Dass Levin Liam im großen Saal nicht unbeschwert wirkt, hängt weniger mit dem aktuellen Mark Forster-Beef zusammen als mit der Weltlage.
Hamburg (dük) - Wahrscheinlich sagt er sowas wie "Herr Liam trifft auf angenehme Weise den Geist der Zeit", prophezeite Levin Liam auf einem seiner älteren Songs einst das, was "irgendwann ein mittelalter Mann" mal über ihn schreiben wird. Oh Gott, bin ich jetzt dieser mittelalte Mann? Da vermeide ich in diesem Text doch lieber das Geschwafel vom Geist der Zeit, den er auf angenehme Weise trifft ...
Irgendwas muss der 25-jährige Sänger, Rapper und Schauspieler aber treffen, sonst hätte er den Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie mit seinen über 2.000 Plätzen an diesem Mittwochabend wohl kaum gefüllt. Wobei das Füllen des Saals wahrscheinlich noch die leichteste Übung war - es als Popmusiker überhaupt erstmal in die Elbphilharmonie hineinzuschaffen, das ist die eigentliche Herausforderung.
Denn normalerweise stehen nur die besten Orchester der Welt auf den Bühnen dieses knapp 800 Millionen Euro teuren Bauwerks mit seiner ungewöhnlichen Weinberg-Architektur und beeindruckenden Akustik. Klassik steht an der Tagesordnung, Pop oder gar Hip Hop sind hier eher rar gesät. Ein so junges Publikum wie an diesem Abend ist die Elbphilharmonie nicht gewohnt.
Ein wenig Anpassung erfordert ein Gastspiel in einem solch erhabenen Saal aber doch. Levin hat zwar leider kein komplettes Orchester dabei, aber immerhin eine große Band samt Violinistin, Cellistin, Schlagzeuger, Gitarristen und Keyboarder. Eigentlich fast schon schade, hat der in Hamburg aufgewachsene Sänger ja sogar schon im Fernsehen gezeigt, dass ihm eine komplette Orchester-Begleitung gut zu Gesicht steht.
Alles andere als unbeschwert
So stimmen Levin und seine Bandmitglieder in Abwesenheit eines ganzen Orchesters erstmal die leisen Töne an. Ruhig geht es zu, das Publikum hält es überwiegend auf den Sitzen, und statt mitzusingen oder mitzuklatschen, werden eher die Handy-Taschenlampen aktiviert.
Das hängt aber vielleicht auch damit zusammen, dass auch die Hauptperson auf der Bühne alles andere als unbeschwert wirkt. Der Abend startet mit einer Schweigeminute für alle, die gerade von Kriegen und Krisen betroffen sind. Levin erzählt von einem libanesischen Freund, der "eigentlich beim Konzert dabei sein sollte, sich aber nun vor der israelischen Armee" verstecken müsse.
Im Interview mit laut.de hat Levin bereits vor eineinhalb Jahren erzählt, dass ein Konzert in der Elphi ein großer Traum von ihm sei. Angesichts der Zeiten, in denen wir uns gerade befinden, sei es aber schwer für ihn, solche Momente zu genießen, und es macht sich trotz der Erfüllung dieses Traums nun keine Euphorie breit, zumindest nicht spürbar.
Dass die Fans trotzdem auf ihre Kosten kommen, zeigen die frenetischen Zugabe-Rufe gegen Ende der Show. Levin spielt alte und neue Songs, darunter auch mehrere bisher unveröffentlichte Stücke von seinem kommenden Album "Pech". Zwei Gäste sorgen für Abwechslung: Rapper Ansu unterstützt beim melancholischen Deep-Cut "Für Immer". Die Newcomerin Baby B3ns, eigentlich eher für zuckersüßen Hyperpop bekannt, gibt gemeinsam mit Levin ein für sie ziemlich ungewöhnliches Stück zum Besten, das zumindest in der Liveversion fast schon an Bossa Nova erinnert.
Der Mark Forster-Beef spitzt sich zu
Für Erheiterung sorgt der Sänger schließlich, als er aufgrund eines kleinen technischen Problems etwas Zeit überbrücken muss. Er nutzt die Gelegenheit, um nach reiflicher Überlegung die Geschichte davon zu erzählen, "wie Mark Forster meinen Song geklaut hat".
Mark Forster habe in seiner Radiosendung von Levins Song "Uber X" geschwärmt. Das habe Levin erstmal gefreut, die Kollaborationsanfrage habe er dann aber "natürlich" trotzdem abgelehnt. Dass Mark aber (mit "Cola In Den Pétrus") Levins Song ziemlich schamlos kopiert und dann auch noch auf seinem Wannabe-Chief Keef-Track "Schwarzer Toyota" mit einer Line gegen Levin geschossen hat, habe ihn dann aber doch überrascht.
Man darf gespannt sein, wie Mark nun auf diese öffentlichen Spitzen in seine Richtung reagiert. Levin scheint den Beef jedenfalls nicht allzu ernst zu nehmen. Dass die Elbphilharmonie einmal Schauplatz eines Kapitels in einem Beef mit Mark Forster sein würde, hätte wohl vorher auch niemand gedacht.

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