15. September 2026
"Metaller lachen auch!"
Interview geführt von Emil DröllComedy? Metal? Für Bülent Ceylan keine Gegensätze. Im Interview spricht er über seine Band, Schlager-Kollabos mit Helene Fischer und Roland Kaiser, politische Botschaften und Album-Verrisse.
Bülent Ceylan will längst nicht mehr nur als Comedian mit Faible für harte Gitarren wahrgenommen werden. "B.L.N.T." ist bereits sein zweites Album. Frisch bei Napalm Records, weht direkt ein neuer Wind. Das neue Album-Cover macht sofort klar: Achtung, Metal! Ganz egal, was es letztlich ist: Man spürt, Ceylan hat eine Menge Spaß daran.
Hallo Bülent, wie geht es dir? Was steht bei dir gerade an?
Mir geht es gut! Morgen ist Bandprobe, dann kommt noch ein bisschen Comedytour und dann die Vorbereitung auf die Clubtour. Morgen kommt auch ein Vocal-Coach, der auf Metal spezialisiert ist und mir ein bisschen hilft. Gerade bei Growls und Screams muss man wissen: Wie atme ich richtig, wann nimmt man sich zurück, wie beanspruch ich die Stimme? Live vergisst man das manchmal wieder, weil man so drin ist. Aber am Ende muss man auch Spaß haben und das leben und lieben, was man macht.
Wie ist deine Band eigentlich organisiert? Spielst du dauerhaft mit denselben Musikern?
Ich versuche natürlich, möglichst dieselbe Band zu haben. Aber das ist nicht immer einfach, weil die Musiker auch eigene Projekte haben. Ich bin relativ spät wieder ernsthaft in die Musik eingestiegen. Hätte ich meine Jugendband von damals behalten, wären wir wahrscheinlich gemeinsam gewachsen wie andere Bands auch. So musste ich mir später eine neue Formation zusammensuchen. Deshalb trete ich auch unter meinem Namen mit Band auf und bin etwas unabhängiger von einzelnen Musikern. Trotzdem ist es mir wichtig, mit Metal-Musikern zusammenzuarbeiten. Die aktuelle Band macht einen großartigen Job, und ich bin sehr happy mit ihr.
Ist denn der Name Bülent Ceylan musikalisch eher Chance oder Belastung für dich?
Gute Frage. Interessanterweise ist das im Ausland teilweise ganz anders. Ich hatte Interviews mit Medien aus Dänemark, Russland oder Australien, und da werde ich zunächst einfach als Musiker wahrgenommen. Die lesen dann irgendwann: Ach, der ist in Deutschland auch Comedian. Die sind da nicht so voreingenommen. Hierzulande ist die Reihenfolge natürlich umgekehrt. Da kommt sofort die Frage: Ist das jetzt nur ein Projekt? Aber ich sehe meinen Namen trotzdem eher als Vorteil. Gleichzeitig glauben viele, ich hätte als Comedian automatisch ein riesiges Publikum, das einfach zur Musik mitkommt. So funktioniert das nicht.
Ein Rock- und Metalpublikum will Authentizität. Die wollen merken: Der lebt das, der liebt das. Der ist zwar Comedian, aber er ist auch Metal-Musiker und mit voller Leidenschaft dabei. Das muss man sich live verdienen. Letzten Endes mache ich das ja jetzt nicht, um tatsächlich Geld zu verdienen. Es ist ähnlich, wie es auch bei der Comedy am Anfang war. Man muss etwas machen, das man fühlt und woran man glaubt.
Wenn man dann noch einen Nerv trifft, dann ist das nur das schöne Bonbon. Ich nenne jetzt keine Namen, aber es gibt in anderen Genres auch Leute, die das machen, weil sie genau wissen: Das ist jetzt Mainstream, das kommt gut an – dabei würde man eigentlich lieber was anderes machen. Und ich glaube, dass das dann auf Dauer, auch wenn man sein Geld verdient, etwas mit einem macht. Ob das der richtige Weg ist, weiß ich nicht.
"Arschloch ist Arschloch, Mensch ist Mensch"
Ich habe den Eindruck, du möchtest, dass die Leute deine Musik eigenständig und nicht nur durch die Comedy-Brille wahrnehmen. Gleichzeitig bringst du bewusst Comedy-Elemente mit hinein. "Diktatürk" heißt beispielsweise auch deine aktuelle Show. Warum möchtest du diese Welten einerseits trennen und führst sie andererseits immer wieder zusammen?
