Matthias Krentz
1. jennyprenzlberg - Sekt Era
2. Yako Ok – OKAY
3. Alleindaheim - I Am Not A Human Being
4. Erna Banerna – Arnold
5. Vandalismus – Diadem
6. Dea Bbz - YOB
7. ALYZAH – Juice
8. VÆIN - Sterben Auf Beats
9. Mia Morgan – Silber
10. Marc Reis - Damit Ihr Nicht Vergesst Wie HipHop Klingt! (LOL)
Meine Top 10 Musikmomente 2025
Eine meine besseren schlechteren Eigenschaften ist meine Vorliebe für Pedanterie. Mehr noch, für unnötige Pedanterie, die schönste aller Pedanterien. Beweisstück A: Die Überschrift "Best of 2025" widerstrebt mir, denn wie seitens höchster Autorität (Dani) festgelegt wurde, geht es in dieser Best-of-Liste um die Kalendermonate Dezember 2024 bis November 2025. "Best of 2025" gibt das nur ungenügend wieder. Daher beantrage ich hiermit die Umbenennung dieser Liste in "Zwölf-Monats-Rückschau" (kurz: ZMoRSch).
Meine Liste an Lieblingsmusikdingen:
1. jennyprenzlberg (Rapper)
Da das hier ein ZMoRSch ist, darf ich das Augenmerk auf den 13.12.2024 lenken, und damit auf den Tag, an dem jennyprenzlberg sein Album "Sekt Era" gedroppt hat. Kraftvoll eingerappt, voller Punchlines und der Grund, warum ich den ganzen Januar hindurch jeden dritten Satz mit "oha" beendet habe. Wenn ich aus dem letzten Zwölf-Monats-Zyklus ein Album mitnehmen werde, dann dieses hier. Dass der Mann auch über Battlerap hinaus denken kann, zeigen Songs wie "Deutschland" und "Geld (Arbeitstitel)". Als netten Bonus gab es mit dem Kollegen Klaus Bugatti bereits im Januar Nachschlag, und Gott sei Dank heißt Klaus nicht mehr wie früher, denn sonst würde ich die Wortwahl in diesem Satz bereuen. "Winter3000" heißt das gute Stück und handelt überwiegend von der Praktik des Saufm in Handschuhen. Guter Ansatz, klassische Ausführung, rundet das Gesamtbild ab. Ich freu' mich auf weitere Projekte von jennyprenzlberg und werde ihn wie die letzten beiden Male direkt anschreiben, wann das neue Album auch auf Bandcamp landet. Guter Mann, im Auge behalten.
2. Mia Morgan – "Silber" (Album)
Dezember 2018 war so ein richtig beschissener Monat für mich. Frisch getrennt, keine Wohnung. Mit PS4 und ein paar Klamotten im Rucksack alle Einladungen im Bekanntenkreis in verschiedene Gästezimmer und auf Wohnzimmersofas zum Übernachten abklappern. Über Weihnachten dann noch bei den Eltern einziehen. Kein Zugang zu Rechnern und Musiksammlung. Da mein Idealismus auch nur bis an den Rand meiner geistigen Gesundheit langt, habe ich damals aufgegeben – und mir einen Spotify-Account zugelegt. Ich schwöre, das hat mir den Verstand bewahrt. Eine meine Entdeckungen in dieser Zeit war ein fröhlicher Gitarren-Song namens "Waveboy" von Mia Morgan. Seitdem begleitet mich diese Frau. Vorspulen ins Jahr 2025: Im März erscheint ihr zweites Album "Silber". Glücklicherweise ist darauf
der schon im Sommer 2024 erschienene Song "Niemand", den ich jetzt doch erwähnen darf, HA! Ernsthaft, der und "(Spielen Mit Den Großen) Jungs" liefen das ganze Jahr immer wieder. Regelmäßig habe ich die Liste meiner geherzten Songs geöffnet (nicht auf Spotify, wir haben 2025) und dann so lange gescrollt, bis einer dieser beiden Titel auftauchte. Das restliche Album ist auch super, aber diese beiden Highlights überstrahlen in meiner Welt die übrigen Lieder. Mia wirkt auf mich als würde sie sich im Laufe der Karriere immer weiter aus sich rausbewegen, immer mutiger werden und sich selbst dabei näherkommen. Mehr Rock, mehr Attitude, mehr Sex, mehr Tattoos, mehr Mia Morgan. Was auch immer ihre finale Phase sein wird, ich hab' richtig Bock.
