laut.de-Kritik
Die Super Group macht Bock auf mehr.
Review von David Maciej LaskowskiZum neuen Kollektiv The Scythe rund um Denzel Curry zählen sein alter Raider Klan-Kumpan Key Nyata, die beiden Female-Rap-Underdogs Bktherula und TiaCorine sowie A$AP Ferg aus New York. Man werfe dieses Quintett zusammen mit den Produzenten von Working On Dying in einen Topf, und fertig ist eine Portion genüsslicher Südstaaten-Wahnsinn. Ihr erstes gemeinsames Tape "Strictly 4 The Scythe" macht nach gerade mal acht Stücken Bock auf mehr. Aber der Reihe nach.
Für das, was wir auf dem Album geboten bekommen, beginnt das Intro "The Scythe" noch recht vorsichtig. Richtig Energie entlädt sich nur auf dem Chant im Chorus: "N****s tryna fuck with The Scythe, you get sliced, ho", während im Hintergrund eine eher unterschwellige Melodie ertönt. Zwischendurch hört man auch Scratchings aus Three 6 Mafias "Anyone Out There". In Kombination mit dem Drumset entsteht hier eine klare Ode an den 90er Memphis Rap. Corine und Ferg flowen wie Butter über den Beat, während Denzel gleich mit einer Highlight-Zeile punktet: "We take from the rich and we give to ourselves / What's the point of me robbin' hood?"
Der Track leitet über zur Single "Lit Effect". Die Konstellation Denzel Curry, Bktherula und Featuregast Lazer Dim 700 kehrt nach der Waka Flocka Flame-Hommage "Still In The Paint" zurück und liefert gekonnt ab. Das Soundbild gestaltet sich nun ominöser, der Beat läuft wesentlich langsamer, und die drei Artists nutzen die Gelegenheit, um sich über Hater im Netz zu amüsieren: "Y'all n****s don't got no money, can tell by the way that you beef on the internet", rappt Bktherula, Lazer Dim gibt sich gewohnt relaxed und tranquiliert, und Denzel Curry nennt seine Nichtsgönner arbeitslos: "Your perception 'bout a n****, destroyed it / When I look at you, I see unemployment, ho." Funny!
Trotz dieses guten Anfangs erhält man noch keinen klaren Eindruck, in welche Richtung dieses Projekt gehen soll. Dafür klingt alles noch etwas zu vage. Mit "Phony" öffnet sich aber so allmählich das Album-Konzept: Kompromisslos und ohne viel Nachdenken auf die Kacke hauen und Spaß haben. Um dem Southside-Flair treu zu bleiben, darf natürlich auch Memphis-Altmeister Juicy J als Gast nicht fehlen.
"Mutt That Bih" ist definitiv der stärkste Track auf dem Album. Der Beat ist episch. Eine gepfiffene Melodie versprüht cineastische Vibes a la "Kill Bill" von Quentin Tarantino, während hintergründig kräftige "Mutt-That-Bih"-Chants zu vernehmen sind. Neben Denzels Ohrwurm-Hook und Key Nyatas Line: "Round holding gold but it ain't the Olympics / I heard their morals been takin' Ozempic", feiere ich den Part von 1900Rugrat total. Der bringt textlich nichts Besonderes, aber diese nuschelige, dezent an Kodak Black angelehnte Delivery steckt sehr an.
Es folgen zwei absolute Club-Banger. Auf "Hoopty" drehen Denzel auf der Hook und TiaCorine auf ihrem Part komplett durch, während das bouncige Instrumental mit schrägstem Chipmunk Soul beglückt wird. Das Miami Bass artige "You Ain't Gotta Lie" lädt eher zum Tanzen ein - dieser fast schon an Witchhouse erinnernde Supersaw-Synth in 454s Post-Chorus geht extrem hart.
Für "Tan" legt Denzel Curry das einzige Mal auf dem Tape das Mikrofon zur Seite und lässt die beiden Mädels der Posse Bk und Tia übernehmen, die sich auf einem verträumten, aber trotzdem in die Fresse gehenden Trap-Beat von ihrer besten Seite zeigen. Mit der Autotune-Ballade "Up" erhält das Tape einen runden Abschluss, auch wenn dieser Track eindeutig wie das schwächste Glied auf der Platte wirkt: nicht unbedingt langweilig, doch im Gegensatz zu den vorherigen Tracks ein wenig ausgelaugt.
Wer sich hier ein deeperes Projekt oder Higher Concept wie "Melt My Eyez See Your Future" oder "TA13OO" erhofft, dürfte nicht viel mit dieser Platte anfangen. Mit Ausnahme einiger nennenswerter Zeilen passiert hier lyrisch nichts Außergewöhnliches. Das ist auch nicht Sinn der Sache, da es sich eh nicht um ein reines Denzel Curry-Album handelt, auch wenn er im Gegensatz zu den anderen Membern seiner neuen Crew auf fast allen Tracks vertreten ist.
Trotz minimaler Schwächen am Anfang und Ende sowie dem ein oder anderen durchschnittlichen Feature wie Smino, 454 und Luh Tyler werte ich dieses Tape als heftigen No-Skipper. "Strictly 4 The Scythe" ist messy, macht aber ordentlich Laune, und ich erhoffe mir mehr von dieser Gruppe in der Zukunft.


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