laut.de-Biographie
DJ Sabrina The Teenage DJ
Die Welt braucht ein paar richtig seltsame Artists. Das ist doch das Schönste am Musik-Nerd-Sein: Jemanden zu entdecken, der oder die gefühlt nach völlig anderen Metriken und Methoden arbeitet und Musik macht, als man es davor je gesehen hat.
DJ Sabrina The Teenage DJ ist definitiv so ein Artist. Nicht nur der sperrige Name, der sich seltsam auf die Kult-Sitcom Sabrina The Teenage Witch bezieht, oder die Tatsache, dass sie in einem Duo mit ihrem Kater Salem arbeitet, macht ihre Arbeit so absolut enigmatisch und bizarr. Auch dass sie seit 2017 quasi konstant monumentale, gigantische Releases an Musik herausbringt, dass man selbst als hingebungsvoller Fan kaum hinterherkommt.
Aber was will man tun: Sabrina ist ein Rabbithole. Und sie macht schon eine ganze Weile Musik. Inspiriert von Aphex Twin und den Avalanches, aber auch der Breite der britischen Electronica-Szene macht sie sich in der Mitte der Zehnerjahre das erste Mal an digitale Audiostationen. Ihre Methode war es von Anfang an, Samples dicht ineinander zu schlingen und dabei nostalgische Gefühle von den Achtzigern bis in die Nullerjahre in eine seltsame Alchemie zu bringen - und wenn sie schon dabei ist, am besten gleich auch noch mit der Pixelart aus alten Computerspielen zu illustrieren.
Ihr erstes Album kommt 2017 und hört auf den Namen "Making Magick". Schon das stemmt stabile zwei Stunden Spielzeit - und auch, wenn erste Electronica-Heads sie ganz cool finden, ist niemand bereit dafür, wie viel Material ihre kleine Fangemeinde bald aufgeladen bekommt. Drei Alben folgen alleine bis 2020 - keins davon arg viel kürzer. Es ist das dreistündige "Charmed", das während der Pandemie (wohl der einzige Zeitpunkt, an dem alle wirklich genug Zeit hatten, sich mal so richtig auf ihr Zeug einzulassen) zu einem absoluten Untergrund-Hit kulminiert.
Aber sie rastet nicht: Es folgt "The Other Realm" (2 Stunden), "Makin Magick 2" (2,5 Stunden), "Bewitched" (kompakte 90 Minuten), "Destiny" (4 Stunden), "Hex" (2 Stunden), "Sorcery" (wieder nur 90 Minuten. Was sind das, EPs?) und schließlich das 2025 erscheinende "Fantasy" (wieder 4 Stunden). Sollte man also nur einen Artist in alle Ewigkeit hören dürfen, bekäme man mit DJ Sabrina The Teenage DJ solide Mengen geboten.
Ihr Enigma, aber auch ihre Strahlkraft verbreiten sich dennoch weiter: The 1975 sind Fans und schnappen sich Sabrina als Producerin und Songwritering für eine Single ihres Albums "Being Funny In A Foreign Language" - der wohl größte Look, den sie bis dahin bekommen hat. Ihre Remixes arbeiteten schon für Porter Robinson, Superorganism, DJ Seinfeld oder DJ Boring - trotzdem muss man sagen: Mainstream-Ambitionen wird DJ Sabrina nicht gerade verfolgen. Wenn sie so weitermacht wie gehabt, wird sie auch in Jahren noch Kultfans haben, die darüber diskutieren, welcher der 129 Tracks von "Makin Magick 5" (2029) oder der 211 Tracks von "Ultrabewitchment" (2033) jetzt die besten sind. Und ist es nicht charming, dass es auch diese Art Artist gibt?

