laut.de-Kritik
Freunde wie Dave Grohl muss man haben...
Review von Franz MauererDer Vorgänger "The Collective" wurde ziemlich einmütig für großartig befunden, schon biegt Kim Gordon mit dem dritten Soloalbum um die Ecke. Der zweijährige Rhythmus fühlt sich an, als hätte Kim mit ihren 72 Lenzen Regelmäßigkeit in ihren Veröffentlichungen gefunden und als sei sie weiterhin zufrieden mit dem Solopfad. "The Collective" war vor allen Dingen cool, und "Play Me" macht da musikalisch keine Abstriche.
Wieder dominieren düstere Beats von Produzent Justin Raisen, nur wenig andere legten die Hände an, dafür begab sich Dave Grohl an die Drums bei "Busy Bee" – Freunde muss man haben. Die Texte waren auf dem Vorgänger etwas missmutiger, mehr über das eigene Leben und die Drecksmännern schimpfend, jedes Wort wirkte glaubhaft. Auf "Play Me" funktioniert alles, was Gordon an Gedankenfetzen aneinanderreiht, wie die Auflistung von Spotify-Playlists im Titeltrack. Leider versagt das Konzept dort, wo Gordon KI und soziale Medien angreift. Dieses Phänomen ist primär von alten Männern bekannt, aber auch Kim kann ohne große Kenntnis und mit viel Verve über Dinge sprechen, von denen sie sichtbar nichts versteht und damit die alte Punk-Weisheit "The kids are alright" bricht.
Da Kims sprechsingende Stimme so im Mittelpunkt steht, tut das schon ein wenig weh. Sängerin und Beats finden allerdings wie auf dem Vorgänger immer ausgezeichnet zueinander. Auf den zwar düsteren, aber durchgehend lebendigen und breiten Beats räkelt Kim sich gekonnt, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, ohne dabei routiniert oder abgeklärt zu klingen. Ihr sonorer Vortrag unterschreitet nie eine Mindestcoolness, glänzt aber auch nicht mit Dynamik, so dass die Qualität der fast komplett zwischen zwei und drei Minuten kurzen Songs mit den Beats steht oder fällt.
Mit dem Titeltrack beginnt das Album spektakulär mit supersouligen Bläsern und toller Percussion, Gordon nimmt die Stimmung lasziv auf und legt die Messlatte verdammt hoch. "Girl With A Look" taucht danach unvermittelt Richtung Crystal Castles ab, was auch sehr gut funktioniert.
Nicht ganz so gelungen gerät die Formel bei den Leftfield-Hip Hop-Beats "No Hands" und "Black Out", auf denen Kim jeweils kurz verloren wirkt. Raisen macht es ihr aber auch nicht leicht, auch auf "Dirty Tech". Ich möchte sehen, wer sich zurechtfindet auf diesen zwar angenehm hörbaren, aber schiefen Beats; selbst Danny Brown würde da erst mal stutzen, dabei rappt Kim nicht mal, sondern spricht. So kommen zwar keinesfalls schlechte, aber eben Songs heraus, bei denen man Kim die Mühe anhört.
"Not Today" ist ein Song, wie man mit der jungen Kim verbindet, ein klassischer Indierocker, allerdings mit sehr gelungener Shoegaze-Ornamentierung. Ein toller Track, der längste des Albums und mit sehr schöner Sehnsucht, der den Mut zur Kante mitnimmt aus dem elektronischen Hauptteil des Albums. Der Clusterfuck "Busy Bee" lebt von seinem Chaos und Grohls Drums, so wie weiter hinten auch "Subcon", das weniger gut als saucool ist mit seinen Basskellerausbauten. das fade "Square Jaw" leitet den schwächeren Schluss von "Play Me" ein. "Post Empire" hat nur eine Loopidee und nichts als Unterbau, "Nail Biter" ist "Subcon" ohne die entschlossene Coolness, und "Byebye25!" fällt nichts mehr ein, was sich auch in den etwas belanglosen Lyrics des Stücks zeigt.


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