laut.de-Kritik
Americana meets Avantgarde.
Review von Eberhard DoblerDa wuchs zusammen, was ein bisschen zusammengehört: Alternative-/Avantgarde-Held Mike Patton veröffentlicht mit den aus North Carolina stammenden Americana-Größen The Avett Brothers ein gemeinsames Album. Die Kollabo passt insofern, als die mehrfach Grammy-nominierten Scott und Seth Avett in den Staaten nicht zum Mainstream-Country-Kosmos zählen. Die Musik der Avetts gefällt auch Rock- bzw. Indie-Fans – vorausgesetzt, diese haben ein Herz für Roots-Music.
Scott wiederum bewundert Patton eigenen Worten zufolge seit Faith No More-Zeiten. Dessen stilistische Offenheit ist mittlerweile Legende; man denke an Klangexperimente wie "Necroscape" und "Corpse Flower", aber auch Ausflüge in den klassischen italienischen Pop und Schlager, begleitet von großem Ensemble ("Mondo Cane").
Konkret begann der künstlerische Austausch beider Parteien irgendwann 2019, wird kolportiert. Bereits der Opener "Dark Night Of My Soul" gibt die Marschrichtung vor: Americana dominiert - aber eben nicht nur. "To Be Known" steht hier exemplarisch für die Platte: Piano, ein besinnliches Glockenspiel, Lagerfeuer-Harp, Banjo und Akustikgitarre treffen auf einen langsamen, modernen Clubbeat und passend in Szene gesetzte Elektronik. Der perlend dahin wogende Song ist ein erstes Highlight, das auch beweist, wie hervorragend die Stimmen harmonieren.
Die Vocals der drei Protagonisten schmeicheln gleichermaßen dem Ohr, wenngleich die der Avetts noch gefälliger klingen: Man registriert schon, dass sich Pattons natürliches Habitat in anderen Gefilden abspielt. Der Beweis folgt auf den Fuß: "Heaven's Breath" fällt als einer der wenigen Tracks der Platte aus dem Rahmen – ein eigentümlich produzierter, düsterer und zuweilen noisiger Rocksong.
Auch "The Ox Driver's Song" stellt eine Ausnahme dar: Die Interpretation des Folk-Traditionals erinnert im Sounddesign wenig an Folk oder Americana, sondern eher an "Necroscope" oder vielleicht auch Tomahawks Native Americans-inspirierte Platte "Anonymous".
Das unverschämt hymnische "Too Awesome" oder "Disappearing" demonstrieren im Kontrast dazu wieder, was meistens im Mittelpunkt des Albums steht: Wunderschöne Gesangsmelodien, eingebettet in luftige, ausgefeilt instrumentierte und fein überlegte Arrangements. Ein Rezept, mit dem das Trio Tracks wie "Eternal Love" gefühlt bis in alle Ewigkeit produzieren könnte.


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