laut.de-Biographie
Henge
Stellt euch bildlich vor, irgendwo auf der Heide bei Manchester stünde ein Stargate. Ihr wandert dort hin und werft Gitarre, Bass, Synthies und ein Schlagzeug durch das Tor und fünf Minuten später spaziert eine bunte Truppe Außerirdischer durch dieses Tor, um mit Musik die Erde zu retten. Klingt bescheuert? Greetings humans!
Mit diesem Schlachtruf begrüßen Zpor, Goo, Sol und Nom stets ihr Publikum, ehe sie die Anwesenden mit einem aberwitzigen Soundcocktail begeistern, den sie selbst Cosmic Dross nennen. Was hinter diesem Begriff steckt? Na, alles. Von Art/Progressive Rock der Marke Hawkwind und Captain Beefheart über Manchester Rave und Big Beat à la Prodigy, ein bissel Kraftwerk auf Pilzen werfen wir auch noch dazu, des weiteren Nintendocore, Western Twang-Gitarren, Devo schauen mit den B-52's um die Ecke. Ansonsten verbraten sie alles, was sonst nicht bei drei auf den Bäumen ist. Frank Zappa hat die Knilche wohl auch mal unterrichtet. Mit musikalischer Fingerfertigkeit sind die Herrschaften from outer space durchaus gesegnet.
Die Reise von Henge beginnt laut Bandhistorie vor vielen Milliarden Jahren, als Zpor, ein uralter Narr, Erfinder und Forscher, seinen Heimatplaneten Agricular in der Kosmischen Rotverschiebung 7 verlassen muss, als dieser von seiner sterbenden Sonne verschlungen wurde. Er besucht daraufhin Xylanthia im Sirius-Sternensystem, wo er die hochspirituelle Musikform namens Cosmic Dross erlernt. Cosmic Dross bedeutet übersetzt so viel wie "Kosmischer Schrott", die Band selbst beschreibt das in einer "öffentlichen Bekanntmachung" auf YouTube als "außerirdisches Musik-Genre". Wissenschaftler untersuchen die Auswirkungen auf die menschlichen Probanden, die sich der Frequenzen der Combo aussetzen. Dabei stellt sich heraus, dass eine 75-minütige Beschallung mit Cosmic Dross zu einer Zunahme des Glücklichkeitsfaktors um 60 Prozent führt. Na, wenn das mal nicht eine Ansage ist!
Zpors Lehrer war ein charismatischer Schlagzeuger namens Nom. Die beiden werden Reisegefährten und besuchen viele Planeten der Milchstraße, darunter die Venus, die zu jener Zeit einen apokalyptischen Klimawandel aufgrund des außer Kontrolle geratenen Treibhauseffekts erlebt. Dort retten sie einen Venusianer namens Goo, den sie an Bord ihres Raumschiffs nehmen. Das letzte Bandmitglied, das sich der Gruppe anschließt, ist ein Mensch. Nach einem Kontakt in der Astralebene lädt dieser Zpor und dessen Crew auf die Erde ein. Die extraterrestrische Hilfe scheint dringend nötig: Die Menschheit befindet sich an einem kritischen Punkt. Die Ressourcen der Erde werden für die Herstellung von Kriegswaffen verschwendet. Die Zeit drängt für die Menschheit. Hier merkt man bereits, dass hinter den lustigen Spinnereien und den Kostümen kluge Köpfe stecken, die sich auch gesellschaftskritisch geben.
Abseits der Band-Lore, die auch in Comic-Form über die Bandhomepage vertrieben wird, stecken hinter Henge Musiker aus Manchester, die in der dortigen Szene eine stabile Prominenz besitzen. Bandkopf Zpor aka Matthew C. Whitaker spielte dort in Formationen wie den Whiskycats und Gypsies Of Bohemia. Bei Erstgenannten taucht auch Schlagzeuger Nom, alias Sam Draper auf, dessen virtuoses Spiel dem Sound von Henge den nötigen Drive verpasst. Als ausgebildeter Jazz-Schlagzeuger ist das für ihn auch kein Problem. Den beiden stehen mit Peter Turner (Goo, Bass und Synthesizer) und Roy Medhurst (Grok, Synthesizer) zwei weitere Mitstreiter zur Seite, die dem Henge-Sound die nötige Abgezwackeltheit verpassen, die so typisch für den durchgeknallten Genre-Mix sind.
So richtig kommt der audiovisuelle Wahnsinn aber erst auf der Bühne rüber, wenn Henge von außerirdischen Fabelwesen namens Fungyal und Flygal flankiert werden. Da kommt Zpors Outfit samt Plasma-Lampe auf dem hübschen Hut noch mehr zur Geltung.


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