Da gebe ich dir recht, gerade am Anfang wollte ich das tatsächlich stärker trennen. Gerade beim ersten Album dachte ich: Ich muss das jetzt irgendwie sauber auseinanderhalten. Irgendwann habe ich mich aber gefragt: Warum eigentlich? "B.L.N.T." steht ja für Bülent. Das bin ich. Manche sagen auch: Genau das unterscheidet dich doch von anderen Metal-Musikern. Dass du Comedy kannst und vielleicht zwischen den Songs auch mal etwas sagst, worüber die Leute lachen können. Metaller lachen schließlich auch.
Ich mache jetzt nicht plötzlich mitten im Konzert sechs, sieben Minuten Stand-up. Aber die Comedy ist mein Joker. Wir hatten mal einen technischen Totalausfall, als wir auf die Bühne kamen. Da ging praktisch nichts mehr. Ich hatte nur noch ein Handmikrofon und habe so 10 Minuten lang improvisiert, bis die Technik wieder lief. Die Leute fanden es großartig und dachten teilweise sogar, das gehöre zur Show. Da habe ich gemerkt: Das gehört eben auch zu mir. Wenn ich mich selbst oder eine Panne auf die Schippe nehmen kann, hilft mir das. Musiker, die sich immer wahnsinnig ernst nehmen, können schnell arrogant wirken. Ich will einfach mein Ding machen.
Musik und Comedy erfüllen für dich also unterschiedliche Funktionen?
Absolut. Musik kann Dinge transportieren, die Comedy nicht so gut kann. Emotionen zum Beispiel, aber auch politische oder persönliche Botschaften. In einer Comedyshow kannst du nicht fünf Minuten lang etwas sehr Emotionales erzählen und danach sofort wieder erwarten, dass alle lachen. In der Musik funktioniert diese Achterbahnfahrt viel besser. Du kannst etwas Kritisches sagen, dann geht es wieder ab, dann kommt eine Ballade. Musik gibt dir dafür mehr Raum.
Politische Themen spielen auf "B.L.N.T." eine deutlichere Rolle. Ich denke etwa an die Zeile "Blaue Wahlplakate / Kein Bock drauf". Auch rund um das Glücksgefühle Festival gab es zuletzt eine politische Kontroverse. Warum ist es dir wichtig, deine Haltung auch musikalisch zu zeigen?
Ich habe vier Kinder. Irgendwann habe ich mir gedacht: Ich möchte nicht, dass sie mich eines Tages fragen: Papa, warum hast du in der Öffentlichkeit nie etwas gegen Rassismus gesagt? Warum hast du bei bestimmten Themen geschwiegen? Natürlich macht man sich als Familienvater Gedanken darüber, was passiert, wenn man sich klar positioniert. Kommen da jetzt Drohbriefe oder irgendwelche Kommentare? Aber irgendwann muss man sagen, wofür man steht.
Gleichzeitig glaube ich nicht, dass es hilft, einfach nur auf bestimmte Leute oder Parteien zu schimpfen. Ohne irgendjemanden in Schutz nehmen zu wollen: Da ist vieles schiefgelaufen, auch bei den etablierten Parteien. Menschen sind enttäuscht worden. Nur zu sagen, die anderen sind alle Idioten, bringt nichts. Man muss versuchen, miteinander zu reden. Das versuche ich in meinen Songs rüberzubringen, ein bisschen Positive Metal. Das ist letztlich auch die Botschaft von Songs wie "Habt Euch Alle Lieb": Du bist dafür, ich dagegen, du magst das, ich etwas anderes – aber am Ende müssen wir uns trotzdem an einen Tisch setzen und irgendwie miteinander klarkommen. Ich versuche immer wieder, offen gegenüber Menschen zu sein, auch wenn das manchmal schwerfällt. Aber auch zu sagen: Arschloch ist Arschloch, Mensch ist Mensch.
"Man soll sehen, dass du Metal machst"
Bei "Leck Mich Tag" heißt es im Promotext, der Song sei ein Statement gegen all jene, auf deren Meinung wirklich kein Wert gelegt werden sollte. Wir schreiben bei laut.de ja auch Albumrezensionen. Sind wir damit gemeint, oder machst du für Musikjournalisten eine Ausnahme?
