Die Hoffnung auf eine letzte Tournee der 90er-Alternative-Legenden rückt in immer weitere Ferne.
San Francisco (ebi) - Faith No More gehören zu den wichtigsten Alternativerock-Acts der 1990er Jahre, eine jener Bands, deren Ruhm bis heute strahlt. Nicht zuletzt, weil die 1998 aufgelöste Band gut ein Jahrzehnt später erneut zusammenfand und 2015 gar ein weiteres, gefeiertes Album ("Sol Invictus") veröffentlichte. Eine für Sommer 2020 geplante große Welttour fiel der Pandemie zum Opfer, die Nachholtermine sagten die Amerikaner nach monatelangem Proben dann im Herbst 2021 aufgrund mentaler Probleme ihres Frontmanns Mike Patton spontan ab.
"Die Öffentlichkeit scheint eine Hierarchie zu brauchen"
Gut fünf Jahre später herrscht noch immer Funkstille im Faith No More-Camp – ein dritter Frühling scheint, wenn überhaupt, in weite Ferne gerückt: Mike Patton macht offenbar keine Anstalten, das Mikrofon wieder in die Hand zu nehmen. Auf die Frage, ob das Kapitel Faith No More nach den bis dato letzten Gigs vor zehn Jahren für ihn abgeschlossen gewesen sei, antwortete Patton jüngst im Videointerview mit Musikpodcaster Kyle Meredith: "Damals habe ich das nicht so empfunden, aber ja, vielleicht. Ich glaube, wir haben es alle irgendwie gespürt, aber nicht ausgesprochen." Dies sei auch nicht traurig, vielmehr müsse man die Dinge in den Momenten schätzen, in denen sie passierten.
Auf die Vielzahl seiner musikalischen Aktivitäten jenseits seiner berühmtesten Band angesprochen, betonte Patton, dass es für ihn eigentlich keine Nebenprojekte gebe. Er habe zwar für Faith No More mehr Zeit aufgewendet als für andere Projekte, aber: "Alles, was ich gemacht habe, war für mich gleich wichtig, es wurde nur nicht so wahrgenommen. Die Öffentlichkeit scheint aus irgendeinem Grund eine Hierarchie zu brauchen, um sich besser zu fühlen."
Pattons Faith No More-Kollegen scheinen dagegen eher frustrierende Zeiten hinter sich zu haben. So missbilligte Drummer Mike Bordin etwa vor rund zehn Monaten den herrschenden Schwebezustand. Der Sänger wolle nicht mehr mit FNM spielen, so sein Eindruck: "Wir haben noch nicht wirklich viel darüber geredet. Es verletzt mich ehrlich gesagt ein bisschen." Dennoch sei er Patton dankbar: "Ich meine, wir können uns glücklich schätzen, mit einem so gigantischen, enormen Talent gesegnet worden zu sein". Er wisse nicht, was die Zukunft bringe.
Keyboarder Roddy Bottum, der jüngst seine Autobiographie "The Royal We" veröffentlichte, hatte bereits im Oktober 2024 von "einer Art semipermanenten Pause" FNMs gesprochen. Bassist Billy Gould bestätigte dies wenige Monate später: "Im Moment befinden wir uns in einer wirklich seltsamen Lage, ich kann euch nicht sagen, was los ist."
Mittlerweile scheint die ganze Band aber mit der Situation umzugehen: Er glaube, dass derzeit niemand Lust habe, Gigs zu spielen, so erneut Bottum im vergangenen Oktober: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch mal passieren wird. Ich finde, wir haben wirklich gute Arbeit geleistet. Und ich glaube, wir sind alle ziemlich zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Ich sehe nicht, was eine Reunion und weitere Konzerte bringen könnten."
Mike Patton steht nicht still
Patton seinerseits war im Dezember 2022 mit Mr. Bungle wieder auf die Bühne zurückgekehrt. Zuvor war im Oktober das zweite Dead Cross-Album erschienen. Zuletzt veröffentlichte er im November 2025 mit dem Americana-Duo The Avett Brothers das Kollaboalbum "AVTT/PTTN" und kündigte gestern mit Tomahawk neue US-Dates für 2026 an, die ersten seit 13 Jahren. Mit den Avett Brothers sind ebenfalls Konzerte geplant. Nur für Faith No More scheint der Mann, mit dem die Band steht und fällt, keine Zeit mehr zu haben.




























3 Kommentare mit 3 Antworten
"Die Hoffnung auf eine letzte Tournee der 90er-Alternative-Legenden rückt in immer weitere Ferne."
Sollte es nicht heißen der Glaube...?
... oder die Liebe?
wat?
1. Korinther 13,13
Er hat die Band hängenlassen. Seitdem hat er eine scheiß Frisur. Er ist für mich erledigt. So geil er auch ist, so beschissen ist die Art von ihm.
Faith No More war für mich immer das uninteressanteste Projekt an dem Patton mitgewirkt hat und trotzdem kein schlechtes. Sol Invictus war, für meinen Geschmack, ihr bester Output. Seine Frisur ist mir egal, aber er scheint tatsächlich kein sehr umgänglicher Zeitgenosse zu sein.