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2000er, Platz 3: The Diplomats

Mein Bezug zu den Diplomats entstand ironischerweise nicht über die New Yorker Rapcrew direkt, sondern über ihre vielen Klone aus Deutschland. [Es schreibt: Julius Stabenow, d. Red.] Als pubertierender Teenager mit sehr begrenzten Englischkenntnissen, der kurz zuvor gerade Deutschrap und das Internet für sich entdeckt hatte, erschien die hiesige Version deutlich greifbarer, und mein junger Hip Hop-Sachverstand begriff noch nicht die Zusammenhänge, beziehungsweise kannte sie mangels Informationsquellen einfach noch nicht. Insbesondere Snaga & Pillath, Sentino, Kobra und Manuellsen hatten es mir angetan, und deren Musik war über die damals bekannten Portale einfach deutlich leichter verfügbar als die der amerikanischen Stars, die bis auf ein paar wenige Singles in Deutschland auch einfach nie nur ansatzweise den gleichen kommerziellen Erfolg hatten wie in den USA.

Erst als Juelz Santana das JUICE-Cover zierte, verstand ich langsam die Parallelen und die Eins-zu-eins-Übersetzungen der Punchlines. Noch etwas später diggte ich dann auch die relevanten Releases von Cam'ron, Jim Jones und Juelz Santana (das vierte Mitglied Freekey Zekey trug musikalisch eher weniger zur Crew bei) und tauchte etwas verspätet in eine Welt ein, die ich eigentlich schon kannte, die mir aber trotzdem komplett neue Dimensionen erschloss.

Diese drei Rapper und das zugehörige endlose Geflecht aus Gangs und Crews waren für wenige Jahre der Nabel der Hip Hop-Welt und prägten damit vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die selbst aktiv am Mikrofon stehen wollten. Mit ihren absolut ignoranten Punchlines, den verschachtelten Reimen, dem sehr variabel eingesetzten Laidback-Flow, den hochgepitchten Vocalsamples in den Hooks sowie den ikonischen Beats der Heatmakerz und von Just Blaze legten sie die Grundlage.

Doch eigentlich waren die Diplomats ein kompletter Lifestyle, den damals die komplette Szene adaptierte: XXXXL-Klamotten in wilden Farbkombinationen und ein revolutionärer Mixtape- und Real-Life-DVD-Hustle lange vor Datpiff und Social Media, der die Straßen von New York mit CDs und DVDs überschwemmte. Sie starteten Fashion-Trends, weichten verkrustete Musikindustriestrukturen auf und beeinflussen bis heute die Hip Hop-Szene, die auch knapp 20 Jahre später noch immer darauf referenziert.

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