2000er, Platz 4: G-Unit
Ich [in diesem Fall: Merlin Engelien, d. Red.] erinnere mich noch gut daran, als G-Unit auf den Plan traten: Ich war so 13 Jahre alt, etwas nach der Jahrtausendwende, und es war todschick, sich als kleiner Hip Hop-Poser im Internet nachgemachte Label-Chains zu kaufen - und sie zu tragen. Meine lächerliche Ruff-Ryder-Kette konnte aber niemals mit dem protzigen G-Unit-Anhänger (nur echt mit integriertem Spin) mithalten.
Gegründet wurde G-Unit schon 1999 von den Queens-Kindheitsfreunden 50 Cent, Lloyd Banks und Tony Yayo, lange bevor überhaupt ein Plattenvertrag existierte. Erst mit 50 Cents Shady/Aftermath-Deal 2002 nahm alles Fahrt auf: Banks und Yayo wurden sofort bei G-Unit Records gesignt, im Hintergrund sorgte Manager Sha Money XL für den nötigen Straßen-Ruf. Weil Yayo zum Start des Debüts "Beg For Mercy" (2003) im Gefängnis saß, holte man den Tennessee-Rapper Young Buck als Ersatz. Wenig später stieß auch The Game dazu, von Dr. Dre und Jimmy Iovine installiert, um den Westcoast-Neuling im 50-Cent-Lager zu positionieren.
Musikalisch trug 50 die Show mit Bully-Attitüde und fast schon soulvollen Hooks, das eigentliche technische Rückgrat aber war Banks mit seinem monotonen, Punchline-lastigen Flow. "Beg For Mercy" verkaufte sich fast vier Millionen Mal in den USA und markierte den kommerziellen Zenit. Genauso prägend wie die Musik waren die Fehden: The Game flog 2005 live bei Hot 97 raus, Young Buck traf 2008 dasselbe Schicksal. Auch mit Fat Joe, Ja Rule und Cam'ron lieferte man sich Wortgefechte, die G-Unit zeitweise mehr in den Schlagzeilen hielten als neue Musik.
Nach dem zweiten und letzten Album "TOS" (2008) bröckelte die klassische Besetzung zusehends. Eine kurze Reunion 2014 mit Neuzugang Kidd Kidd brachte zwei EPs, konnte den Zerfall aber nur aufschieben. 2022 erklärte 50 Cent das endgültige Aus, ohne Aussicht auf ein Wiedersehen. Währenddessen macht Lloyd Banks mit der "The Course Of The Inevitable"-Reihe weiterhin sehr hörbare Alben.
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