3. Yako OK – "OKAY" (Mixtape)
August. Auf Instagram wird mir Werbung reingespült. Tagline: "Kurz 2006 Deutschrap Sound zurückgeholt". Ich horche auf. Die Jahre 2005 bis 2010 liegen mir am Herzen. In dieser Zeit war ich late Teenager, habe angefangen, über VIVA hinaus Musik zu hören und bin, Informatik-Unterricht sei Dank, via Internet in die Recherche eingestiegen. Klaro, heute mit Abstand und ausgewachsenem Gehirn sehe ich Eiiiiiiniges aus der Zeit anders, aber eine Überzeugung bleibt: Es gab so viele Characters, die von der ersten Sekunde an Eindruck auf mich gemacht haben, und Yako ist auch so einer. Die Popelstimme, der Frechdachs-Swag und dieser souveräne Flow. Wirklich, die Delivery holt es eigentlich am ehesten nach Hause. Ich liebe Rap, der klingt, als wäre es das Normalste der Welt. Checkt einfach das Video-Snippet, vielleicht überzeugt es euch ja genauso wie mich. Möchte an der Stelle anmerken, dass es auf seinem Mixtape "OKAY" ein Cover von Sidos & G-Hots "Wahlkampf" gibt. Cover gibt es in der Rap-Szene generell eher selten, aber dass dieser Song mittlerweile zwei davon hat (Edgar Wasser & Raffi Balboa), finde ich mindestens erwähnenswert. In den letzten Monaten geht es zügig voran für den Dortmunder: Er hat grade ein Label mit Kool Savas gegründet. Den gemeinsamen Song von den beiden fand ich dann doch eher lahm, aber ich gönne Yako jeden Fortschritt. Aber bitte nichts von Savas lernen, versprochen? Danke.
4. Grim104 (Erscheinung)
Grim104 ist mein Lieblingsrapper. Wild, so was auszuschreiben. Geht das überhaupt, ein Lieblings-XY zu benennen? Aber bei Grimmi bin ich mir zumindest seit "Imperium" sicher. Jeder Song, jedes Album, jedes Reel, ich geb' mir alles auf Lunge. Dieser Typ bietet mir genug Identifikationspotential, Nachvollziehbarkeit und Das-ist-ein-normaler-Dude-Auftreten auf der einen und einen weirden, exzentrischen Starappeal auf der anderen Seite – und ich bin nicht immer sicher, wann dieses oder jenes zutage tritt. Als Vorboten für das im März 2026 kommende Album "No Country For Old Grim" erschienen drei Songs, und jedem einzelnen möchte ich die Füße massieren. Besonders erwähnenswert ist "Nie So Cool", zu dem Yannik hier schon genug gesagt hat. Ich lieb' den Kerl wirklich. Wie kann jemand mit so viel Selbstbewusstsein "SEIN KLEINER PIPIMANN VIBRIERT?" ins Mic quieken? Keine Ahnung, aber es funktioniert!!! Wir reden nächstes Jahr über das Album, ganz sicher. (Dass Grim104 vorne nicht mehr mit Minuskel geschrieben wird, macht mich wuschig.)
5. cr1tter – "abduct me" (Song)
Der zweite Eintrag auf dieser Liste, der via Instagram-Werbung auf meinem Radar gelandet ist. Song ist 'n Kracher, drückt mich mit Gewalt auf eine Wiese, damit ich nach Ufos Ausschau halte. Spezielles Lob außerdem an das Cover ihres Albums "Welcome to the cr1tter net" in ihrem Shop.
6. Thizzy – "Count me out Freestyle" (Reel)
Nur ein kleines Lebenszeichen hat Thizzy laut eigener Aussage im März raus in die Welt geschickt, und was für eins. Suizidalität so offen auf diesen schönen Kendrick-Beat zu thematisieren, uff, das spür' ich schon in meinem Rückenmark. Aber eigentlich geht es um mehr. Um persönliche Erfolge und sich selbst etwas Gutes zu gönnen. Das geht mir nahe.
