laut.de-Kritik
Durch die Songs weht eine gothrockige Stimmung.
Review von Toni HennigDas bisherige Engangement von Crippled Black Phoenix gegen religiöse und politische Unterdrückung sowie Ungerechtigkeit, für Menschenrechte, Natur- und Tierschutz sowie die Schwächsten der Gesellschaft war zwar bislang ziemlich ehrenwert, aber die "Free Palestine"-Bekundungen via Social Media der Band anlässlich so manch fragwürdiger Glastonbury-Auftritte stießen dann doch so ziemlich sauer auf, verlangt die Thematik angesichts des Hamas-Terrors mehr als nur simples Schubladendenken in Gut und Böse, selbst wenn sich Songwriter Justin Greaves laut eigener Aussage als "Anarchist" und mitnichten als "Antisemit" bezeichnet.
Auch auf "Sceaduhelm", das nun erscheint, geht es nicht ganz unpolitisch zu, aber zumindest etwas persönlicher als auf den Vorgängeralben. Inhaltlich behandelt die multinationale Formation Themen wie Burnout, Verlust, strukturell verankerte Gewalt sowie die fließenden Grenzen zwischen dem Persönlichen und Politischen.
Seit einiger Zeit fungiert Belinda Kordic als gleichberechtigte Songwriting-Partnerin an Greaves' Seite. Aber auch weitere, aktuelle Weggefährten wie Ryan Patterson und Justin Storms bringen sich mittlerweile mehr in den Schreibprozess mit ein. Jeder Text stammt aus eigener Feder.
"One Man Wall Of Death" schraubt sich, begleitet von verstörenden Sprachsamples, postrockig in die Höhe und mündet in einem krachenden Finale. Das treibende und kämpferische "Ravenettes", das Belinda singt, legt die Fährte für die gothrockige, düstere Stimmung im weiteren Verlauf. Im atmosphärischen "Things Start Falling Apart" mit Storms am Mikro betreibt man, wie in der Vergangenheit, ausgiebig Pink Floyd-Huldigung. Inhaltlich fällt das Stück schon deutlich finsterer aus, wenn Storms seinem eigenen Verfall zusieht.
In "No Epitaph / The Precipice" steckt Ryan Patterson mit seiner Grabesstimme eine Menge Schmerz hinein, wodurch die Nummer zu Beginn ziemlich an Mark Lanegan denken lässt. In der zweiten Hälfte entwickelt sich der Track jedoch zu einer Band-typischen Endzeitballade, die mit Pink Floyd-Einflüssen wieder einmal nicht geizt und zum Schluss durch die verzweifelten Gesangsausbrüche, die durch Mark und Bein fahren, nicht kalt lässt.
Ansonsten verfeinern Crippled Black Phoenix mehr ihren Stil, anstatt ein völlig neues Bandkapitel aufzuschlagen. Durch die Belinda-Nummer "Hollows End" wehen dunkle, erdige Post-Punk-Töne, während man sich bei dem Patterson-Song "Vampire Grave" etwas an The Sisters Of Mercy erinnert fühlt.
"Dropout" lässt uns durch die trippigen Beats vor dem inneren Auge durch leere Straßenschluchten streifen. Dabei kommt Kordics Stimme geradezu verzerrt aus den Boxen. "Under The Eye" durchziehen traurige Piano- und Mellotron-Klänge und überzeugt mit den anklagenden Vocals der Sängerin, wenn es darum geht, sich gegen politische Kontrolle und Gewalt gegen die Ärmsten einzusetzen. Im doomigen Rausschmeißer "Beautiful Destroyer" türmen sich erneut die Gitarren in die Höhe, während sich der beschwörende Gesang Pattersons beinahe zu überschlagen droht.
Ein wenig vermisst man ja die Metal-Elemente, die zuletzt der Musik der Band ihren Stempel aufdrückten. Jedoch passt der etwas rohere, zum Teil bis auf die Knochen reduzierte Ansatz zu den eher dunklen, persönlichen Themen der Platte ganz gut. Das Post-Rock-Rad erfinden Crippled Black Phoenix zwar nicht mehr neu. Dennoch kann man gespannt sein, wie es musikalisch mit der Formation weitergeht.


1 Kommentar
Aber es ist doch noch nicht der 8. Mai