laut.de-Kritik
Dark-Rock-Comeback mit Gaststar Hayley Williams.
Review von Michael SchuhEndlich mal ein Cover-Artwork, das ihrer Musik gerecht wird: Failure sind wieder da, niemand hat auf sie gewartet, denn kaum einer kennt sie. Aber sollten Plattenläden in den kommenden Wochen mit diesem Cover ihre Wände dekorieren, könnte die Gruppe dank des überdimensionierten Auges und dem Scharfschützen endlich mal ihre Zielgruppe treffen. Die existiert zwar schon, fällt aber besonders hierzulande noch sträflich zu klein aus. Da geht noch mehr, liebe Psychedelic-, Progrock- oder eben Tool-Fans.
Deren Chef Maynard James Keenan gilt nicht umsonst als bekanntester Failure-Fan, was den Amerikanern leider bisher wenig einbrachte, vielleicht auch, weil ihr Comeback-Album "The Heart Is A Monster" vor elf Jahren mit einem monströs einfallslosen Cover ausgeliefert wurde. Seitdem hievte man sich von von mehreren EP-Veröffentlichungen ("In The Future Your Body Will Be The Furthest Thing From Your Mind", 2018) zu einem weiteren Album ("Wild Type Droid", 2021) ohne weiter aufzufallen. Mit ihrem siebten Studio-Album dagegen zielen Failure optisch und musikalisch genau zwischen die Augen.
Wird auch Zeit, schließlich ist die Band um Sänger Ken Andrews schon fast so lange dabei wie Guns N' Roses: "Es erschien uns ein witziger Gedanke, eine Band Failure zu nennen und bei möglichen Auftritten in die entsetzten Gesichter des L.A.-Publikums zu sehen", gab Andrews Anfang der 90er Jahre zu Protokoll.
Die Welt im Jahr 2026 ist eine andere, aber ihr siebtes Album ist mehr als eine nostalgisch verklärte Fingerübung. Wie immer entstand die Musik durch Improvisation, biegt aber immer wieder in überraschende Richtungen ab. Im Mittelpunkt von "Location Lost" steht sicherlich die Koop mit Paramore-Star Hayley Williams. Noch bevor man überhaupt ihre Stimme hört, weiß man schon, dass hier kein liebloser Promo-Coup vorliegt. Die bekannte Sängerin, ebenfalls Failure-Fan, wählte für ihre Teilnahme eine dieser Zucker-Balladen, die eine große Ruhe entfalten, dann aber zu brodeln beginnen, bevor der Ausbruch immer näher rückt. Für diesen sorgt Hayley im fantastisch zweistimmigen Gesang mit Andrews und dem wie irre wirbelnden Drummer Kellii Scott.
Dass die Aufnahmen zunächst unter keinem guten Stern standen - Andrews laborierte lange an einer Rücken-OP - merkt man zu keiner Sekunde. Band und Produktion sind tight und Failure legen ihr komplettes Instrumentarium offen: Wer den funkelnden Rock-Opener "Crash Test Delayed" mit dem elektronischen Unterbau hört, dürfte sich vorstellen können, wie das Failure-Cover von Depeche Modes "Enjoy The Silence" 1998 geklungen hat.
Rock mit düster-bedrohlicher Atmosphäre ist seither ihr Markenzeichen, was auf "The Air's On Fire" wieder besonders eindrucksvoll zur Geltung kommt - hier zwirbeln Failure zusätzlich ordentlich Space Rock unters Gebälk. "Someday Soon" schert aus dem Soundkonzept aus und klingt wie um einen synkopierten Beat herumgebaut. Andrews fühlte sich nach Scotts Demo auch sofort an The Police erinnert.
Eine kurze Atempause, bevor es in "A Way Down" nochmal ganz schwarz wird und die Band mächtige Gothic-Vibes heraufbeschwört - allein die Gitarren-Coda im letzten Drittel des Songs verfolgt einen tagelang. Mit dem zarten "Moonlight Understands" geleiten sie uns dann hinaus in die echte Welt, in der man einfach nur hofft, dass dieses Album wenigstens einen Bruchteil des Scheinwerferlichts abbekommt, das "Your Favorite Toy" von den Foo Fighters wieder erhalten wird.


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