Arundhati Roy, Tilda Swinton u.a. hatten Wim Wenders wegen einer Aussage zum Verhältnis von Kunst und Politik hart angegriffen.

Berlin/London (joga) - Nick Cave hat den 80-jährigen Regisseur und Jurypräsident der Berlinale 2026 Wim Wenders in einem Beitrag auf seinem Red Hand Files-Blog gegen Angriffe von diversen Künstlern verteidigt. Wenders hatte sich bei einer Pressekonferenz nicht zur Situation in Gaza äußern wollen und erklärte, das Kino solle sich nicht auf das Feld der Politik einlassen, sondern sei ein "Gegengewicht" zur Politik: "Wir müssen uns aus der Politik heraushalten."

Daraufhin hatte Arundhati Roy ihre eigentlich geplante Teilnahme an der Berlinale abgesagt. Sie begründete die Absage damit, dass der "Völkermord an den Palästinensern" auch von Deutschland finanziert werde: "Wenn die größten Filmemacher und Künstler unserer Zeit nicht aufstehen und dies sagen können, sollten sie wissen, dass die Geschichte über sie richten wird. Ich bin schockiert und empört." Auch Tilda Swinton, Jarvier Bardem und andere Filmschaffende prangerten in einem offenen Brief das "institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern" an.

"Kunst ist mehr als ein Werkzeug oder eine Waffe"

Nun hat Nick Cave den Regisseur, den er seit über 40 Jahre kenne, gegen die Angriffe in Schutz genommen. Die Antwort, die Wenders bei der Pressekonferenz gab, habe ihn "tief berührt". Er könne nicht für Wenders sprechen, aber dieser habe wohl versucht, "die Berlinale vor dem Schicksal jener Festivals zu bewahren, die zu einer Verengung des kulturellen Horizonts verkommen sind". Als Beispiel nennt Cave die australische Adelaide Writers' Week, die sich durch ihre Politisierung "in einer Wolke aus Feigheit, inszenierter Empörung, selbstgerechter Pose, Absagen, Gegenabsagen, Massenprotesten und narzisstischer Albernheit" aufgelöst habe.

Wie Wenders glaube auch er, dass Kunst viel mehr sei, als "ein Werkzeug oder eine Waffe" und die "Summe ihrer Nützlichkeit": "Ich glaube keinesfalls, dass Wim der Meinung ist, Kunst solle die großen und anhaltenden Ungerechtigkeiten der Welt ignorieren. Er scheint, wie ich, zu glauben, dass es äußerst wirksam sein kann, mit Kunst auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen."

"Wir brauchen so viel Gutes wie möglich"

Damit knüpft Cave an eine Erklärung seiner Kunstauffassung an, die er 2023 dem NME gegeben hatte. Damals hatte er gesagt: "Es ist kein Zufall, dass die wirklich großartigen Werke oft von den problematischsten Menschen geschaffen werden ... Wenn man anfängt, nach den guten Menschen zu suchen, die gute Kunst machen, verstummt die Diskussion sehr schnell. All die großartigen Werke scheinen von Menschen zu stammen, die in irgendeiner Weise aus dem Gleichgewicht geraten sind."

"Ich schätze Kunst einfach und sehe, dass der Bedarf an ihr zu dringend ist, als dass man sich damit aufhalten und diese Werke entfernen lassen sollte. Genau da beginnt und endet mein Problem mit der Cancel-Culture. Ich führe keinen großen Streit mit diesen Leuten. Ich mache mir einfach Sorgen um die Welt, und wir brauchen so viel Gutes wie möglich."

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Nick Cave

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2 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor einer Stunde

    Ist eine sehr romantische Idee von Cave, dass großartige Kunst oft von "problematischen" Menschen geschaffen werde. Dafür gibts natürlich auch einige prominente Beispiele. Finde das prinzipiell aber eher boomerig und doof.

    Wim Wenders konnte ich noch nie besonders viel abgewinnen, und sein ziemlich horizontfreies Statement bestätigt das. Ich habe alle Unterstützung dafür, wenn Künstler*innen romantischerweise sagen, Kunst sei MEHR als das profane politische Weltgeschehen. Aber etwas in der Richtung von "nicht politisch" herumzustammeln, ist entblößend dumm.

    • Vor 46 Minuten

      Fand ich auch etwas unglücklich / dumm formuliert, aber eigentlich bin ich auch wieder bei Cave, da mir der Beißreflex an vielen Stellen auch eher wie ein kalkuliertes Empörtsein erscheint. Man hat genügend gemeinsame Nenner, schafft es aber aktuell nicht ohne Drama zusammenzukommen und/oder sich an vorher abgesprochene Regeln zu halten.

    • Gerade eben

      Den Teil von Caves Statement finde ich im Großen und Ganzen auch akzeptabel. Nicht alle Reaktionen sind besonders bedacht. Bloß weil es eigentlich ein Leichtes für Kunstschaffende sein sollte, fortlaufenden, tagesaktuellen Faschismus und alle Formen von Gewalt gegen Menschen zu verdammen, lohnt es sich mMn. überhaupt nicht, hier ein Fass aufzumachen. Wenders ist halt ein Lurch gewesen - trotzdem sind Kunstmenschen nicht in der Pflicht, sich zu irgendwas zu äußern.