(lacht) laut.de hat mich ja auch schon mal richtig zerrissen. Aber ich könnte jetzt trotzdem nicht sagen: Mit denen mache ich keine Interviews mehr. Warum? Es ist gut, sich zu unterhalten. Vielleicht schreibt ein anderer Redakteur wieder etwas völlig anderes. Und wenn Kritik konstruktiv ist, dann ist sie auch wichtig und man muss das aushalten können. Ihr macht euren Job, wir machen unseren Job. Wir brauchen euch ja auch, da muss man sich nichts vormachen.
Natürlich freut man sich über gute Kritiken. Und wenn ein Medium, das als kritisch bekannt ist – das soll jetzt keine Drohung sein – plötzlich etwas Positives schreibt, ist das vielleicht sogar ein besonderes Kompliment. "Leck Mich Tag" richtet sich eher gegen diese Menschen, die einem ungefragt ständig erzählen wollen, wie man sein Leben zu führen hat. Wenn ich auf die alle gehört hätte, dann wäre das nichts geworden. Aber das kennt wahrscheinlich jeder. Bei euch ist Kritik der Job. Das ist etwas anderes.
Ich muss kurz einhaken, bevor die Zeit um ist. Ich würde gerne noch auf die Kritik eingehen. Schon bei deinem ersten Album war der Genremix ein großer Kritikpunkt: Metal, Pop, Schlager. Du bist im Fernsehgarten aufgetreten und hast mit Roland Kaiser und Helene Fischer gesungen. Warum ist es dir trotzdem so wichtig, dich klar im Metalbereich zu positionieren?
Weil diese Musik einfach schon immer ein Teil von mir war. Angefangen hat es mit Grunge, Pearl Jam, Rage Against The Machine, Tool. Natürlich gibt es bei diesen Bands auch ruhigere Songs oder Balladen. Meine Mutter hört gerne Schlager, aber Schlager ist nicht unbedingt das, was mir ins Blut geht. Die Zusammenarbeit mit Helene oder Roland war eher Entertainment. Wir haben uns menschlich gut verstanden, also warum nicht gemeinsam einen Song rockiger machen?
Die Musik, die ich selbst mache und hinter der ich wirklich stehe, ist aber Rock, Hardrock und Metal. Natürlich gehören Balladen dazu. Aber bei Songs wie "Fünf Vor Zwölf", "Ein Hoch Auf Die Beschissenen Zeiten" oder "Leck Mich Tag" hörst du schon deutlich, wo meine Musik liegt.
Das Metal-Framing wird vor allem auch auf "B.L.N.T." sehr deutlich. Auf dem Cover: Feuer, Ketten, Explosion und der Schriftzug "Metal Inside, Highly Explosive". Ist das bewusst überspitzt?
Das war tatsächlich auch ein Prozess mit Napalm Records. Das ist ein Metal-Label und die haben gesagt: Wir wollen das auch optisch stärker in diese Richtung ziehen. Man soll sehen, dass du Metal machst. Natürlich gehört Inszenierung im Metal dazu. Schau dir Powerwolf an. Die sehen auf der Bühne anders aus als privat. Das Publikum liebt es, wenn man auch optisch etwas draufsetzt. Aber es darf auch nicht komplett übertrieben sein. Ich würde jetzt nicht mit einem riesigen Stab und Flammen auf die Bühne kommen wie auf dem Cover. (lacht)
Das Albumcover darf ruhig etwas extremer sein. Letztlich muss man aber auch darauf achten, dass Metal-Fans nicht denken: Verarscht der uns jetzt komplett? Ich glaube inzwischen, dass die meisten merken, dass ich diese Musik wirklich liebe. Und natürlich überlegt man gemeinsam mit dem Team auch, wie man das Publikum am besten anspricht. Wenn ich einfach nur als Bülent auf einem Cover stehen würde, denken viele vielleicht wieder sofort: Ah, der macht Comedy. Hier soll man auf den ersten Blick sehen: Da ist ein Rock- oder Metalalbum drin.
Dann sind wir gespannt, was das dritte Album bringt. Danke dir für das Gespräch!


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