laut.de-Kritik
Indie-Glanztat mit Spuren von Lemonheads und Frank Black.
Review von Dominik KrausWenn kreative Köpfe aus bekannten Bands ein Solo-Projekt starten, ist das oft mit einem gewissen Vorbehalt verbunden - man vermutet schnell, dass hier jemand der Welt beweisen will, dass er es auch alleine kann. Nicht immer ist das von Erfolg gekrönt. Bei Nate Amos, einer Hälfte des New Yorker Avantgarde-Duos Water From Your Eyes, allerdings schon.
Sein Projekt This Is Lorelei klingt radikal anders als der tanzbare, glitchige Noise-Pop der Hauptband: Statt mechanischer Loops und Noise-Wände liefert Amos verschrobenen, aber extrem eingängigen Indie-Pop, schrammeligen Lo-Fi und bittersüße Songwriter-Perlen. "The Singer in My Band" nimmt sich die Grundbausteine des Great American Songbook vor, um daraus etwas Neues zu schaffen, das seltsam vertraut und charmant eigenwillig klingt.
Entstanden sind die Songs unterwegs, im Tourbus zwischen ausverkauften Shows - "beim Tagträumen im Auto, ohne Zugang zu irgendwelchen Instrumenten", wie Amos erzählt. Das hört man dem Album an: Es klingt wie ein Roadtrip durch den Mittleren Westen, wie eine Sammlung kleiner, fiktionaler Werke, immer versetzt mit Spuren von Wahrheit. Es bevölkern Figuren wie Joey, Billy, Genevieve und der allgegenwärtige Buddy die amerikanischen Szenen und Landschaften, ein Altman-haftes Ensemble an unzuverlässigen Erzählern.
Amos nahm das Album in den eigenen vier Wänden und im Elternhaus in Vermont auf, alles selbst eingespielt und produziert, mit wenigen, aber bedeutenden Ausnahmen: ein furioses Banjo-Solo von seinem Vater, dem Bluegrass-Musiker Bob Amos, sowie Gesangsbeiträge von Schwester Sarah und Partnerin Al Nardo. Viele der neuen Songs wie beispielsweise "Billy Came Back" oder "The Kid With The Crown" bestechen durch vielschichtige Refrains, die durch ihre spartanischen Strophen nur umso wirkungsvoller werden. Schmissig, eingängig, mit echtem Hitpotenzial. Wenn es rockiger wird, blitzt auch mal etwas Lemonheads-haftes auf. Very nice.
Wer eingängige Indie-Songs liebt und sich nicht vor einem Hauch Country scheut, ist hier bestens aufgehoben. Am ehesten lässt sich das Album mit Frank Blacks "Honeycomb" vergleichen - auch dort begab sich ein begnadeter Songwriter aus einer lauten Band in ruhigere, traditionellere Gefilde, was in ein meisterhaftes, angenehm unprätentiöses Werk mündete.
Man darf auch an J Mascis denken, der den noisigen Dinosaur Jr.-Sound solo zugunsten folkiger Akustik-Kleinode hinter sich lässt. So ist "The Singer in My Band" ein insgesamt großartig gelungenes und sehr authentisch klingendes Album geworden. Nichts wirkt hier aufgesetzt. Schließt man beim Hören die Augen, erblickt man womöglich Nate Amos, wie er Loreley-ähnlich auf einem Felsen am Grand Canyon sitzt und seine Songs in den Sonnenuntergang hinein singt und es einfach genießt.


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