laut.de-Kritik
Klassischer Trap funktioniert nicht mehr.
Review von David Maciej LaskowskiJe mehr ich mich mit Ufo361' neuem Album auseinandersetze, desto mehr verwirrt es mich. "Waldemar Hof" markiert einen Shift zurück zu "traditionelleren" Trap-Gefilden, obwohl Ufo Anfang des Jahres auf dem Mixtape "Beware" noch komplett in seiner Rage-Phase steckte. Fans preisen das neue Werk Ufos bereits als sein bestes seit "Destroy All Copies" von vor fünf Jahren an. Umso interessanter für mich, da dieses Album bislang das letzte von Ufo war, das mehr oder weniger überzeugte.
Die Rückbesinnung auf klassischeren Trap-Sound macht auf den ersten Blick Sinn innerhalb des thematischen Frameworks, das er auf dieser LP aufzustellen versucht. Der Titel dieses Projekts bezieht sich auf einen Innenhof in der Waldemarstraße im Berliner Stadtteil Kreuzberg, wo er einen signifikanten Teil seiner Kindheit verbrachte.
Manchmal geht diese Rückbesinnung so weit, dass sich Ufo für dieses Album sogar darauf einließ, auf "The Greatest" wieder auf einen Boom Bap-Beat zu springen, jenen Beat, den er bevorzugte, bevor er mit seiner "Ich Bin Ein Berliner"-Mixtape-Trilogie komplett auf Trap umstieg und damit seine ersten großen Erfolge feierte. Auch wenn der Berliner sich weiterhin inhaltlich hauptsächlich auf materiellen Reichtum und seine Come Up Story stützt, rappt und flowt er über diese Produktion so routiniert, als wäre er nie zu Trap geswitcht. Der Song ist nicht bahnbrechend, aber eine willkommene Abwechslung.
Trotzdem habe ich zwei große Probleme mit dem dominierend trappigen Sound auf der Platte. Erstens: Es wirkt gerade bei einem Ufo361 ein bisschen konservativ, wieder in klassischeren Trap einzutauchen, gerade er, der immer zu sagen pflegte: "Fokus auf die Zukunft." Der Kontext des Albums macht dieses Problem aber halbwegs wieder wett.
Das zweite Problem ist aber schwerwiegender, wobei ich mich in dieser Angelegenheit als äußerst subjektiv outen muss: Klassischer Mainstream-Trap reizt mich nicht mehr. Vielleicht hätte ich etwas mehr Gefallen an dem Album gefunden, wenn es vor fünf bis sieben Jahren rausgekommen wäre, wo Trap seinen Zenit erreichte. Aber die zunehmende Fragmentierung des Sounds in allerlei interessantere, teils auch experimentellere Sub- und Mikro-Genres, sowie der Aufstieg von Plugg haben das übergeordnete Mutter-Genre für mich ziemlich uninteressant gemacht.
Deswegen bin ich von einem sehr großen Teil dieses Albums, spezifisch von "Canlardir" bis "Laterne" nicht vollends angetan, auch wenn vereinzelt gute Entscheidungen getroffen wurden. Es gibt hier und da einige interessante Synths und auch paar gute Hooks, zum Beispiel sehr eingängig gesungen auf "Pinke Diamonds": "Ich steh' vor deiner Tür und ich kann hör'n, wie du weinst / Ja, ich warte seit Tagen, doch du lässt mich nicht rein / Ich hab' pinke Diamonds, dachte, dass es reicht / Doch du kommst nicht mehr, fuck, nein, du kommst nicht mehr."
"Take Me Home" ist grundsätzlich bedrückend. Die schwermütige Gitarrenmelodie wird von einer drückenden 808, ansonsten aber einem sehr spartanisch ausgestatteten Drumset begleitet, während Ufo niedergeschmettert singt: "Ich will in den Himmel, frag': 'Wann holt er mich hoch?' / Acker' Tag und Nacht, mein Bro sagt: 'Irgendwann holt dich der Tod' / Der holt uns sowieso, alte Friends sind heute auf Coke / Ich find' kein'n Schlaf zwischen den Shows." Für mich der beste Song in dieser mittigen Sektion des Albums.
Allerdings verweilt das Kernproblem, dass, trotz der wie gewohnt sehr professionellen Produktion hier ständig das Gefühl aufkommt, dass man das alles schon irgendwie mehr oder weniger mal gehört hat. Ein bisschen Abwechslung bringen sporadisch gesetzte Fetzen türkischer Folk-Musik, die als Reminiszenz an seine Kindheit in Kreuzberg fungieren. Tatsächlich bleibt aber auch dieser Aspekt des Albums, von dem man gedacht hätte, er würde sich wie ein roter Faden durchziehen, mehr oder weniger auf der Strecke. Er hätte soundtechnisch ruhig öfter auf seine türkischen Wurzeln eingehen können.
Leider implementiert er dies auch in seinen Lyrics eher halbherzig. Am prägnantesten ist da noch auf "Canlardir" seine Hommage an die ebenfalls aus Kreuzberg stammende Hip Hop-Gruppe Islamic Force aus den 90ern. Ansonsten thematisiert er die alten Zeiten meist nur im Kontext seiner Aufstiegsgeschichte, nach typischem und gewohntem "Damals arm, heute reich"-Schema, zum Beispiel in "Life Is": "Waldemarstraße, spiel' mit Murmeln, hatte keine Playsi / Heute überweist mir Sony Mios, ja, Life is crazy", oder in "Roof Voller Stars": "Spielten Verstecken, weil die Cops woll'n uns hol'n, ey / Kilos im Ofen gebunkert so wie Brot, ey / Ja, wenn ich seh', wo meine Kids heute wohn'n, ey / Kann ich nur sagen, ja, es hat sich gelohnt, ja, ja, Stay High."
Zum Ende hin wird es doch wieder interessanter. Da die meisten Produktionen in der Mitte des Albums eher in melancholischen Territorien stattfinden, wirkt es plötzlich sehr erfrischend, dass Ufo dann doch nochmal mit zwei aggressiven Trap-Bangern ("Nasty" und "Dreh Den Spieß Um") um die Ecke kommt. Es folgt "War Nie Weg". Natürlich ist Ufo der Hype um Rayans (Blumengarten) Hook auf dem mittlerweile schon extrem nervtötenden "Du Bist Gut Genug" mit Kitschkrieg und Shirin David nicht entgangen und er lud diesen ins Studio ein. Hier entpuppt sich sein wunderschön gesungenes "War nie weg" zusammen mit dem epischen Beat als Highlight des Tracks. Auch Souly gefällt mir hier besser als bei seinem anderen Feature-Part auf "What A Time", wo ich seinen Flow irgendwie ziemlich irritierend fand.
Dennoch, mein Fazit zu dieser Platte lautet: Es ist ... fein. Doch handelt es sich um eine Art "fein", das man mit einem misstrauischen Unterton von sich geben würde. Wenn ich "Waldemar Hof" höre, wundert es mich nicht, warum Mainstream-Trap-Musik längst ihren Zenit überschritten hat und nicht mehr so stark in den Charts präsent ist wie noch vor paar Jahren. Ich habe zwar immer noch das Gefühl, dass ich möglicherweise irgendwas von Wert bei dem Album übersehen habe, aber vielleicht irre ich mich oder dieses gewisse Etwas erscheint mir gerade wichtiger, als es eigentlich ist.


1 Kommentar
Mag das album sehr bisher.