Keine Freunde, keine Liebe, keine Hoffnung. Nur Kohle, Karren, Klamotten, käufliche Weiber und ein Seitenhieb auf Ikkimel. Wie traurig wird es noch?

Nikosia (dani) - "Wo Loop?" So fragten sie auf Reddit, nachdem ein Trailer durch Flers Instagramprofil gegeistert war, der einen neuen Track namens "Loop" für den 15. August andeutete. Der Tag kam, der Tag ging, vom "Loop" keine Spur. Ein witzelnder Zeitgenosse vermutete den Track "auf dem gleichen USB-Stick, auf dem auch 'Trendsetter 2' und 'Vibe 2' sind. Jedoch war Noir scheinbar gar nicht in FLER flerliebt, sondern hat die Romanze nur vorgespielt und ist mit dem geheimen USB-Stick unterwegs zu Laas. Wenn man den Stick in den von Bushido geklauten Mac steckt, dann begeben sich alle Planeten in eine Reihe und der Film wird endlich gepeilt."

Allein dafür, die Fantasie seiner Fans und Hater*innen dermaßen zu befeuern, müsste man den Auswanderer eigentlich feiern. Wäre halt schön gewesen, wenn er selbst nur einen Bruchteil dieser Kreativität aufgefahren hätte. Statt dessen kriegen wir mit etwas Verspätung das hier:

Fler mag seinen Wohnsitz inzwischen nach Zypern verlegt haben. Für den Beat greift er dennoch auf deutsche Wertarbeit zurück: Tarek Beats und Luis Fast bauten ihm ein Instrumental, mit dem der Exil-Aggoberliner bestens zurecht kommt. An seinem Flow liegt es diesmal wirklich nicht, dass dieser Track bei mir so gar nicht verfängt. Sprechen wir statt dessen also zum einen über die komplette Lustlosigkeit, die ihm währenddessen aus dem Gesicht fällt, und zum anderen über diesen sackdämlichen und dabei im Grunde todtraurigen Text.

Kohle, Karren, Klamotten, käufliche Weiber

"So viele Bündel in der Maschine, zähl' sie im Loop
So viele Autos in der Garage, fahr' sie im Loop
So viele Marken in der Garderobe, trag' sie im Loop
So viele Hoes in meinem Bett, ich nehm' sie im Loop
"

Ach Gottchen, die vier Ks, die allerlangweiligsten der langweiligen Rapperträume: Kohle, Karren, Klamotten und käufliche Weiber. Dinge, an denen, wer drauf steht und sie sich leisten kann - beides behauptet Fler ja von sich - durchaus Spaß haben könnte. Allein, wo versteckt sich die Freude? Mit Mundwinkeln auf Kniehöhe und leerem Blick rattert Fler diese Liste an Standard-Statussymbolen runter und vermittelt da nicht eine Sekunde lang, dass ihm irgendetwas davon wirklich Vergnügen bereiten würde.

Mit Geldscheinen und Autos kuschelt es sich halt schlecht. Mit einem zusammengerollten Designerjäckchen ginge das zwar etwas besser, aber wie erbärmlich sähe das aus? Und wer sich weibliche Gesellschaft mietet oder sich auf die Sorte "Schlampe" verlegt, die "will zu Fler, denn ich bin Millionär", der kriegt halt genau, wofür er bezahlt: eine Dienstleistung. Mehr nicht.

Irgendwann wird er mir das Herz brechen

Ich versteh' voll, dass jemand, der in einer derart lieblosen Welt gefangen ist, wie Fler sie ja seit Jahren schon immer wieder skizziert, so freudlos dreinschaut wie Fler in diesem Video. Ich versteh' nicht, wie irgendjemand diesen Lifestyle für beneidens- oder nachahmenswert halten kann. Nicht einmal Fler selbst kann eigentlich so dumm sein, nicht zu merken, was, völlig unabhängig von seinem Kontostand, für eine ganz arme Wurst er doch ist. Keine Freunde, keine Frau, keine Liebe und so, wie er sich gebärdet, auch keinerlei Hoffnung darauf, dass sich daran in Zukunft etwas ändert. Irgendwann wird mir der Kerl wirklich noch das Herz brechen, weil es das grenzenlose Mitleid, das ich für ihn empfinde, einfach nicht mehr fassen kann.

"Ich schmeiße mit Racks auf dich, weil ich ein Sexgott bin, sie ist 'ne Escort-Bitch und ich bin ihr Exorzist. Jeden Tag klär' ich 'ne andre Frau, fick' sie lang und danach schlaf' ich aus. Sie will Family und Gartenhaus, artet wieder nur in Heartbreaks aus." Tja, da stellt sich mir doch in übertriebener Lautstärke die Frage, WER genau sich hier tief drinnen nach Familie und Schrebergartenidylle sehnt. So lange man sich aber in einem Schutzpanzer aus derart dämlichen Sexismus verkriecht, vor lauter Angst, Nähe zuzulassen und sich entsprechend verwundbar zu machen, wird das halt schwierig.

Lahmer Seitenhieb auf Ikkimel

Deswegen gibts im Video von den zwei, drei Unterwäsche-Models abgesehen halt auch wieder keine Frauen. Statt dessen steht ein Rudel Jungs ähnlich unmotiviert wie Fler selbst auf einer nächtlichen Straße herum und guckt ein paar anderen Jungs dabei zu, wie die vor ihrem Auftraggeber mit ihren Motorrädern angeben. Jede Wette, dass nicht nur die Stunt-Dudes auf den Bikes, sondern auch die Zuschauer für den Dreh genau so bezahlt wurden wie die Escort-Damen. Der lahme Seitenhieb in Richtung Ikkimel, den Fler auch noch platziert, wirkt obendrein wie krampfhaftes Namedropping. Hat er das jetzt auch schon nötig? Sich an einer jüngeren und gerade halt einfach angesagteren Kollegin hochzuziehen? Viel trauriger kann es wirklich bald nicht mehr werden.

Fotos

Fler

Fler,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Fler,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Fler,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Fler,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Fler,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Fler,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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