irritierte. Bereits zwischen "Abrahadabra" und dem 2018 erschienenen "Eonian" lagen ganze acht Jahre, ehe nun erneut eine ähnlich lange Wartezeit ins Land zog. Die zwischenzeitlich veröffentlichte Coversammlung "Inspiratio Profanus" bleibt dabei besser unerwähnt.

Mit "Grand Serpent Rising" meldet sich die norwegische Black-Metal-Institution nun endlich mit ihrem zehnten Studioalbum zurück. In der Zwischenzeit hat sich allerdings auch innerhalb der Band einiges verändert. Besonders schwer wiegt der Abschied von Langzeit-Gitarrist Galder, der sich nach 24 Jahren wieder vollständig Old Man's Child widmet. Damit liegen sämtliche Kompositionen erstmals seit langer Zeit ausschließlich in den Händen von Shagrath und Silenoz. Dieser personelle Umbruch macht sich auch musikalisch bemerkbar und verleiht dem neuen Werk eine leicht veränderte Ausrichtung.

Vor allem der über Jahre immer dominanter gewordene orchestrale Bombast wurde auf "Grand Serpent Rising" spürbar zurückgeschraubt. Wo frühere Veröffentlichungen den Hörer unter Chören, Effekten und monumentalen Klangwänden begruben, wirkt das neue Material deutlich fokussierter und direkter. Die symphonischen Elemente bleiben zwar weiterhin Bestandteil des Sounds, treten jedoch endlich wieder hinter die Gitarrenarbeit zurück.

Dadurch entsteht erstmals seit langer Zeit der Eindruck, dass Dimmu Borgir wieder als Metalband und nicht als Soundtrack-Komponisten agieren. Natürlich verzichten Shagrath und Silenoz nicht komplett auf Pathos und Atmosphäre, denn ein gewisses Maß an epischer Inszenierung gehört bei Dimmu Borgir schlicht zur musikalischen Identität. Dennoch überrascht insbesondere "Ascent" nach dem etwas zu lang geratenen Intro "Tridentium" mit einer erstaunlich aggressiven und teilweise thrashigen Gangart. Auch "As Seen In The Unseen" verbindet hymnische Eingängigkeit mit der nötigen Härte und erinnert stellenweise an stärkere Momente früherer Schaffensphasen.

Die stärkere Präsenz der Gitarren sorgt darüber hinaus dafür, dass auch melodische Elemente wieder mehr Gewicht erhalten. Besonders deutlich wird dies bei "Repository Of Divine Transmission", dessen Leads und Soli tief im klassischen Heavy Metal verwurzelt sind. Silenoz scheint hier endlich wieder Raum zu bekommen, um seine Gitarrenarbeit ohne permanente Überlagerung durch orchestrale Arrangements oder elektronische Spielereien zu entfalten.

Genau diese Rückbesinnung auf riffbetonte Strukturen tut dem Album hörbar gut. Statt auf überladene Klangteppiche setzt die Band häufiger auf Dynamik, Präzision und ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Härte und Atmosphäre. Dadurch wirkt "Grand Serpent Rising" insgesamt deutlich kompakter und griffiger als seine direkten Vorgänger. Zwar fehlt dem Album stellenweise noch die ganz große Überraschung, dennoch vermittelt es über weite Strecken das Gefühl, dass Dimmu Borgir wieder stärker an ihre eigentlichen Wurzeln anknüpfen wollen. Besonders langjährige Fans dürften diese Entwicklung positiv aufnehmen.

Zu den größten Überraschungen des Albums zählen allerdings die beiden norwegisch eingesungenen Stücke, die sofort herausstechen und eine besondere Atmosphäre erzeugen. Erstmals seit "Death Cult Armageddon" beziehungsweise "Stormblast MMV" greift die Band wieder verstärkt auf ihre Muttersprache zurück und erzeugt damit eine deutlich düsterere und authentischere Wirkung. Gerade diese Songs verleihen "Grand Serpent Rising" zusätzliche Tiefe und erinnern daran, warum Dimmu Borgir einst als eine der spannendsten Bands des symphonischen Black Metal galten.

Insgesamt präsentiert sich das zehnte Studioalbum als deutlich ausgewogeneres Werk als die letzten Veröffentlichungen. Die Balance zwischen Härte, Melodie und symphonischer Opulenz gelingt wesentlich besser als zuletzt. Zwar revolutionieren Dimmu Borgir ihren Sound nicht gerade, doch die bewusst reduzierte Herangehensweise wirkt erfrischend und sinnvoll. Nach vielen Jahren des Stillstands liefert die Band damit endlich wieder ein Album ab, das ihre Stärken überzeugend auf den Punkt bringt.

Trackliste

  1. 1. Tridentium
  2. 2. Ascent
  3. 3. The Qryptfarer
  4. 4. As Seen I The Unseen
  5. 5. Ulvgjeld & Blodsodel
  6. 6. Repository Of Divine Transmutation
  7. 7. Slik Minnes En Alkymist
  8. 8. Phantom Of The Nemesis
  9. 9. The Exonerated
  10. 10. Recognizant
  11. 11. At The Precipice Of Convergence
  12. 12. Shadows Of A Thousand Perceptions
  13. 13. Gjǫll

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13 Kommentare mit 48 Antworten

  • Vor 19 Tagen

    Das Cover ist ja ganz ansprechend gestaltet. Vieleicht höre ich mal rein.

