laut.de-Kritik
Guitarróns und Vihuelas statt SG und JCM 900.
Review von Kai ButterweckAuthentizität und Realness stehen bei Musikern hoch im Kurs. Wer sein Ding konsequent durchzieht, der hat die Musikpolizei immer hinter sich. So auch im Fall von The Bronx, einer allseits beliebten und geschätzten Punkrock-Combo aus Los Angeles, die seit der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums aus dem Jahr 2003 einfach nicht locker lässt und gradlinig ihren Stiefel durchzieht.
Was die Mannen um Frontmann Matt Caughthran nur noch sympathischer macht, ist die Tatsache, dass sie auch mit ihrem Mitte der Nullerjahre aus der Taufe gehobenen Sideprojekt nicht ins Wanken geraten. Auf dem vierten Mariachi El Bronx-Longplayer "IV" bleibt alles beim Alten. Die E-Gitarren werden durch Guitarróns und Vihuelas ersetzt, auch ein paar Bläser sind dabei, dazu ein hibbeliges Akkordeon und natürlich ganz viel Fuego, wenn es um die Vibes geht. Vielleicht klingen die neuen Songs etwas melancholischer und nachdenklicher als ihre Vorgänger. Aber das fällt stimmungstechnisch nicht wirklich ins Gewicht.
Mariachi El Bronx schmeißen sich in ihre kultigen Charro-Anzüge und fallen mit wippenden Füßen und klatschen Händen mit der Tür ins Haus ("Forgive Or Forget"). Man staunt nicht schlecht: Bereits nach neun Minuten kommt die Band mit einem wahren Hit um die Ecke. "Songbird" will nicht mehr aus dem Ohr. Zweieinhalb Minuten lang fühlt man sich hispanisch abgeholt, mit Samthandschuhen entführt und an eine Riviera Maya-Strandbar angekettet. Vor dem geistigen Auge tanzen die Herren Steve Martin, Martin Short und Chevy Chase mit ihren großen Sombreros auf dem heimischen Küchentisch. Noch einen Tequila? Klaro, her damit!
Mariachi El Bronx bleiben in ihrem Element. "Life can be so hard and Love can be so cruel", singt Mat Caughtran mit leidendem Unterton. Selbst in einem Moment tiefer Verzweiflung scheint es nur eine Heilung zu geben: Tanzen ("Fools Good"). So schwingen die Arme und kreisen die Hüften, bis die Garderobe schweißgebadet am Leibe klebt.
Selbst wenn der beschwipste Schifferklavierspieler übers weite Meer blickt und dabei meint, ein paar kollegiale Grüße aus der Alpenregion zu erhaschen, will man nicht runter von der Tanzfläche ("El Dorado"). Wenn Loverboy Romeo mit schwungvollen Rhythmen zu Grabe getragen wird ("RIP Romeo") und der Pokerfreund mit einem Lächeln im Gesicht in Richtung Abgrund torkelt ("Gamblers Prayer"), steht man applaudierend und mit offenem Mund an der Seite. Das nächste Karnevalsoutfit steht somit fest. Viva el traje de charro!


1 Kommentar mit 2 Antworten
Ganz gut, aber kennt ihr Torniquete?
Turnstile schreibt man aber anders.
Für meinen Turnstyle gab's meistens 4 minus...