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Nirosta Steel – Arthur Russell

Also, jetzt wird's kompliziert, wie immer, wenn Arthur Russell beteiligt ist. Nirosta Steels "My Skyscraper" ist eine dieser Platten, die nicht einfach erscheinen, sondern auftauchen, als hätten sie jahrzehntelang in einem Parallel-New-York weitergelebt. Steven Hall, lange vor allem als Arthur-Russell-Vertrauter und Mitspieler im Hintergrund greifbar, bekommt hier endlich den Raum, der ihm offenbar immer zustand: als eigenwillige, queere, schillernde Stimme zwischen Art-Folk, Leftfield-Disco, experimentellem Synth-Pop und Downtown-Spuk. Das klingt nicht wie ein archivalisches Nachreichen, sondern wie Gegenwart mit Staub auf den Schultern. Mich erinnert es daran, wie bessere Gorillaz sich anhören könnten.

Das Begeisternde ist, wie frei diese Musik wirkt. "My Skyscraper" hat nichts Museales, obwohl vieles daran aus anderen Zeiten herüber weht. Die Songs flirten, taumeln, beten, grooven, stolpern ins Groteske und finden dann plötzlich wieder eine Schönheit, die völlig unverstellt wirkt. Man hört die Nähe zu Russell, aber nicht als Schatten, sondern als verwandte Form von Offenheit: Musik als Spiel, als Versuch, als Party, als intime Zumutung. Ein spätes Album, das sich nicht spät anfühlt – eher wie eine Tür, die viel zu lange geschlossen war und jetzt mit einem sehr eigenen Licht aufgeht. Einfach in Gänze hören, gern geschehen.

Arthur Russell ist deshalb so wichtig, weil er elektronische Musik nie als Stilgrenze verstand. Bei ihm konnten Disco, Avantgarde, Cello-Minimalismus, Folk, Dub, queerer Downtown-Pop und spirituelle Verschrobenheit in denselben Raum fallen, ohne dass daraus ein Konzeptalbumkrampf wurde. Er war gleichzeitig Clubproduzent, Suchender, Cellist, Sänger, Komponist und ewiger Unfertigmacher – eine Figur, die zu Lebzeiten randständig blieb, später aber für sehr viele Musiker zum Beweis wurde, dass Zartheit und Experiment, Groove und Offenheit, Körper und Kopf keine Gegensätze sein müssen.

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