Ihre Kompositionen gelten als bahnbrechend in der Musique concrète sowie im Drone-Genre.

Paris (dml) - Éliane Radigue ist tot. Die französische Musique concrète/Drone-Komponistin und Klangforscherin starb am 23. Februar in ihrer Geburtsstadt Paris, wie das französische Zentrum für elektronische Musik und akustische Forschung, das Institut National de l'Audiovisuel – Groupe de Recherches Musicales, in den sozialen Medien mitteilte. Damit verliert die elektronische Musik eine ihrer Pionierinnen. Radigue wurde 94 Jahre alt.


In der Nachkriegszeit wurde die am 24. Januar 1932 geborene Pariserin in der klassischen Musik geschult, ehe sie in den Fünfzigern mit ihrer Familie nach Nizza in die Nähe eines Flughafens zog, die Klangkulisse der Flugzeuge faszinierte sie. In der örtlichen Fluxus-Szene traf sie zudem auf die prägende Figur der Musique concrète: Pierre Schaeffer.

Der Komponist inspirierte Radigue zu weiteren Studien. Während ihrer Lehre lernte sie auch den ebenfalls für die elektronische Musik wegweisenden Pierre Henry kennen. Mit beiden Komponisten unterhielt sie bis Ende der Sechziger ein enges Arbeitsverhältnis.

Grundlage des Drone-Genres

In dieser Zeit und besonders infolge der 68er-Bewegung machte sich die Komponistin in der französischen Kunstmusikszene und auch weltweit einen Namen als Klanginstallateurin und Modulationsexpertin. Ihr präferiertes Instrument: das ARP 2500 Modulationssystem. Anfang der Siebziger legte Radigue mit Projekten wie "Labyrinthe Sonore" oder "Stress Osaka" den Grundstein für das Drone-Genre. Ihre Musik wurde auch zunehmend durch den Übertritt zum tibetanischen Buddhismus beeinflusst.

Ihre Arbeit setzte die Französin auch nach der Jahrtausendwende fort, nun zunehmend mit Instrumentalkompositionen und Live-Musiker:innen. Noch im vergangenen Jahr feierte ihr Werk "Occam Delta XXIII" in London Premiere. Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow empfahl die Künstlerin im laut.de-Interview vergangenes Jahr: "Éliane Radigue macht schon sehr lange Musik und entwirft trotz ihres hohen Alters immer noch stundenlange Drone-Symphonien mit Modular-Synthesizern."

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