laut.de-Kritik
Weil auch ein Ende schön sein kann.
Review von Magdalena GregoriZur Ruhe kommen, das Leben am Land genießen ... Doch dann klingelt's, und "PROBLEMARTEN" steht vor der Tür und bringt alles aus dem Gleichgewicht. Das ist die Essenz von Marterias "Zum Glück In Die Zukunft III", dem letzten Teil der legendären Album-Trilogie. Zwölf Jahre liegen zwischen dem zweiten und dritten Teil von ZGIDZ, genug Zeit für viel Veränderung, die Marten Laciny jetzt tagebuchartig vertont hat. Das Sammelsurium aus Facts und Vorurteilen, die man zu Marteria kennt, , vermischt der Sänger mit eigenen Gedanken und Gefühlen zu sich selbst und zu der Welt um ihn rum. Persönliche Einblicke in Lacinys Vaterdasein und die Sichtweise seines Sohnes warten im Luzey-Feature. "Zum Glück In Die Zukunft III" ist eine humorvolle, nachdenkliche Verschmelzung von introspektiven und extrospektiven Ansichten, die auch ziemlich politisch werden.
"Eins verloren auf der Straße / weil ich bayrische Motorenwerke fahre / lieg auf dem Dach dreimal überschlagen / lauf weg denn ich darf hier nicht parken" erinnert sich der Musiker in "9 Leben (Eins übrig)". Auf Instagram postet er dazu ein Foto eines demolierten BMWs. Der Opener von ZGIDZ III wirkt wie ein Status quo von Marterias Leben. Der Rapper hat gefühlt die Leben von sieben verschiedenen Menschen durchlebt, er war Fußballer, Schauspieler und bekiffter Marsianer. Die Musik ist melodisch und nostalgisch, der Beat zieht sich wie ein Herzschlag durch den Track. Dass das Herz aber nicht einfach nur normal schlägt, muss an dieser Stelle vermutlich nicht erwähnt werden.
Ein deutscher, gemäßigter Eminem mit Samtstimme, so gibt sich Marteria in "Schenk Mir Ein Intro". Der Song lebt von Loops, die der Rhythmus und die Stimme aufmischen. Spaßig und rhythmisch wird Marteria in "Maria Carey" zu ebendieser Diva. Recht unerwartet schlängelt sich die Begleitung mit der Sitar durch den Song - vielleicht eine Erinnerung an vergangene Asienreisen. Genauso einzigartig ist die Liebe, um die's in "L.I.E.B." geht, im positiven, aber auch im negativen, toxischen Sinne. Trotzdem, auch wenn die besungene Liebe zum Scheitern verurteilt ist, begleitet die Hochzeitsorgel die Lyrics.
Plötzlich Weltuntergang. Übersteuerte Klänge bereiten den Weg für "Captain Europa". Es ist aber kein Weg nach oben, sondern eher einer in den Untergang einer ehemals wichtigen Instanz im Weltgeschehen. "Wie erklär ich's dir, wie sag ich es / dass hier schon aller Tage Abend ist / die gelben Sterne von mei'm blauen Umhang runterfallen / und jeder meine Panik spürt, egal wie groß mein Name ist". Rechtsruck, Politiker, die flüchten, und "depressiv no future" - Marten Laciny komponiert Europa als sinkendes Schiff. Den kritischen Kurs schlägt der Sprachakrobat auch mit "PROBLEMARTEN" ein und beschreibt den Balanceakt zwischen Erwachsenwerden und seinem wilden Vergangenheits-Ich. "Roll mich in den roten Teppich ein, auf dem ich steh / Lebenslauf sieht aus wie ein EKG / muss nicht tot sein um Himmel und Hölle zu sehen / das war schon immer der Deal, ist ok".
Wir kennen es alle. Dieses Gefühl, zu wissen, dass etwas zu Ende geht, man es aber nicht wahrhaben kann und will. Denn der gemeinsame Urlaub ist gebucht und mit ihm die Hoffnung, dass die Beziehung doch noch halten könnte. Darum geht es in "Sad Holiday (Schwarzer Sand)". Schmerz und Schönheit kuscheln im Track eng miteinander in einer Hängematte, denn das, was Marteria besingt, "ist kein Holiday-Trip, das ist einmal Hölle und zurück". Die Stille ist laut, "die Worte ermordet mit Blicken", die Streicher kündigen Resignation an, dennoch hält die Schönheit der Vergangenheit die Realität auf Abstand. Der bittersüßen Urlaubsatmosphäre zum Trotz wirkt die Beats des Tracks stadtaffig. Kein Wunder, denn wie bei dem Peter Fox-Album haben hier ebenfalls The Krauts mitgemischt. Die Melodie klammert sich genauso an mein Ohr, wie es Dinge tun, von denen ich eigentlich weiß, dass sie zu schön sind, um wiederzukommen.
Dass es einfach hart ist, in der heutigen Zeit zu bestehen, thematisiert "Babylonia". Musikalisch fährt Marteria wieder die nostalgische Schiene zurück in die Vergangenheit. Wild wie seine eigene Vergangenheit rappt er in "MEINS!" über seinen Gottkomplex und Egoismus. Genau diesen relativiert er dann in "Platz Für Uns Beide", gemeinsam mit seinem Sohn Louis. Damit setzt er die Tradition fort, seinem Sohn, der auch den musikalischen Weg einschlägt, in den "Zum Glück In Die Zukunft" Alben einen Ehrenplatz freizuhalten. "Über mei'm Bett kein Poster von mei'm Dad sondern von UFO / aber ich bin trotzdem stolz auf mei'n Papa auf'm Schulhof" rappt der 18-Jährige über seinen berühmten Vater und bedankt sich gleichzeitig bei seiner Mutter, die anders als der Papa immer da war. Wie der Vater so der Sohn, Louis Laciny beendet seinen Part selbstbewusst und schmunzelnd: "Luzey Mainstage / Voract ist Marteria".
Episch gleißt "Das Ende Vom Lied (D.E.V.L.)" über das Wasser, wie das Licht am Ende eines heißen Sommertages. Die jazzigen Drums und der Bass treiben das Outro des Albums an und zeigen einmal mehr, dass Marteria nicht nur im Leben ein Grenzgänger ist, sondern auch zwischen unterschiedlichen Genres balanciert und sie in seiner Musik verbindet. In "Zurück In Die Zukunft III" ist nicht mehr ganz so viel Platz für ähnlich trotzige Banger wie "OMG!" oder "Kids (2 Finger An Den Kopf)", die vor mehr als zehn Jahren die Charts gestürmt hatten. Denn "Wir sind im Hier und Jetzt", singt Marten Laciny und kommt zum Schluss, dass auch ein Ende schön sein kann.


5 Kommentare mit 5 Antworten
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende
Lieber ein Anfang mit Ende, als ein Ende mit Anfang.
Fortuna lässt grüßen.
Der cringe Typ mit dem Modelblick ist seit 15 Jahren auserzählt. Kurze Hochphase, danach nur Musik für Jennys und Formatradios und handwerkliche Reduktion bis zum technischen Offenbarungseid.
Wer cringe sagt, ist auch nicht gerade uncringe, ma sagen.
Wer cringe sagt, muss auch cronge sagen.
tarteverdacht wünscht sich einfach musik mit mehr schichten und süßer füllung.
Erster Song geht noch; danach wird's leider echt belanglos. Bis Track 7 hab ich durchgehalten; dann hatte Marten mich verloren... Kann die 4 Sterne hier leider nicht nachvollziehen.
Ungehört 1/5
Find es auch eher mau, vor allem nach dem fetten Marsi-Abschied....war aber zu erwarten