Bei "Hit Me Hard And Soft - The Tour (Live in 3D)", dem ersten 3D-Konzertfilm mit Oscarpreisträger James Cameron, führte die Sängerin auch Regie.

Konstanz (mag) - Am Samstagabend tanzt nicht der Club, sondern das Kino. "I want singing along, I want screaming, I want standing up, I want running around", ruft Billie Eilish ihre Fans zum Kinostart ihres Films auf und entschuldigt sich im selben Atemzug für das Chaos in den Sälen. Genau so kommt es auch: was mit begeistertem Klatschen und Kreischen nach "Chihiro" und "Lunch" beginnt, kocht zum ersten Mal bei "Bad Guy" richtig hoch - Teenies rennen nach unten zur Leinwand, springen und singen zum Song ihres Idols.

Die Bühne ist in der Mitte der Halle, es gibt zwei Aussparungen, eine für die Liveband und eine für die zwei Backgroundsängerinnen und Schwestern. Billie im Zentrum, dann laufend auf der Bühne, darunter und fast überall. In den knapp zwei Stunden performt die 24-Jährige die größten Hits ihrer Karriere - ohne Tänzer*innen und großen Ablenkungen, als One-Woman-Show. "I want that it feels like it's me and them. I love that".

Ode an die Fans

Und sie liebens auch. Mascaraverschmierte, heulende Gesichter, aus denen Schreie der Begeisterung entweichen, wenn Billie ihre Fans mit ihren "Ocean Eyes" verzaubert. Genau diese Aufnahmen der schier grenzenlosen Wertschätzung und Huldigung nehmen neben der Sängerin eine zentralen Rolle im Film ein: Hauptdarsteller*innen Billie und ihre Fans. In einer der zahlreichen Interviewsequenzen zwischen den Touraufnahmen erklärt die Musikerin ihrem Co-Regisseur James Cameron und seiner gigantischen, geschulterten Kamera, dass sie die Künstlerin sein möchte, von der sie auch gerne Fan wäre. Dafür lässt sie ihr Publikum nicht nur über ihre introspektiven Songs an ihrem Leben teilhaben, der Kontakt mit ihren Fans geht sogar unter die Haut, bestätigt ein Blick auf ihre zerkratzten Hände.

Immersives Erlebnis

Der Blick aus der Menge auf die Bühne, das dreidimensionale Mikrophon vor der Sängerin und Konfetti, das einem vor der Nase herumschwirrt. Es sind Eindrücke, die sowohl die Live-Tour als auch der Film bieten. Zwar erinnern die Kinositze daran, dass es sich hier um gut eingesetzte Effekte handelt, die Perspektiven, in denen die Sängerin persönlich mit der Kamera in ihrer Hand flirtet, sind dennoch eine gebührende Entschädigung. Die Kamera fängt Billie Eilishs Lauf durch das Labyrinth unter der Bühne ein, zeigt sie emotional Backstage, als sie ihre erste Show ohne Bruder und Produzent Finneas O'Connell spielt und offenbart, dass sie einen Puppy-Room auf ihrer Tour hat. "Everyone needs some dog love" erklärt sie. Fliegender Wechsel zur Performance: Als der erste bassige Song durch den Saal wummert, setzt sich das Kino-Publikum in Bewegung und die metallische Klänge der schmuckbehangenen, hüpfenden Billie-Stans vor der Leinwand mischen sich in den Rhythmus. Das Einzige, das zwischen der Musikerin und ihren Fans zu sein scheint, ist auf dem Konzert als auch im Kino das Smartphone.

Gegensätze arbeiten gut zusammen

Wer hätte gedacht, dass ein alter, weißer Mann mit einer jungen, woken Sängerin einen Kinohit landen kann? James Cameron inszenierte unter anderem den Welterfolg "Titanic" und ist für eine spezialeffektgeladene und actionreiche Handschrift bei seinen Werken bekannt. Die "Hit Me Hard And Soft"-Tour bezeichnet er als Meisterwerk und teilt sich mit der dafür verantwortlichen Musikerin den Regiestuhl. Denn auch die 47 Jahre jüngere Billie Eilish bringt bereits Regie-Erfahrung von ihren Musikvideos und zwei vorherigen Konzertfilmen an den Tisch. James Camerons Liebe zu Effekten und neuen Technologien ist dann der Auslöser für den ersten Konzertfilm, der in 3D erlebbar ist. Trotz allem: Der Film könnte die Konzerterfahrung wohl nie vollständig ersetzen - und genau das ist aus Marketingperspektive der vielleicht genialste Coup, den es geben kann.

Fotos

Billie Eilish

Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Billie Eilish,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof)

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1 Kommentar

  • Vor 15 Stunden

    Coole Review.
    Der Film ist mega, die 3D-Effekte beamen einen fast ins Konzert.
    Und die semiprivaten Billie-Momente dazwischen sorgen für Erholung und zeigen eine außergewöhnlich talentierte Frau back- oder auch downstage.