laut.de-Kritik
Vier-Viertel-Takt war selten so gut wie hier.
Review von Emil DröllDie einstigen Rock'n'Roll-Spätzünder The Black Crowes gehören mittlerweile zu den Urgesteinen des Genres. Wenig überraschend also, dass schon der Opener von "A Pound Of Feathers" gleich ordentlich knallt.
Melancholie? Fehlanzeige. "Profane Prophecy" sprüht vor Boogie-Energie, Cowbell, Slide-Gitarre und einem guten Schuss Yippie-Yay-Attitüde. Das Gitarren-Intro? Hat man schon tausend Mal gehört – und tausend Mal für gut befunden. Übel nimmt man es den Crowes daher trotzdem nicht, dass sie sich aus der obersten Palette klassischer Oldschool-Riffs bedienen. Der Track hätte auch problemlos auf "Shake Your Money Maker" stehen können. Hätten Mick Jagger und Steven Tyler ein gemeinsames Kind, es würde wahrscheinlich "Profane Prophecy" heißen.
Dass die Messlatte damit gleich ziemlich hoch liegt, wissen auch die Crowes selbst. Also einen Gang runter, etwas lockerer grooven, und schon rollt "Cruel Streak" entspannt ins Set. "Pharmacy Chronicles" folgt als Rockballade mit Akustikgitarre. Kein schlechter Song, aber einer, der das Album kurzzeitig in den Leerlauf schaltet. "Do The Parasite!" stemmt sich mit mehr Härte und einem leicht moderneren Anstrich dagegen, mit Erfolg. Der Gewinner dieser Platte bleibt der astrein produzierte Gitarrensound.
"High & Lonesome" schubbert wieder durch die klassische Traurigkeit des Rock, immerhin mit treibendem Storytelling. Die Crowes beherrschen das mühelos, aber eigentlich liegen ihre größten Stärken doch im Feel Good-Modus.
Dann kommt "Queen Of The B-Sides" mit Piano und Akustikgitarre, und plötzlich möchte man seine Meinung revidieren. The Black Crowes können eben auch Feel Not Good. Und wie. In nicht einmal zwei Minuten beweist der Track das eindrucksvoll.
Mit "It's Like That" ist dann wieder der Rock'n'Roll back in town. Vier-Viertel-Takt war selten so gut investiert wie hier. "Blood Red Regrets" trägt seinen Titel jedenfalls nicht umsonst, bereuen muss man auf diesem Album nämlich wenig.
"You Call This A Good Time?" führt das Erbe solide fort, kommt aber nicht ganz an den Opener heran. Dafür entwickelt sich "Eros Blues" zu einem der klaren Albumhighlights: bluesiges Erzählintro, ein plötzlich aufbrechender Groove und eine fast versteckte Sabbath-artige Schwere im Hintergrund, die von den Vocals wieder aufgelockert wird.
Zum Abschluss überrascht "Doomsday Doggerel" mit Hall-Effekten und leicht verschobenen Klangflächen. Für Crowes-Verhältnisse wirkt das fast schon experimentell und funktioniert erstaunlich gut. Ein unerwartet spannendes Ende für ein Album, das ansonsten vor allem klassischen Rock'n'Roll feiert.
Die Black Crowes erfinden hier nichts neu, aber sie müssen es auch nicht. "A Pound Of Feathers" lebt von klassischem Songwriting, einem großartigen Gitarrensound und genug Spielfreude, um auch altbekannte Rock-Formeln frisch wirken zu lassen.


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