"Haus Im Meer" läutet nach zwei Jahren ihr Comeback ein. Szene und Industrie bekommen ihr Fett weg, auch an ihren Kolleginnen lässt die Rapperin kein gutes Haar - mit drei rühmlichen Ausnahmen.

Berlin (dani) - So entschlossen, wie Universal die einstige Newcomerin Badmómzjay seinerzeit in den Orbit katapultiert hat, verwundert schon, dass man inzwischen recht lange quasi nichts von ihr gehört hatte. Andererseits verwundert es auch überhaupt nicht: Dass sich jeder neue Track stärker nach sackteuer produzierter Pflichtübung angefühlt hatte und Jordy jedesmal ausgelaugter und trauriger wirkte, ließ sich ja kaum übersehen.

Die Vermutung lag nahe: Da wird eine junge Künstlerin verheizt. Die Verantwortlichen nahmen offenbar in Kauf, dass Erfolgsdruck und Erwartungshaltungen das Feuer, das diese eine hier anfangs noch so deutlich aus der Masse junger Artists abgehoben hatte, nahezu völlig ersticken. Badmómzjays Comebacktrack "Haus Im Meer", wie sie schreibt, eine persönliche Angelegenheit und eine Entschuldigung an sich selbst, bestätigt die Befürchtung nun auf ganzer Linie:

"Zwei Jahre keine Mucke, dafür Panik, Angst und Nierenstechen", rekapituliert sie da ihre Zeit in der Versenkung. Auch auf die Gefahr hin, für party-untauglich befunden zu werden, erzählt sie von Überforderung, zerbrochenen Beziehungen, einem Schwangerschaftsabbruch und den Spuren, die all das in Verbindung mit unaufgearbeiteten Kindheitstraumata in einer jugendlichen Psyche hinterlassen hatte. Ihre Reaktion, die Reißleine zu ziehen und sich erst einmal in professionelle Behandlung zu begeben: wahrscheinlich die einzig richtige.

Dieser Track macht, zumindest in seinem ersten Part, tatsächlich wenig Spaß. Ich glaube Jordy alles, das sie berichtet, man spürt ja den Schmerz, der da aus den Zeilen tropft. Andererseits hat man inzwischen halt auch schon so fuckin' viele Songs gehört, in denen Rapper*innen über die (zweifellos tragischen) Kehrseiten des Erfolgs herumgreinen, dass inzwischen selbst die intimsten, privatesten, individuellsten Geschichten irgendwie wie Stangenware wirken. Jumpas erneut wertig klingende, dabei aber wenig originelle Produktion hilft nicht, diesen Eindruck zu vertreiben, und das Bedauern angesichts dessen, was aus dem lodernd spittenden, fröhlichen Ding geworden ist, als das Badmómzjay einst in die Szene gekracht ist, kann ich halt leider auch nicht abschalten.

Statt Begeisterung lodert inzwischen der Zorn

Trotzdem seh' ich dem Album, das dieser Track ankündigt, hoffnungsvoll entgegen, was im Wesentlichen an der zweiten Hälfte dieses Intros liegt: Nach dem obligatorischen Beatswitch kippt die Stimmung nämlich komplett. Badmómzjay hat mit ihrer Vergangenheit, auch wenn sie nichts ungeschehen machen konnte, nun also aufgeräumt, und jetzt schaltet sie in erstaunlich garstigen Angriffsmodus. Das viele Namedropping und die gefühlt 97 Cameo-Auftritte im Video, von Juju, Loredana und Nina Chuba über Kool Savas und Farid Bang zu den Podcast-Hosts Tommi Schmitt und Felix Lobrecht, hätte sie im Grunde gar nicht nötig gehabt. Der Zorn, der da lodert, spricht für sich, und er brennt fast wieder so heiß wie Jordy in ihren Anfangstagen.

Wenn Badmómzjay, von genannten Ausnahmen abgesehen, ihre Konkurrenz abwatscht, mangelnde Solidarität unter Kolleginnen beklagt und überhaupt darüber ab-rantet, wie Szene und Industrie mit Frauen umgehen, dann wirkt sie zwar immer noch nicht glücklich, das alles eröffnet kaum neue Erkenntnisse, und es macht auch ungebrochen nicht gerade gute Laune. Es zeigt aber, da steckt noch einiges in dieser MC.

Die Frage bleibt: Darf sie es rauslassen? Oder zündet ihr Label da gerade nur die nächste Stufe im gnadenlosen Ausschlacht- und Verwertungsprozess? Das versprochene Album dürfte die Antwort bergen. Wann das allerdings erscheinen soll, hat uns bisher noch niemand verraten.

Weiterlesen

laut.de-Porträt Badmómzjay

Als sie zur Welt kommt, sind TLCs Lisa Left Eye Lopes und Aaliyah gerade begraben und Nelly und Kelly Rowland laufen mit "Dilemma" weltweit auf Heavy …

laut.de-Porträt Jumpa

"Ich bin immer eher derjenige, der nachgibt, weil der Künstler am Ende den Song releasen und sich auf der Bühne wohlfühlen muss." Jumpa zeigt sich …

2 Kommentare