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Matthias Liegmal

1. Nina Chuba - Ich Lieb Mich, Ich Lieb Mich Nicht
2. Jenny Prenzlberg - Sekt Era
3. Zah1de - Pretty Privilege
4. Waving The Guns - Zwischen Wand Und Tapete
5. Nullsechsroy - Jugendliebe
6. Kool Savas - Lan Juks
7. Illmatic - Auf Vielfachen Wunsch
8. PTK - Meine Gedanken Haben Krebs
9. K.I.Z. - Görlitzer Park (Live)
99. Felix Blume - Kanzler

2025 könnte, wenn man in ein paar Jahren zurückschaut, genau das Jahr gewesen sein, in dem die Musikindustrie auf den Kopf gestellt oder aber jenes Jahr, in dem genau dies verhindert wurde. Der Schock, der die Branche bereits 2023 mit "Heart On My Sleeve" getroffen hatte, zog zuerst ein paar Klagen und danach ein paar Kooperationen nach sich - so weit, so Napster-Handbuch. Während Udio sich in diesem Rahmen dazu verpflichtet hat, sein Geschäftsmodell auf das Remixen von Songs umzumünzen (TikTok lässt grüßen), bleibt Suno bei seiner Ursprungsidee und schwächelt daher aktuell noch daran, nur einen einzigen Major legal an Board zu haben. Der unkontrollierbare KI-Hypetrain scheint zumindest aus Major-Sicht vorerst stark gebremst worden zu sein, und wohin er nun letztendlich fährt, ist inzwischen dann eigentlich auch egal, denn man sitzt ja jetzt mit an Bord. Zumindest so lange, bis Sam Altman um die Ecke kommt und das ganze Spiel von vorne losgeht.

Bis dahin haben wir jetzt also zwei Tools, die das musikalische Handwerk auf einem recht passablen Level beherrschen, doch für herausragende Ergebnisse immer noch den entscheidenden lyrischen Input benötigen. Ironischerweise krankt die KI damit an derselben Problematik wie ihr menschliches Pendant. Wenn das Deutschrap-Jahr 2025 eines gezeigt hat, dann das: Die große Herausforderung besteht nicht in musikalischer Hinsicht, sondern darin, eine Persönlichkeit zu entwickeln und zu transportieren. Neben der formelhaften Kombination von Noten, Harmonien, Melodien und Song-Strukturen will schließlich irgendwo auch noch eine halbwegs interessante Background-Story mitgeliefert werden, die den Songs die notwendige Tiefe verleiht.

Während die Veteranen des Genres damit hadern, ihr Image über Dekaden hinweg zwischen vertrauter Beständigkeit und notwendiger Innovation stets neu auszubalancieren und sich dabei teilweise (https://laut.de/Illmatic) in die eigene Vergangenheit und teilweise in eine wahnwitzige Zukunftsvision flüchten, klopft der Nachwuchs inzwischen immer früher an die Tür. In Sachen Flows, Reimtechnik und Delivery schon in jungen Jahren bestens gerüstet, gilt es inzwischen eigentlich nur noch, das ganze Handwerk irgendwie so einzusetzen, dass auch etwas halbwegs Interessantes dabei herauskommt. Das kann auch schon mit 15 Jahren gut gelingen, mit 19 auf größere Probleme zusteuern, mit 21 noch eine Findungsphase bedeuten oder mit 27 schon zur vollständigen Künstler-Persona gereift sein. In jedem Fall gilt: Jede ästhetisch hochwertige Form sucht zur Vervollkommnung immer auch einen Inhalt mit Substanz. Andernfalls langweilt sie recht schnell. Egal, ob Mensch oder KI.

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