  • Vor 19 Tagen

    Endlich ist die Rezi draußen. Gehe ich voll mit, finde den Schritt zurück zu ein wenig mehr "Old-School" gut und die Reduktion von dem Orchesterbimbam ist auch förderlich. Weglassen wäre falsch, Dimmu Borgir sind schon eine der besseren Symphonic-Bands im Extreme-Kosmos. Das haben sie sich hart erarbeitet und die mittleren Alben bis "In Sorte Diaboli" gehen auch echt gut klar – danach wurde es halt etwas zu opulent, meiner Meinung nach. Aber ist natürlich Geschmackssache. Finde es auf jeden Fall gut, dass sie ihre Black Metal-Spur wieder finden und schlechte Songwriter waren Shagrath und Silenoz noch nie. Der Weggang von Galder hat vielleicht auch etwas positives? :)

    • Vor 19 Tagen

      4/5 geht voll klar, find ich :)

    • Vor 19 Tagen

      "Der Weggang von Galder hat vielleicht auch etwas positives?"

      Vor allem die Addition von Damage. Nichts gegen Galder als Gitarrist, aber der Mann ist Multiinstrumentalist durch und durch.

      Auch wenn ich Shagrath für den federführenden Keyboarder halte (dem Mustis damals mutmasslich zu gefährlich wurde), ist es sicher von Vorteil, wenn da neben Silenoz ein weiterer Kerl steht, der instinktiv die Klampfe zieht, statt genug fluent auf Keyboards unterwegs zu sein, um sofort umzuschalten und in Bombast zu denken.

    • Vor 19 Tagen

      Stimme ich zu. Bin mal gespannt, wann und wie Galder neuen Output von Old Mans Child bringt. Für sich waren die auch immer ganz gut

  • Vor 19 Tagen

    Erinnert mich an die Harry Potter Fanfic, die ich mal geschrieben hab.
    "Die große Schlange erhebt sich" raunte Snape lüstern in Harrys Ohr, während Hagrids Hand zärtlich seinen nackten Körper entlang glitt...

  • Vor 18 Tagen

    Galder sind die schlecht geworden

    • Vor 18 Tagen

      Und woran liegt das deiner Meinung nach? (nur ernsthafte Antworten erwünscht). Die waren mal großartig

    • Vor 18 Tagen

      Ich glaube der Grund warum ich sie auf DCA und PEM mit Abstand am Besten fand war, dass sie dort das beste Line Up hatten. Mustis, Vortex, Nick Barker...ihre Nachfolger können ihnen m.E. nicht das Wasser reichen.
      Das plus die Tatsache dass die (wenngleich scheinbar reduzierte) Symphonic Metal Masche seit mind. 20 Jahren überover ist.

      Aber fairerweise bin ich auch nicht mehr so "drin" im Metal. Bin vor einigen Jahren zu Indie rüber geschwenkt und höre die harten Sachen nur noch wenn ich in der mood bin. Liegt also wohl auch an mir.

    • Vor 18 Tagen

      Harten Sachen und M$B, hmm... aber okay, verstehe was du meinst.
      Es gibt Musiker, die holen aus den minimalsten Mitteln, das Maximale raus. Das ist die Stärke der ersten beiden Alben. Und diese Stärke ist ihnen dann komplett abhanden gekommen. Einige Gründe hast du ja selbst aufgezählt

    • Vor 18 Tagen

      "Harten Sachen und M$B ,hmm..."

      Mit "harte Sachen" meinte ich alles was im weitesten Sinne der Metal Ästhetik entspricht, Threads á la "ööhhh DB ist doch gar nicht hart öööh guck ma was ich höre ist viel härter" wollte ich damit ausdrücklich nicht aufmachen. Sowas interessiert mich auch absolut nicht, bin nämlich keine 15 mehr.

      "Es gibt Musiker, die holen aus den minimalsten Mitteln das Maximale raus."

      Aha. Alrighty, wünsch dir noch einen schönen Tag.

    • Vor 18 Tagen

      Nachtrag: Eigentlich sollte mein OP primär ein dummer Wortwitz sein. ;-)

    • Vor 18 Tagen

      Mein "aber okay, verstehe was du meinst" hast du wohl wissentlich überlesen, um mal wieder einen "Kinnhaken" zu verteilen. Aber wenn du das braucht, bitte.

      Dass du keinen (Black) Metal mehr hörst ist schade. Vielleicht wars nicht der richtige Metal

    • Vor 18 Tagen

      "Mein "aber okay, verstehe was du meinst" hast du wohl wissentlich überlesen, um mal wieder einen "Kinnhaken" zu verteilen"

      Den Seitenhieb konntest du dir ja aber trotzdem nicht verkneifen. Die Beschwerde, dass auf den Seitenhieb dann doch gar ein Kinnhaken folgte, ist also reichlich albern.

