Lärm, Ironie und viel Spaß: James Smith und Band begeistern das volle Gloria mit einem nahbaren Auftritt.
Köln (rnk) - Herr Schmidt ist zurück. Nein, nicht der Late-Night-Talker. Aber Yard Act-Sänger James Smith könnte rein optisch glatt als dessen übermüdeter Filius durchgehen: Die Tour zum neuen Album "You're Gonna Need A Little Music" zieht sich nun schon seit Monaten hin. Es ist vielleicht der letzte sommerliche Tag in Köln in diesem Herbst. Eine Kaltfront kündigt ein schauerliches Wetter an, bei dem man sich am besten zu seiner liebsten Trauermusik in die eigenen vier Wände zurückzieht.
An diesem Montagabend ist davon noch nichts zu spüren. Smith steht für nordenglische Verhältnisse gut gebräunt vor der Bühne und schaut dem Treiben seiner Vorgruppe zu. Home Counties sind sechs junge Menschen aus London, von denen drei abwechselnd singen, einen kleinen Moog-Synthesizer bedienen und mit ihren Gitarren sehr tanzbaren Post-Punk spielen.
Den Fans im ziemlich vollen Gloria gefällt die Mischung aus Gang Of Four und LCD Soundsystem. Smith schaut konzentriert zu und wirkt überraschend ernst. Er sei sehr ehrgeizig, bekannte er jüngst im laut.de-Interview, und vielleicht überlegt er in diesem Moment, ob die Vorgruppe das Publikum nicht schon fast zu sehr abholt und so seinem eigenen Auftritt ein wenig Strahlkraft nimmt.
No politics!?
Dieser beginnt mit "Redeemer", der überraschend brachialen Vorabsingle des aktuellen Albums – ein wütender Spoken-Word-Vortrag, zu dem Smith über die Bühne tigert, während seine Halsschlagader anschwillt. Die ansonsten eher ironisch-sarkastische Art weicht hier einem 'Was zur Hölle passiert hier eigentlich?'-Moment, den wirklich jeder kennt, der mit Restresilienz die erschütternden Nachrichten aus sämtlichen Krisen- und Kriegsgebieten verfolgt. Als "The Overload" vor fast fünf Jahren erschien, herrschte weltweit Pandemie.
Seitdem sind noch mehr Krisen rund um den Globus hinzugekommen. Ändern kann man daran nicht viel, und so ist es einfach nur schön, dass Yard Act im Gloria keinen Aktivismus betreiben, sondern genau das geben, was alle so dringend brauchen: gute Musik. Hier ist es nicht so wichtig, wo man sich politisch verortet, selbst wenn Yard Act, die aus der Arbeiterstadt Leeds stammen, wohl keine überzeugten Wähler der konservativen Tory-Partei sind. Doch ein Konzert hat als gemeinsames Happening eh ein sozialistisches Moment, das einem keine Partei nehmen kann.
Alle haben Spaß
Die Fans nicken anfangs noch mit, bevor spätestens bei "The Overload" Bewegung in die Sache kommt. Während die Männer eher mit verschränkten Armen anerkennend mitwippen, tut sich vor der Bühne ein kleiner Moshpit mit einigen weiblichen Fans auf. Die Damen haben sichtlich großen Spaß und versuchen, mit James Smith in Kontakt zu kommen, sei es für einen einfachen Händedruck oder einen Songwunsch.
Der Frontmann wirkt überhaupt sehr nahbar. Er bietet seine Texte zwar in erstaunlich hohem Tempo dar, meldet sich ansonsten aber zwischen den Songs kaum zu Wort. Ein Glück, so muss niemand ungefragt einfach gestrickte Weltverbesserungs-Litaneien über sich ergehen lassen: Alle Yard-Act-Alben liefern bereits einen ironischen bis manchmal bitteren Blick auf die Gesellschaft, ohne dabei belehrend zu wirken.
Viel schöner ist es stattdessen zu sehen, wie die Band auch live die Energie ihrer Platten rüberbringt, obwohl der Sound im Gloria teilweise übersteuert wirkt. Yard Act klingen insgesamt rockiger. Die Live-Versionen der Songs von "You're Gonna Need A Little Music" kommen kräftiger und fasern zuweilen gar in Jams aus. Das ist alles natürlich weit vom totalen Impro-Theater entfernt, das etwa The Mars Volta aufführen.
Das lärmende Finale
Die Band, die ihre Fans nach "The Overload" mit dem experimentelleren "Where's My Utopia?" spaltete, wirkt an diesem Abend manchmal doch wieder wie eine Post-Punk-Band von 2022, obwohl sie diesem Genre längst entwachsen ist. Zum Ende gibt Smith noch dem Wunsch eines weiblichen Fans nach, der energisch auf ihn einredet: Mit "Cherophobe Rock" löst sich das Konzert in einem lärmenden Finale auf.
Der Frontmann zeigt sich gerührt und verteilt Küsschen ans begeisterte Publikum. Es war laut, hektisch, mitreißend, und das schöne Gefühl, dass nicht alles in Nihilismus enden muss, bleibt zurück. In dieser Band steckt auch weiterhin der Zauber von Neuanfängen, und es wird spannend, wohin die Zukunft Yard Act führen wird.
Text/Fotos: Rinko Heidrich.

















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