laut.de-Kritik
Geschmacklos: Adieu Herzschmerz, willkommen Rage-Rap.
Review von Johannes JimenoBei Ufo rechnet man immer damit, dass er auf jedem Album anders klingt. Adieu Herzschmerz, willkommen US-Rage-Rap. Ähnlich wie auf "Sony" versucht er sich auf vorliegendem Mixtape ungalant an der anstrengendsten Variante des Sprechgesangs.
Industrie-Krach, der sich durch Übersteuerung und eine raue Attitüde charakterisiert. Neben den dort beheimateten Vertretern wie Yeat und Ken Carson dient vor allem Playboi Carti als großes Vorbild des Berliners. Und würde er nicht ständig zugedröhnt ins Mikro stammeln, sondern tatsächlich 'ragen', dann würde er dem Subgenre auch etwas zurückgeben, anstatt sich nur an dessen Beats zu ergötzen.
Apropos: Das Soundbild auf "Beware" zeigt sich kohärent, obgleich langweilig. Auch wenn diese Rap-Gattung nicht besonders melodiös erscheint, dürfte es doch ein wenig mehr Abwechslung geben. Man wird das Gefühl nicht los, dass selbst namhafte Produzenten wie F1LTHY (Carti) oder Brandon Finessin (Lil Uzi Vert) hier nur Auftragsarbeit oder ausrangierte Beats abliefern.
Ufo verharrt damit im alten Credo, sich mit Versatzstützen zu schmücken, anstatt sich ihnen würdevoll anzunähern. Er bezeugt es sogar selbst: "Ich will Beats von F1LTHY, denn ein Feature mit Tecca wär kein Move". Die meisten Beats steuert der hierzulande bekannte 10am bei, der sich diesem Niveau nahtlos anpasst.
Natürlich gibt es einige Highlights wie der Opener "I Know", wenn 10am das "Halloween Main Theme" von John Carpenter samplet, dystopische Atmosphäre in "Damn Cup" evoziert oder in "Geld Macht Happy" die Regler runterschraubt und Ambient statt Gepolter anbietet. Wenig überraschend sind es die sanften Momente, die Erholung vom musikalischen Baustellenlärm bieten: Das weiche "Sie Weint In Mein Cup" streckt konziliant die Hand in Richtung Vorgänger aus. Die Lead-Single "Kein Plan B" bezirzt mit flirrenden Synths und Vocal-Loops. Im entrückten "Ghost" rappt Ufo sogar mal etwas zusammenhängender und erinnert an frühere Alben.
Das war es dann auch mit den Lorbeeren. "Beware" bzw. die Promo sowie gerade auch das Cover bezeugen eine abstoßende, omnipräsente Geschmacklosigkeit. Eigentlich sollte man erwarten, dass Ufo nach "Nur Für Dich 2" dem weiblichen Geschlecht gegenüber vielleicht anders eingestellt wäre. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. So misogyn, erratisch, redundant und uninspiriert klang er noch nie. Die Lyrics zeigen einen drogeninduzierten, manisch konsumierenden Chauvinisten, der sich ohne Sinn und Verstand selbst mehrfach zitiert und folgende Zeilen zu Protokoll gibt:
"Sie gibt Head, so sloppy, ja, sie braucht ein Handtuch / Ja, sie ist auf Lean, meine Bitch, sie ist auf Mushrooms / Ihre Titten big, nein, man braucht nicht ranzoom'n". Große Brüste, sowieso ein iterierendes Thema bei ihm. "Sie gibt so viel Milk, ich krieg' Laktose / Big Baguettes in den Pants, ich bin kein Franzose / So viel Water auf der Chain, als wär' ich Matrose / Sie steht auf Creampie, ja, sie liebt Mascarpone": Vergleiche auf dem Level eines pubertierenden 15-Jährigen. "Meine Träume wurden wahr, ich brauch' kein'n Traumfänger / Fick die AfD in' Arsch, ich bin ein Ausländer". Immerhin ein Lichtblick, dass er sich hier klar positioniert.
Das alles geht sogar so weit, dass Ufo im "Sasha Grey (Skit)" ein Interview mit besagter Pornodarstellerin laufen lässt. Und dies wohl auch nur, weil sie auf die Frage nach ihrer Lieblingsstadt mit "Berlin" antwortet. Ihr fragt euch zudem, warum das Mixtape überhaupt "Beware" heißt? Weil Ufo kurze Vocalsamples als Tags aus Mobb Deeps "Shook Ones, Pt. 1" überall in die Songs geklatscht hat.
Ufo kann man weiterhin zugutehalten, dass er US-Trends technisch sauber nach Deutschland überträgt und sich hörbar an aktuellen Sounds abarbeitet. Doch "Beware" wirkt weniger wie eine bewusste künstlerische Entscheidung, sondern wie ein hastiges Abpausen ohne innere Notwendigkeit. Eine Warnung ist es am Ende tatsächlich, allerdings eher vor dem eigenen Stillstand.


2 Kommentare
"Ufo kann man weiterhin zugutehalten, dass er US-Trends technisch sauber nach Deutschland überträgt"
Ist Ufuk somit nicht einfach nur ein deutscher Drake aka Culture Vulture/Biter?
Mir fällt spontan kein peinlicheres Album eines deutschen Rappers seiner kommerziellen Relevanz ein. Hoffe echt, er bekommt seine Pornosucht in den Griff, die Lines sind wirklich durch die Bank zum Kotzen. Destroy all copies war wohl leider wirklich der Peak.