laut.de-Biographie
Triggerfinger
Wer kennt belgische Rockmusik? Okay, belgische Musikexporte sind zwar nicht so zahlreich, aber zumindest dEUS und Soulwax sind über die Grenzen des Waffellandes hinaus bekannt. The Black Box Revelation steht seit einiger Zeit ebenfalls für handgemachte Rockmukke erster Güte. Im belgischen Unterholz treibt aber auch das Powertrio Triggerfinger sein rockendes Unwesen: Regelmäßig ist es auf der Hauptbühne des Pinkpop-Festivals zu sehen sowie als Stammgast in feinsten Clubs in BeNeLux.
Mitte der Neunziger treffen sich gelegentlich Sänger und Gitarrist Ruben Block, Bassist Paul van Bruystegem und Drummer Mario Goossens in Antwerpens Musikszene. Man spielt hier mal zusammen, hilft dort aus, und immer wieder läuft man sich über den Weg. Als Ruben mit Mario 1998 Triggerfinger aus der Taufe hebt, starten sie zuerst als Coverband und tingeln durch die Clubs und Bars, um mit Musik etwas Kohle zu sammeln.
Der erste Söldner am Bass sucht bald das Weite, Paul van Bruystegem, der aus der 70er-Blues-Szene kommt und sich das Bassspielen einst selbst beibringt, ersetzt ihn. Schlussendlich reicht das Geld für die erste Albumproduktion. Das holländische Label Excelsior Recordings bringt das Debüt "Triggerfinger" (2004) sowie den Nachfolger "What Grabs Ya" (2008) heraus.
Auftritte beim Pinkpop, Rock Werchter, Lowlands und Pukkelpop folgten, sogar beim elitären Roland Garros-Tennisturner spielte das Trio auf. In Deutschland steht die Band beim Haldern Pop, der Rheinkultur oder dem Burg-Herzberg-Festival auf der Bühne.
Ende 2010 erscheint mit "All This Dancin' Around" Album Nummer drei in die Plattenläden. Aufgenommen in den sonnigen Sound City Studios in L.A. mit Greg Gordon (Wolfmother, Slayer) geht es erneut um Rock, Blues und Wüstensound.
Dann kommt Freund Zufall ins Spiel. Für eine holländische Radioshow spielen Triggeringer eine Coverversion von Lykke Lis "I Follow Rivers". Der Clip entwickelt sich via Youtube zum Internetphänomen, schon bald können die Belgier ihren ersten Nummer-1-Hit verbuchen. Das Album verkauft sich im Multiplatinbereich, fast vier Jahre lang touren die drei Jungs ausgiebig.
Anschließend gönnen sie sich nur wenig Ruhepause und nehmen ihr viertes Album "By Absence Of Sun" auf, wiederum unter Greg Gordons Regie. Das viele Touren und die Eindrücke von unterwegs haben den Sound der Band erweitert und um einige Facetten bereichert.
Ruben Block in einem Interview: "Einer der Vorzüge dieser Band ist, dass wir eine so große Spannweite an Stilen und Emotionen haben. Von heavy bis zerbrechlich, von laut bis leise, von rockig bis gefühlvoll."
Drei Jahre später wechseln Triggerfinger für Album Nummer fünf nicht nur das Label, sondern auch den Mann am Mischpult. "Colossus" erscheint 2017 bei Mascot Records und entsteht mit US-Produzent Mitchell Froom, der das Trio merklich aus seiner Komfortzone schiebt. Samples, Keyboards, Percussion und elektronische Geräusche erweitern den bislang vor allem aus Blues, Hardrock und einer Prise Wüstensand zusammengefügten Sound. Aus der Zusammenarbeit wird eine dauerhafte Verbindung: Block nimmt mit Froom später auch sein 2022 veröffentlichtes Soloalbum "Looking To Glide" auf, das noch stärker mit schiefen Arrangements und elektronischen Texturen experimentiert.
Danach wird es bei Triggerfinger zunächst stiller. 2023 verkündet Paul van Bruystegem nach mehr als zwei Jahrzehnten seinen Abschied, um sich eigenen Projekten zu widmen. Nach einigen letzten gemeinsamen Konzerten übernimmt Geoffrey Burton live den Bass. Am 4. Oktober 2025 stirbt der als Monsieur Paul oder Lange Polle bekannte Musiker nach längerer Krankheit im Alter von 66 Jahren. Für Block und Goossens ist damit nicht nur die klassische Dreierbesetzung endgültig Geschichte – plötzlich stellt sich auch die Frage, was Triggerfinger ohne festes drittes Bandmitglied überhaupt noch sein können.
Die Antwort geben sie 2026 mit "Tarmac", dem ersten Triggerfinger-Album seit neun Jahren und dem ersten ohne Monsieur Paul. Block und Goossens machen aus der Not keine klassische Neubesetzung, sondern holen Mitchell Froom noch tiefer ins Gefüge: Geschrieben und aufgenommen wird gemeinsam in Antwerpen und Los Angeles, Froom wirkt diesmal ausdrücklich am Songwriting mit und wird so etwas wie der dritte Mann, ohne tatsächlich neues Bandmitglied zu werden. Dass sich dadurch auch der Sound verschiebt, ohne Triggerfinger ihre alte Bluesrock-Wucht auszutreiben, ist der spannendste Ausgangspunkt für Album Nummer sechs.


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