7. Katanna – Einstieg in die zweite Strophe von "Short Queen" (Moment)
Im Sommer hat mir eine Internetbekanntschaft zwei Dosen Almdudler Mate & Guarana aus Österreich mitgebracht. Kräuterlimo mag ich, Mate bin ich gewohnt, Kaffee auch, aber nach diesen 330 Millilitern war ich richtig angeschoben. Ich habe mit Wucht und Geschwindigkeit in die Tastatur gehauen, dass der Schreibtisch Abdrücke bekommen hat. Ist ein Erlebnis. Wenn ich das doch nur rekreieren könnte, ohne ins Ausland zu reisen oder Kuriere zu beauftragen? Gott sei Dank gibt es Katanna. Über Yako bin ich in diesem Spätsommer in den obskuren Kosmos namens Patina Records vorgestoßen, den ich noch nicht vollständig durchblickt habe. Ernsthaft, ich brauch' eine richtige Homepage und Bandcamp noch dazu. Trotz millennialwidriger Internetpräsenz habe ich verstanden, dass Katanna der Formation angehört und nicht nur Social-Media-Queen, sondern auch eine ausstrahlungsstarke Rapperin ist. Wie sie in die zweite Strophe von "Short Queen" reinkommt, ja, doch, das ist mit oben genannter Büchse voller Wildheit zu vergleichen. Katanna a.k.a. die Chaya mit den Silberketten kommt grad gut rum. Aber bitte Mucke machen nicht vergessen, nach einem Katanna-Mixtape lecke ich mir grad acht von zehn Fingern. An den anderen zweien ist Almdudler.
8. Vandalismus – "Daddy Issues" (Song)
Erfahrungsgemäß berühren mich zwei Dinge. Werke, in denen etwas abgebildet wird, mit dem ich mich identifizieren kann. Und Werke, in denen etwas abgebildet wird, mit dem ich mich nicht identifizieren kann, aber mitgerissen werde, weil nachvollziehbar formuliert etc. Vandalismus ist seit jeher eine durchzwirbelte Mischung dieser beiden Elemente. Nicht immer kriege ich aufgedröselt, was jetzt was ist, aber vielleicht muss ich das auch gar nicht. Sein Song "Daddy Issues" bringt das auf ein neues Level. Hab in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit kurz vergessen zu atmen. Anhören (Imperativ). (Das ganze Album "Diadem" ist super, aber dieser Song verdient eine einzelne Erwähnung.)
9. Beatz im Block (Festival)
Sommer ist Festivalzeit. Da ich zu alt und miesepetrig für längeres Ausgehen oder sogar Zelten bin, kommen für mich, wenn überhaupt, nur Ein-Tages-Festivals in Frage. Ich denke natürlich an die Tapefabrik, wo ich vier der Listeneinträge dieses Jahr live gesehen habe, aber möchte den Scheinwerfer lieber auf Beatz im Block in Leipzig richten. Im Ortsteil Grünau (ja, von da kommt Morlockk Dilemma) wird ein schlankes Line-Up für überschaubaren Taler geboten. Mein inneres Jubiduh fühle ich erst recht, wenn die Timeslots kurz gehalten werden. Vielleicht ist es das frittierte Gehirn (habt ihr gewusst, dass ich Instagram benutze?), aber mehr als 45 Minuten kann ich keinem Act zuhören. Dabei haben sich die dieses Jahr so richtig gelohnt. Geladen waren persönliche Heldinnen ALYZAH und Dea Bbz, aber auch Pöbel MC, Jenny Sharpe und bangerfabrique waren da. Absoluter Moment: ALYZAH bringt einen Haufen Gen-Z-Teenies dazu, den Hip Hop-Winkearm zu machen. Ich habs geliebt. Bin gespannt auf das Line-Up 2026.
10. Alleindaheim – "I Am Not A Human Being" (EP)
Kurz vor Jahresende noch nachgeholt und geärgert, denn diese EP hätte bei mehr Laufzeit das Potential für eine höhere Platzierung. Typ macht Stop-Motion-Rap-Videos (aber nur Shorts), klingt wie eine Mischung aus OG Keemo und Dingen, für die ich zu alt bin, mag vielleicht Lil Wayne und ganz bestimmt Heidi Reichinnek. Bei "Warum sieht dein ganzes Outfit aus als wärst du 11?" musste ich sehr lachen, weil ich mich anziehe als wäre ich 14. Gerne weiter allein zu Hause bleiben, wenn solche Musik dabei herauskommt.
11. Honorable Mentions
Erna Banerna – "Arnold" (Album)
Blond – "Ich träum doch nur von Liebe" (Album)
PTK – "Wahnsinn (161 Bars)"" (Song)
"Haste" (Videospiel-Soundtrack)
Marina – "Princess of Power" (Album)
VÆIN - "Sterben auf Beats" & "Selbstzweifel" (EPs)
Marc Reis - "Damit ihr nicht vergesst wie HipHop klingt!" (EP)
PLH – "PLH" (Album)
Illmatic – "Auf vielfachen Wunsch" (EP)
Flexis – "JA OK" (Album)
Sportler99 – "Salzwasser auf Ex 2" (Mixtape)
Tapefabrik: Eingang zum Kesselhaus (lebensbedrohliche Situation)
Sazou – "Zurück von den Toten hehe" (EP)
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