20. Juni 2026

"Die Mehrheit der Amerikaner ist keineswegs faschistisch"

Interview geführt von

Penelope Trappes gab letztes Jahr mit "A Requiem" ihr Labeldebüt bei One Little Independent. Danach ging es zum Roadburn Festival nach Tilburg. Seitdem hat sich bei der in Brighton lebenden Australierin einiges getan.

Noch im gleichen Jahr schob Penelope Trappes mit "Æternum" eine EP nach, die sieben weitere Tracks aus den "A Requiem"-Sessions bündelte. Die fallen zum Teil überraschend heavy aus. Für ihren aktuellen Release "Opvs Novum: A Requiem Reworked" schloss sie sich mit Musiker*innen wie Midwife, Stephen Mallinder von Cabaret Voltaire oder Julia Holter zusammen, um eine neue Version des Hauptalbums zu schaffen. Am 19. September kann man Penelope Trappes beim Platzhirsch Festival in Duisburg bewundern. Zeit also, der Australierin während ihrer Headlining-Tournee durch die USA ein paar Fragen über die Zeit nach der Veröffentlichung von "A Requiem" per Mail zu stellen.

Wie läuft bisher die aktuelle Tournee durch Nordamerika, die gerade begonnen hat?

Fantastisch! Das Publikum an der Ostküste der USA bei den Witch Club Satan-Shows war unglaublich aufgeschlossen. Es ist großartig, meine Musik mit einem so begeisterten Publikum zu teilen. Ich bin Witch Club Satan unendlich dankbar, dass sie ihre begeisterten Fans mit mir geteilt haben. Es ist eine perfekte Kombination, da wir beide dieselbe Mission verfolgen. Meine Headliner-Shows haben diese Botschaften durch den Mittleren Westen getragen und werden dies auch den ganzen Weg entlang der Westküste tun. Es ist mir eine Ehre, diesem Publikum, das sich in einer Zeit politischer und sozialer Umbrüche und des Chaos zurechtfinden muss, Kampfgeist, Kraft, Hoffnung und Liebe zu bringen. Dennoch ist klar zu sehen, dass die Mehrheit der Menschen in den USA großartig und liebenswert ist und keineswegs faschistisch oder konservativ, wie die Medien euch glauben machen wollen.

Letztes Jahr hattest du einen Auftritt beim Roadburn Festival in Tilburg und zwei Gigs in Deutschland. Welche Eindrücke haben diese Shows bei dir hinterlassen?

Roadburn fühlte sich an, als käme ich nach Hause und fände meine Leute. Es war der Auftakt der gesamten "A Requiem"-Tour, und es war der perfekte Start. Das hat wahrscheinlich dazu beigetragen, dass ich jetzt härter spiele und mir ein paar weitere Verzerrer zugelegt habe. Jeder dort ist einfach pure Inspiration, da Roadburn ein so gut kuratiertes Festival ist. Alle Shows, die ich in Deutschland gespielt habe, waren fantastisch; ich habe dort noch viel zu selten gespielt. Ich träume davon, im Silent Green zu spielen... können wir das Wirklichkeit werden lassen?

"Intensive Momente, die Körper, Geist und Seele erschüttern"

Etwa 35 Stücke hast du während der Aufnahmen zu "A Requiem" geschrieben. Sieben weitere hast du als EP gebündelt. Die klingen wie eine zusammenhängende, unzertrennbare Einheit, während so manche Songs auf "A Requiem" auch für sich stehen könnten. Siehst du die EP als losgelöste Veröffentlichung oder eher als Ergänzung zum Hauptalbum? Wie leicht fiel dir der Entscheidungsprozess, welche Stücke auf die EP kommen und welche nicht?

Ich würde nicht sagen, dass diese Entscheidungen jemals leicht fallen, aber ein ehrlicher Blick auf den zeitlichen Verlauf während des Veröffentlichungsprozesses eines Albums - innerlich bei mir selbst, online und bei den Live-Auftritten - all das beeinflusst meine Entscheidungen. Wo ich während der Demo-Phase in meinem Leben stand, ist ein ausschlaggebender Faktor dafür, zusammen mit der Verbindung zum Publikum, welche Songs weiterleben dürfen und welche einfach für immer auf einer Festplatte liegen bleiben. Ich habe auch immer einen Blick auf ein stimmiges Ganzes, da ich aus der Album-Generation stamme. Ich höre Vinyl und Kassetten und betrachte ein Werk als Ganzes, nicht als eine Sammlung zufälliger Songs.

Auf der EP gibt es so einige Songs, die Sounds enthalten, die wie harte Gitarrenriffs klingen. Deutet das vielleicht darauf hin, dass man in Zukunft härtere Musik von dir erwarten kann?

