laut.de-Kritik
Die Rückkehr der schwarzen Messe.
Review von Markus SeibelIn den vergangenen anderthalb Jahrzehnten erlaubten sich Dimmu Borgir eine lange Funkstille, die viele Fans zunehmend irritierte. Bereits zwischen "Abrahadabra" und dem 2018 erschienenen "Eonian" lagen ganze acht Jahre, ehe nun erneut eine ähnlich lange Wartezeit ins Land zog. Die zwischenzeitlich veröffentlichte Coversammlung "Inspiratio Profanus" bleibt dabei besser unerwähnt.
Mit "Grand Serpent Rising" meldet sich die norwegische Black-Metal-Institution nun endlich mit ihrem zehnten Studioalbum zurück. In der Zwischenzeit hat sich allerdings auch innerhalb der Band einiges verändert. Besonders schwer wiegt der Abschied von Langzeit-Gitarrist Galder, der sich nach 24 Jahren wieder vollständig Old Man's Child widmet. Damit liegen sämtliche Kompositionen erstmals seit langer Zeit ausschließlich in den Händen von Shagrath und Silenoz. Dieser personelle Umbruch macht sich auch musikalisch bemerkbar und verleiht dem neuen Werk eine leicht veränderte Ausrichtung.
Vor allem der über Jahre immer dominanter gewordene orchestrale Bombast wurde auf "Grand Serpent Rising" spürbar zurückgeschraubt. Wo frühere Veröffentlichungen den Hörer unter Chören, Effekten und monumentalen Klangwänden begruben, wirkt das neue Material deutlich fokussierter und direkter. Die symphonischen Elemente bleiben zwar weiterhin Bestandteil des Sounds, treten jedoch endlich wieder hinter die Gitarrenarbeit zurück.
Dadurch entsteht erstmals seit langer Zeit der Eindruck, dass Dimmu Borgir wieder als Metalband und nicht als Soundtrack-Komponisten agieren. Natürlich verzichten Shagrath und Silenoz nicht komplett auf Pathos und Atmosphäre, denn ein gewisses Maß an epischer Inszenierung gehört bei Dimmu Borgir schlicht zur musikalischen Identität. Dennoch überrascht insbesondere "Ascent" nach dem etwas zu lang geratenen Intro "Tridentium" mit einer erstaunlich aggressiven und teilweise thrashigen Gangart. Auch "As Seen In The Unseen" verbindet hymnische Eingängigkeit mit der nötigen Härte und erinnert stellenweise an stärkere Momente früherer Schaffensphasen.
Die stärkere Präsenz der Gitarren sorgt darüber hinaus dafür, dass auch melodische Elemente wieder mehr Gewicht erhalten. Besonders deutlich wird dies bei "Repository Of Divine Transmission", dessen Leads und Soli tief im klassischen Heavy Metal verwurzelt sind. Silenoz scheint hier endlich wieder Raum zu bekommen, um seine Gitarrenarbeit ohne permanente Überlagerung durch orchestrale Arrangements oder elektronische Spielereien zu entfalten.
Genau diese Rückbesinnung auf riffbetonte Strukturen tut dem Album hörbar gut. Statt auf überladene Klangteppiche setzt die Band häufiger auf Dynamik, Präzision und ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Härte und Atmosphäre. Dadurch wirkt "Grand Serpent Rising" insgesamt deutlich kompakter und griffiger als seine direkten Vorgänger. Zwar fehlt dem Album stellenweise noch die ganz große Überraschung, dennoch vermittelt es über weite Strecken das Gefühl, dass Dimmu Borgir wieder stärker an ihre eigentlichen Wurzeln anknüpfen wollen. Besonders langjährige Fans dürften diese Entwicklung positiv aufnehmen.
Zu den größten Überraschungen des Albums zählen allerdings die beiden norwegisch eingesungenen Stücke, die sofort herausstechen und eine besondere Atmosphäre erzeugen. Erstmals seit "Death Cult Armageddon" beziehungsweise "Stormblast MMV" greift die Band wieder verstärkt auf ihre Muttersprache zurück und erzeugt damit eine deutlich düsterere und authentischere Wirkung. Gerade diese Songs verleihen "Grand Serpent Rising" zusätzliche Tiefe und erinnern daran, warum Dimmu Borgir einst als eine der spannendsten Bands des symphonischen Black Metal galten.
Insgesamt präsentiert sich das zehnte Studioalbum als deutlich ausgewogeneres Werk als die letzten Veröffentlichungen. Die Balance zwischen Härte, Melodie und symphonischer Opulenz gelingt wesentlich besser als zuletzt. Zwar revolutionieren Dimmu Borgir ihren Sound nicht gerade, doch die bewusst reduzierte Herangehensweise wirkt erfrischend und sinnvoll. Nach vielen Jahren des Stillstands liefert die Band damit endlich wieder ein Album ab, das ihre Stärken überzeugend auf den Punkt bringt.


5 Kommentare mit 4 Antworten
Das Cover ist ja ganz ansprechend gestaltet. Vieleicht höre ich mal rein.
Meine Schwiegermutter findet das Logo gut und geht mir ihren Freundinnen zum Konzert.
Endlich ist die Rezi draußen. Gehe ich voll mit, finde den Schritt zurück zu ein wenig mehr "Old-School" gut und die Reduktion von dem Orchesterbimbam ist auch förderlich. Weglassen wäre falsch, Dimmu Borgir sind schon eine der besseren Symphonic-Bands im Extreme-Kosmos. Das haben sie sich hart erarbeitet und die mittleren Alben bis "In Sorte Diaboli" gehen auch echt gut klar – danach wurde es halt etwas zu opulent, meiner Meinung nach. Aber ist natürlich Geschmackssache. Finde es auf jeden Fall gut, dass sie ihre Black Metal-Spur wieder finden und schlechte Songwriter waren Shagrath und Silenoz noch nie. Der Weggang von Galder hat vielleicht auch etwas positives?
4/5 geht voll klar, find ich
Erinnert mich an die Harry Potter Fanfic, die ich mal geschrieben hab.
"Die große Schlange erhebt sich" raunte Snape lüstern in Harrys Ohr, während Hagrids Hand zärtlich seinen nackten Körper entlang glitt...
Der lesbare Bandnamen hat es mir erst ermöglicht diese Veröffentlichung zu finden. Ich denke, ich werde mir von diesem Album die LP kaufen. Plattenspieler habe ich zwar keinen, höre aber eh keinen Black Metal. Es freut mich aber, diese Band und ihr außergewöhnliches Label Nuclear Blast mit meinem Geld unterstützen zu können. So fühle ich mich beim nächsten Eltern- und Nachbarschaftstreff unserer kleinen Einfamilienhaus Vorstadtsiedlung endlich besser zugehörig.
Ausdrücklich bedanken möchte ich mich bei User Puschel, der mich durch seine Guerilla-Marketing Kommentare erst auf Dimmu Borgir und Nuclear Blast aufmerksam gemacht hat.
Ich kannte das auch nicht, finde aber das Label wirkt authentisch. Ist mal was anderes und passt gut zu mir. Im Großraumbüro zeige ich damit, dass ich ein wenig flippiger bin als die anderen.
Das mit dem Büro ist eine gute Idee. Ich werde mir mal ansehen, was dieses Label noch so anbietet und werde mir dort noch ein oder zwei LPs zur Deko fürs Büro kaufen.
Nur gesehen 5/5