Platz 18: Da Capo (1988)

"Major hatte mir mein Soloalbum zugestanden, nun war ich ihm bei seinem behilflich, indem ich die Songs [...] betextete und mich bereit erklärte, sie unter dem Namen BAP zu veröffentlichen." So harsch und subjektiv diese Einordnung aus Wolfgang Niedeckens erster Biografie klingt, so sehr hört man sie "Da Capo" doch deutlich an.
Das seit "Ahl Männer" deutlich fortgeschrittene Tauziehen um den (massen)tauglichen BAP-Sound äußert sich aber insbesondere in vieles ertränkenden Synthesizer-Landschaften. "Fortsetzung folgt" hat es mit seinem luftigen Drive zwar zum Kulttrack der zweiten Reihe geschafft, Tracks wie "Shanghai" dürften aber schon wenige Jahre später überholt geklungen haben.
Anders als der Vorgänger entstand "Da Capo" allerdings nicht mit Queen-Produzent Mack am Mischpult, sondern wurde in Eigenregie zusammengestellt. Zuvor allerdings von Major selbst in den USA vorproduziert, mit exakten Anweisungen für alle Beteiligten, was Neueinsteiger und Langzeitdrummer Jürgen Zöller als "Erfüllungsgehilfe" zu spüren bekommt. Die Stimmung im Studio? Laut Zöllers Biografie frostig und taxierend.
Gerade das Gitarrenhandwerk stimmt auf "Da Capo" fast immer, doch wem nützt das, wenn die Produktion die Arpeggios in ein Klangbad taucht, das irgendwo zwischen Alphaville und New Age (per se beides gute Ideen!) plätschert. Lichtblicke: Starkes Gitarrensolo in "Dat Däät Joot" und eine würdige Auseinandersetzung mit der Sprachlosigkeit über den Tod von Ex-Drummer Pete King ("Flüchtig"). Dazwischen: Klebrige Fäden ziehender Synthetikkäse, der mit BAP nicht viel zu tun hat.
Bootlegs aus der Zeit sprechen übrigens eine andere, weniger handzahme Sprache.
Wolfgang Niedecken:
"Da sind ja gute Songs drauf. 'Fortsetzung folgt' ist ein schönes Stück, das haben wir zuletzt auf der 2016er-Tour gespielt. Damals im Studio hatte der Major das Sagen. Aber Jürgen ist ein Instinktschlagzeuger. Dass er nicht so spielen konnte, wie er wollte, war für ihn eine Katastrophe. Irgendwann ging es mit diesem Spagat für alle nicht mehr gut."
1 Kommentar
Auf jeden Fall besser als „Ahl Männer aalglatt“! Anspieltipps „Stadt im Niemandsland“, „Fortsetzung folgt…“, „Rääts un links vum Bahndamm“ und „Saison der Container“ (AC/DC gepaart mit Schlager!)