    • Vor 18 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 18 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 18 Tagen

      Welchen Seitenhieb du auch immer meinst

    • Vor 18 Tagen

      "Dass du keinen (Black) Metal mehr hörst ist schade. "

      Das ist nicht, was ich geschrieben habe.

    • Vor 18 Tagen

      Genau den, den Schwingo zitiert hat halt. Sollte jetzt so schwer nicht zu erkennen sein.

    • Vor 18 Tagen

      Das stimmt. Wobei ich Metal auch nur höre, wenn ich dazu in der Mood bin. Wer hört schon Metal oder was auch immer, wenn er nicht in der Mood dazu ist?

      Ich interpretiere dich mal so, dass du früher öfter in der Mood für Metal warst, als heute. Daher again, vielleicht wars nicht der richtige Metal

    • Vor 18 Tagen

      Gleep: "Genau den, den Schwingo zitiert hat halt. Sollte jetzt so schwer nicht zu erkennen sein."

      Wäre nicht so schwer, wenn er nur eine Sache zitiert hätte. Weiss ja nicht, was du als Seitenhieb versteht. Offenbar was anderes, als ich

    • Vor 18 Tagen

      Urgs, geht das wieder los. Ich übernehme die vollste Verantwortung, mich erneut auf dich eingelassen zu haben. Wird nicht wieder passieren. ;-)

    • Vor 18 Tagen

      Du hast dich eben nicht darauf eingelassen. Du hast ne Aussage getätigt, auf die du nicht näher eingehen willst. Seis drum, ich mag euch auch nicht

    • Vor 18 Tagen

      Meine Fresse. Kann das ma langsam Konsens werden, den einfach zu ignorieren?

    • Vor 18 Tagen

      Da hätte man eigentlich schon vor Ionen drauf kommen müssen.

    • Vor 18 Tagen

      Darauf musstet ihr nicht kommen, darum hatte ich Schwingi bereits mehrfach gebeten

  • Vor 18 Tagen

    Kleiner KI Worskhop für euch, da einige ja eine eigene Band gründen wollten. Und ihr soll natürlich am Ende nicht auf der Straße musizieren müssen, für ein paar mickrige Euros.
    Also, wie mache ich ein Metal Logo massenkompatibel?
    Wer da ein bekanntes Logo wiedererkennt, das ist natürlich purer Zufall! Niemals würde ich Musikern da etwas unterstellen! So einer bin ich nicht!!

    "Um ein Metal-Logo massenkompatibel zu machen, müssen Sie die Essenz der extremen Ästhetik bewahren, sie aber entschärfen und skalierbar machen. Der Schlüssel liegt in der Reduzierung von übertriebenen Details zugunsten von besserer Lesbarkeit und klaren Formen.

    Hier sind die 5 effektivsten Schritte, um ein Metal-Logo massentauglich zu gestalten:

    1. Auf Lesbarkeit und Struktur achten
    Das Problem: Untergrund-Metal-Logos sind oft extrem verschnörkelt, spitz und gleichen eher ineinander verschlungenen Ästen oder Blutspritzern als Buchstaben.

    Die Lösung: Nutzen Sie den "Block-Ansatz". Skizzieren Sie zunächst die Buchstaben in einer einfachen, kantigen Blockschrift. Fügen Sie erst danach gezielt Details oder Spikes hinzu. Der Schriftzug sollte auch auf einem Smartphone-Display oder als kleines App-Icon sofort lesbar sein.

    2. Symmetrie und klare Silhouetten nutzen
    Das Problem: Unruhige, asymmetrische Linien wirken in der Masse oft chaotisch.
    Die Lösung: Arbeiten Sie mit Symmetrie (z. B. rauten- oder kreisförmige Grundformen). Ein Logo, das in einer klaren Silhouette funktioniert, lässt sich vielseitiger drucken und sticken.

    3. Reduktion von Farben und Texturen
    Das Problem: Farbverläufe, extrem feine Details, Schatten und Texturen (z. B. Holzmaserung oder Bluteffekte) sehen am Bildschirm gut aus, verlieren sich aber beim Druck auf Merchandise wie T-Shirts oder Tassen.

    Die Lösung: Konzentrieren Sie sich anfangs rein auf Schwarz und Weiß. Ein perfektes Metal-Logo sollte immer als einfarbige Version (Vektorgrafik) auf T-Shirts funktionieren. Für besondere Merchandising-Artikel können Sie nachtrückend Farben oder Metallic-Effekte hinzufügen.

    4. Das "Weniger ist mehr"-Prinzip bei Spikes
    Das Problem: Zu viele Stacheln ("Spikes") lassen das Logo verschwommen und unprofessionell wirken.
    Die Lösung: Setzen Sie Spikes und Verzierungen nur an den Enden der Buchstaben (z. B. beim ersten und letzten Buchstaben) ein, um den Rahmen des Logos zu definieren. Lassen Sie den mittleren Bereich clean.

    5. Typografie-Tuning
    Verwenden Sie als Basis statt filigraner Handschriften eine kräftige, serifenlose Schriftart oder klassische "Old English" (Blackletter) Schriften und passen Sie diese individuell an.