Ja. Je düsterer die Lage in der Welt wird, desto mehr tendiere ich zu schwereren Klängen. Ich liebe es, diese Riffs live zu spielen. Intensive Momente, die Körper, Geist und Seele erschüttern, auf die dann minimalistische und ätherische Drones und Gesang folgen ... diese Klänge spiegeln meine Gemütsverfassung wider.

Auf deinem jetzigen Remix-Album "Opvs Novum: A Requiem Reworked" sind einige Acts wie Klara Lewis oder Gazelle Twin vertreten, die ich sehr schätze. Andere Acts wie Sarahsson oder Smote waren mir noch völlig unbekannt. Nach welchen Kriterien hast du die Remixer und Remixerinnen ausgewählt?

Die zehn Künstler*innen, die ich um eine Neuinterpretation gebeten habe, waren für mich schon vor und während der Veröffentlichung von "A Requiem" eine große, wichtige Inspiration. Sie sind meine Community. Die gemeinsame Zeit und die gemeinsame Musik haben dazu beigetragen, die kollektive Trauer zu verarbeiten - etwas, das heutzutage so wichtig ist. Die meisten dieser Künstler*innen habe ich auf Tourneen kennengelernt, mit ihnen auf der Bühne gestanden, online getroffen oder sie sind meine Nachbarn. Es ist wahrlich ein Projekt der Verbundenheit durch den Klang.

Gibt es unter den Remixen einen Favoriten oder einen Remix, mit dem du besonders zufrieden bist?

Das ist so, als würde man Eltern fragen, welches ihr Lieblingskind ist ... Ich kann sie nicht gegeneinander ausspielen und auch keinen Favoriten auswählen. Jede Neuinterpretation hat ihre ganz eigene, immense Schönheit und Kraft - je nach meiner Stimmung und dem, was ich gerade empfinde. Ich bin einfach so dankbar, dass alle zehn Künstler*innen diesen kollektiven Moment mit mir teilen. Sie alle sind grenzenlos und brillant.

"Von Klara Lewis und Julia Holter kann ich absolut lernen"

Im letzten Interview hast du Midwife erwähnt, die für das Titelstück einen Remix beisteuert. Wie lief die Zusammenarbeit mit ihr?

Midwife war die Erste, die für "Opvs Novum" an den Remixen gearbeitet hat. In gewisser Weise hat sie dieses Album zur Welt gebracht. Es war ein so müheloser Prozess, denn sie ist einer der wunderbarsten Menschen, die ich in letzter Zeit kennengelernt habe. Ihr meine Musik anzuvertrauen, war ein Akt der völligen Hingabe, und ich hatte vollstes Vertrauen, dass sie etwas Magisches daraus machen würde. Ihre Vision und ihr Sound kommen wirklich aus dem Herzen.

In der Vergangenheit hast du schon mit der Industrial-Pionierin Cosey Fanni Tutti (Throbbing Gristle) zusammengearbeitet und dieses Mal ist Stephen Mallinder von Cabaret Voltaire mit dabei. Bist du selbst großer Industrial-Fan und wie viel Respekt hattest du davor, mit solchen Legenden zusammenzuarbeiten?

Ich habe größten Respekt vor diesen beiden Legenden. Die Geschichten, die sie durch ihre kompromisslosen Visionen mitgestaltet haben, sind unvergleichlich. Für mich erschaffen die Rauheit, die Kraft und die viszeralen Klänge der Industrial-Musik ein Universum, in dem Unvollkommenheit und Experimentierfreude zusammenkommen, um Neues und Unvorstellbares zu schaffen - Punk und Industrial sind großartige Erinnerungen daran, dass in Klang und Wort alles möglich ist, und allzu oft verliert die Welt das aus den Augen.

Die Remixe von Klara Lewis und Julia Holter orientieren sich noch recht stark am Ausgangsmaterial, erweitern die Tracks aber um weitere Produktionstechniken. Gab es etwas, das du im Nachhinein als Produzentin für dich mitnehmen konntest, nachdem du die Remixe gehört hast?

Ich finde tatsächlich, dass sich beide sehr, sehr stark von meinen Versionen unterscheiden ... Beide verfolgen einen viel unerschrockeneren und freieren Ansatz, was die Entwicklung eines Musikstücks und den Klang einer Tonleiter angeht – davon kann ich definitiv lernen.

Gibt es etwas, das du deinen Hörern noch auf den Weg geben möchtest?

Bleib inmitten des Chaos deinen Prinzipien und deinem Herzen treu und standhaft. Verbringe Zeit in der Natur und höre auf die Botschaften, die zu dir kommen. Und verbinde dich mit deinen Mitmenschen, deiner Gemeinschaft. Zusammen können wir uns in den Schatten zurechtfinden. Mit ganz viel Liebe.

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