laut.de-Kritik

Stimuliert die Beine – und besonders das Hirn.

Review von

Zuletzt zollte Roman Geike alias Romano auf "Vulkano Romano" Slayer, Sailor Moon und Pharrell Williams Tribut und schreckte auch vor schlageresken Tönen nicht zurück. Nun macht er auf "Körper" die Teile eben jenes zu Protagonisten. Die Beats stammen, wie auf den Vorgängern auch, von Siriusmo, bürgerlich Moritz Friedrich.

Der Köpenicker selbst beschreibt das Album in einem Interview mit HB People als "surreales Hörmärchen", in dem die besagten Protagonisten "Heldentaten" vollbringen, "träumen, scheitern, kämpfen, fliegen" und "neu zusammengesetzt" werden. Das gleitet oftmals ins Humoristisch-Absurde ab. Und doch bleibt Zeit für scharfsinnige Gesellschaftskritik.

So verwandelt sich Romano in "Beine" in einen "Cyborg", womit die Entmenschlichung durch Krieg betont werden soll. "Hirn und Herz, die braucht es nicht, dafür haben wir jetzt Apps", heißt es in dem Stück. In "Penis", das von Erektionsproblemen handelt, nimmt er männliche Klischees – auch in Bezug auf Hip Hop – aufs Korn. In "Polyesterherz" rappt er über Austauschbarkeit und Gefühlskälte im Tinder-Zeitalter.

Ohne die passenden Sounds hätte so ein ambitioniertes Unterfangen auch in die Hose gehen können. Glücklicherweise weiß Siriusmo, den man hierzulande zu den besten Beatbastlern zählen darf, genau, was er tut und schreibt sich Abwechslungsreichtum ganz groß auf die Fahnen. Von Langeweile kann jedenfalls keine Rede sein.

In "Zunge" treffen fette Bässe auf knalligen Drum'n'Bass. "Finger" stellt eine Mischung aus langsamen Drums, dunklem Pianoanschlag und funky Elementen dar, während "Fuß Des Tabanaka" und "Beine" von staubtrockenen Trap-Beats leben. Mehr abstrakte und experimentelle Rap-Einflüsse kommen in "Penis" zum Tragen. In "Ohren" klingt wieder Siriusmos charakteristischer Electro-Sound im schleppenden Klangbild durch. "Augen", "Arsch" und "Polyesterherz" ziehen mit Filter- und Electro-House-Sounds endgültig auf die Tanzfläche.

Letzten Endes kann man sich dem Charme Romanos wieder einmal nicht entziehen. Er zieht, ungeachtet irgendwelcher Trends, immer noch sein eigenes Ding durch. Seine Musik bleibt dabei aber mittlerweile untrennbar mit der Handschrift Siriusmos verbunden, der für die Geschichten des Köpenickers immer das passende Soundkostüm findet.

Da haben sich auf jeden Fall zwei gefunden, die sich gegenseitig so hervorragend ergänzen, dass man einen Track des Berliners unter hundert weiteren deutschsprachigen Rap-Nummern sofort wiedererkennt. Bei der heutigen Schnelllebigkeit hat so viel Verlässlichkeit und Konstanz etwas ziemlich Beruhigendes.

Trackliste

  1. 1. Zunge
  2. 2. Finger
  3. 3. Fuß Des Tabanaka
  4. 4. Ohren
  5. 5. Nase
  6. 6. Zöpfe
  7. 7. Augen
  8. 8. Beine
  9. 9. Arsch
  10. 10. Penis
  11. 11. Polyesterherz
  12. 12. Geist

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