Zum Release von "So Muss Man Gehen" exhumiert Farid das alte Erfolgskonzept. Inklusive Kollegah.
Düsseldorf (dani) - Gegen Farid Bang als Person lässt sich eigentlich nicht viel einwenden. Der Mann hat Humor, Selbstironie, und seinen Hang zu pubertären Witzen kann man ihm kaum krumm nehmen, vermittelt er doch immer den Eindruck, als sei in seinem body-ge-buildeten Leib ein giggelnder, alberner, verstrahlter, aber doch irgendwie von Grund auf liebenswerter 15-Jähriger gefangen. Schon sweet.
Gegen Farid Bangs Musik lässt sich dagegen eine ganze Menge einwenden. Zum heutigen Release seines Albums "So Muss Man Gehen" beglückt er uns zum Beispiel noch mit "Requiem", und, was soll ich sagen? Das Treffendste an dieser sterbenslangweiligen Nostalgie-Veranstaltung ist wahrscheinlich ihr Titel:
In gewisser Weise liest Farid Bang hier tatsächlich eine Totenmesse. Auch wenn die Fans in der Kommentarspalte es geradezu verzückt als Wiederauferstehung feiern: Hier wird die schon lange tot über irgendeinem Zaun hängende "Jung Brutal Gutaussehend"-Ära nun endlich zu Grabe getragen. Sie hat sichtlich nichts mehr zu bieten, schon gar nichts Neues.
Ja, ja, deine Mudder ...
"Requiem" klingt und das dazu gehörige Video sieht aus, als hätten wir wieder 2017 und als sei seitdem nichts, aber auch gar nichts passiert. Kein Erkenntnisgewinn, keine Reifung, offenbar rein gar nichts erlebt, ergo: nichts zu sagen, das nicht schon tausendundein Mal gesagt worden wäre. "Unsere Groupies sind jetzt Gen-Z-Mamas". Also Mütter, und was Farid mit denen im Sinn hat, wissen wir ja. Die knapp sitzenden Feinripp-Leibchen mit lässig darüber getragener Kevlarwesten passen auch noch über die geölten Bizepse, hurra. Alles beim Alten, niemand muss sich von irgendeiner Entwicklung verwirren lassen. Wie schön.
Wirklich: Es ist ALLES beim Alten. Fast vergessen: Kollegah ist auch wieder mit von der Partie. Und auch der macht, was er schon immer gemacht hat. In buchstäblich jeder zweiten Line einen Wie-Vergleich und ansonsten zeigen, dass er schnell rappen kann, nämlich. Ein feuchter Traum für die Juliensblogjüngerschaft. Alle anderen so: gähn.
Freude über die kleinen Dinge
"Requiem" hat mich so kolossal gelangweilt, dass ich währenddessen sogar Zeit hatte, etwas Gutes daran zu suchen. Ich verbuche auf der positiven Seite: Kollegah erzählt nur öden Selbstbeweihräucherungs-Scheiß, aber immerhin keinen antisemitischen Verschwörungsschwurbel-Bullshit. Man freut sich inzwischen ja über die kleinen Dinge. "Paar Jahre nicht gerappt, doch ich bleib' King" - hö? Diese paar gesegneten Jahre muss ich verpasst haben. Wann genau war der weg? Aber mit Realitätsnähe ist da eh nicht mehr viel, wie die Folgeline zeigt: "Weil der Boss im Ruhestand wie in der Prime klingt." Welcher Ruhestand, Alter!? Und diese müde Performance klingt wie deine Prime? Na, dann: Herzliches Beileid.
Bleibt die Frage: Warum genau hängt Farid Bang immer noch mit Kollegah ab, einem Mann, der sich von der eigenen Kunstfigur fressen, verdauen und als braune Wurst wieder hat ausscheißen lassen? Geht man da als korrekter Typ, für den ich Farid, wie gesagt, halte, nicht besser auf Abstand? Die demonstrierte Nibelungentreue muss wohl auf irgendeinem komischen, auch wieder recht pubertären Verständnis von Loyalität fußen: Wenn man sich im Sandkasten, im Baumhaus oder an irgendeiner Straßenecke mal Blutsbrüderschaft geschworen hat, dann hat man den anderen halt auch dann noch an der Backe, wenn er sich zu einem absoluten Arschloch entwickelt hat. Oder?
Ach, je. Ich wünsche Farid wirklich von Herzen, dass er irgendwann checkt, dass alles Grenzen hat, und dass es nicht am "Ehrenmann-Status" (was immer das sein soll) kratzt, sich aus toxischen Beziehungen zu befreien. Im Gegenteil. Bis dahin wird er halt die Altlast Kollegah weiter mit sich herumschleppen müssen. Der arme Junge.






1 Kommentar
"Gegenüber mein' Feinden fühle ich keine Rachsüchtigkeit
Die wurden in den letzten Jahren eh alle klapsmühlenreif"
Das ist schon tragikomisch auf hohem Niveau...