laut.de-Kritik

Spannende Neubearbeitungen der "A Requiem"-Songs.

Review von

Letztes Jahr gab Penelope Trappes mit "A Requiem" ihr Labeldebüt bei One Little Independent. Wenige Monate später schob sie mit "Æternum" eine EP nach, die sieben weitere Songs aus den Album-Sessions enthielt und zum Teil überraschend heavy ausfiel. "Opvs Novum: A Requiem Reworked" rundet nun die "A Requiem"-Phase ab. Für die Scheibe arbeitete die Australierin mit verschiedenen Künstler*innen zusammen, um eine neue Version des Hauptalbums zu schaffen.

Klara Lewis orientiert sich bei ihrer Version von "Bandorai" an dem dronigen Cellomotiv des Originals, pitcht aber die Stimme von Trappes so weit herunter, dass sie etwas geradezu Körperloses ausstrahlt, was die Dramatik des Stückes nur weiter verstärkt. Im Saint Etienne-Rework von "Platinum" hört man die melancholischen Streicher und die ätherischen Vocals in ein trippiges Downtempo-Gewand eingebettet, während Flora Yin-Wongs experimentelle Neubearbeitung von "Second Spring" ähnlich bedrohlich wie die Ursprungsversion daherkommt.

Das karge "Sleep" überführen Gazelle Twin und PRIZMA9 nach einer minimalistischen Einleitung, die an Beth Gibbons denken lässt, in ein körperliches und cineastisches Gewand, was der Nummer enorm gut tut. Midwife arbeitet dagegen bei ihrem Rework des Titeltracks mit Field Recordings und stimmlichen Halleffekten, so dass die Version stark an Grouper erinnert. "Anchor Us To Seabed Floor" baut Sarahsson zu einer über zehnminütigen, sakralen Orgelmeditation aus. Smote funktioniert "Red Dove" zu einem elektronischen Trauermarsch um, was im Kontrast zur hoffnungsvollen Grundstimmung des Originals steht.

Sieben Jahre nach der Cosey Fanni Tutti-Neubearbeitung von "Carry Me" bekommt man es im Rework von "Caro" mit Stephen Mallinder von Cabaret Voltaire mit einer weiteren waschechten Industrial-Legende zu tun. Der nutzt das reduzierte klangliche Grundmotiv und die operettenhaften Vocals zunächst dazu, einen düsteren Spannungsbogen zu entwickeln, um in der zweiten Hälfte zu beweisen, dass er sein mechanisches Handwerk immer noch beherrscht.

"Torc" ergänzt Dania um akustische Gitarrentöne und zuckersüße Klaviersounds, so dass sich doch noch ein wenig Zuversicht breit macht. Julia Holter verpasst "Thou Art Mortal" ein szenisches Dark Ambient-Kleid, so dass die hymnische Seite Penelope Trappes' besonders zum Tragen kommt.

Es lässt sich sehr gut heraushören, mit welch unterschiedlichen Ansätzen sich die einzelnen Remixer*innen an die Stücke von "A Requiem" angenähert haben. Klara Lewis und Julia Holter orientieren sich an einem bestimmten Grundmotiv oder einer bestimmten Stimmung der Originale, legen aber einen recht freien Ansatz an den Tag, während Saint Etienne sowie Gazelle Twin und PRIZMA9 den Tracks ein völlig eigenes Soundbild verpassen. Zusätzlich bilden die Reworks von Sarahsson und Stephen Mallinder eine sinnvolle Erweiterung des Ausgangsmaterials. Dementsprechend bietet die Platte viel Neues, das sich zu erkunden lohnt.

Trackliste

  1. 1. Bandorai (Klara Lewis Rework)
  2. 2. Platinum (Saint Etienne Rework)
  3. 3. Second Spring (Flora Yin-Wong Rework)
  4. 4. Sleep (Gazelle Twin & PRIZMA9 Rework)
  5. 5. A Requiem (Midwife Rework)
  6. 6. Anchor Us To Seabed Floor (Sarahsson Rework)
  7. 7. Red Dove (Smote Rework)
  8. 8. Caro (Stephen Mallinder Rework)
  9. 9. Torc (Dania Rework)
  10. 10. Thou Art Mortal (Julia Holter Rework)

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